Wird es ein Fingerhut? Oder eine Duschkappe für die He-Man-Figur? Das wissen wir noch nicht genau, aber eines ist fix: Häkeln ist der perfekte Stresskiller. © Bohmann

 

Das entspannendste Hobby der Welt

Wir häkerln Sie nicht: Häkeln erfreut Jung und Alt gleichermaßen. Es macht Spaß, baut Stress ab, und man kann kleine Kunstwerke aus Wolle erschaffen. CLUB WIEN hat sich einige Profitipps besorgt und versucht sich an der Handarbeit.

Lang ist es her: Noch dunkel erinnern wir uns an den Werkunterricht in der Volksschule. Wir, wie viele andere auch, haben seit langer Zeit nicht mehr gehäkelt. Schon damals waren unsere Häkelkünste nicht gerade berühmt, und die 30 Jahre, die seitdem vergangen sind, haben unserer Luftmaschentechnik nicht gerade gutgetan. Nicht unbedingt die idealen Voraussetzungen, Häkeln als neues Hobby zu wählen, aber von mangelndem Fachwissen haben wir uns noch nie abschrecken lassen.

Susanne Schneeberger ist Kursleiterin bei den Wiener Volkshochschulen und bietet außerdem Workshops sowie Videoanleitungen auf ihrer Website Wollspiele an. Egal ob Stricken oder Häkeln: Für die engagierte Lehrerin gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Auch wenn man in Eigenregie lernen kann, ist ein Kurs keine schlechte Idee. „Für absolute Neulinge empfiehlt es sich schon, einen Workshop zu besuchen, um die Grundtechniken zu erlernen. In meinen Kursen mache ich immer die Erfahrung, dass es eine große Herausforderung ist, einfach nur den Faden um die Finger zu wickeln“, sagt Schneeberger.

 

Weniger Stress, mehr Häkeln!

Die Häkelnadel kennt Schneeberger aus dem Effeff. „In meinem Elternhaus war Handarbeiten immer ein Thema. Meine Mutter häkelte, und meine drei Schwerstern häkeln heute noch“, sagt Schneeberger. „Seit über 40 Jahren sind Nadel und Faden immer meine Begleiter, ob im Urlaub, als Beifahrerin bei Autofahrten, bei Treffen mit Freunden oder einfach nur beim Fernsehen. Das Handarbeitszeug muss dabei sein.“ Was die Faszination ausmacht? „In erster Linie ist Häkeln für mich Entspannung und Time-out nach einem anstrengenden Tag. Außerdem ist es faszinierend zu sehen, wie aus einem Faden und einer Nadel schöne Unikate und Kunstwerke entstehen.“

Dass Häkeln „out“ ist, kann übrigens ruhig als Mythos abgetan werden. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen kommen zu den Kursen von Susi Schneeberger. „Ich erlebe auch immer wieder, dass Häkeln nicht nur Entspannung und Freude macht, sondern auch wunderschöne Freundschaften entstehen“, sagt Schneeberger. Impressionen dazu finden Sie auf der Facebook-Seite von Wollspiele.

Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt. Vom Accessoire über Polster und Vorhänge bis hin zu modischen Hüten und Pullovern und sogar Brautkleidern: Man kann eigentlich alles häkeln. Und um loszulegen braucht man auch nichts außer einer Häkelnadel und Wolle. Die Grundtechniken muss man allerdings erlernen. Die einfachste und am weitesten verbreitete ist die Luftmasche, an die Sie sich vielleicht auch noch erinnern können. „Sie ist Ausgangsbasis jeder Häkelarbeit und wird auch zur Überbrückung einer neuen Reihe Stäbchen oder zur Bildung von Schlingen verwendet“, sagt Schneeberger.

Die Luftmasche meistern

Und so geht es laut Profi: Der Faden des Häkelgarns sollte von rechts kommend über den Zeigefinger der linken Hand gelegt und ein Mal um ihn herumgewickelt werden. Das Ende des Fadens können Sie jetzt problemlos mit Daumen und Zeigefinger festhalten. Bilden Sie mit dem Faden eine Schlaufe, bei der das Ende des Fadens oben liegt. Führen Sie dann die Häkelnadel von hinten nach vorne durch die Schlaufe, sodass eine neue Schlaufe entsteht.

Trotz der hervorragenden Anleitung ist das Ganze nicht so leicht, wie man meinen möchte. Das erste Problem ist, wie von Frau Schneeberger prophezeit, den Faden gescheit um den Finger zu wickeln. Wir tun uns richtig schwer damit, einen schön straffen Faden zu machen. Das führt unweigerlich zu weiteren Problemen. Die Schlaufe wird zu groß, und wir müssen oft nachjustieren. Die Schlaufe rutscht uns vom Finger. Wir laufen sogar kurz Gefahr, die Häkelruhe zu verlieren. Doch dann wendet sich das Blatt. Nach diversen Versuchen sitzt die Schlaufe immer besser, die Finger verstehen langsam, was sie tun sollen, und die Schlaufen werden immer schöner.

Dass Häkeln entspannend ist, unterschreiben wir sofort. Die fast schon hypnotische Monotonie der Luftmaschen lässt den Alltagsstress vergessen, und wir schaffen es, das Gehirn abzuschalten. Gleichzeitig hat man das gute Gefühl, etwas Schönes aus dem Nichts zu erschaffen. Wir prophezeien: Häkeln ist das neue Yoga!

Nach ein paar Stunden üben ist unsere Luftmasche schon ganz ansehnlich, und wir entscheiden uns dazu, unser Projekt anzugehen: ein Armband soll es werden.

Wir riskieren die feste Masche

Wir häkeln eine gerade Linie, und als wir die richtige Länge für unser Handgelenk erreicht haben, gehen wir die zweite Grundtechnik an: die feste Masche. Denn: Das Band ist etwas zu schmal für unser Handgelenk, und darum wollen wir eine zweite Spur daneben ziehen. „Um eine feste Masche zu bilden, müssen Sie in eine vorhandene Masche einstechen und eine Schlinge herausziehen. Auf der Häkelnadel befinden sich dann zwei Schlingen. Der zur Wolle führende Faden wird durch beide Schlingen gezogen, dadurch entsteht eine feste Masche. Ausgangspunkt einer festen Masche ist üblicherweise eine Luftmasche“, sagt Schneeberger.

Wir nutzen quasi die zweite Schlinge für einen Richtungswechsel und hoffen das Beste. Und tatsächlich gelingt das Vorhaben. Mit der festen Masche häkeln wir eine zweite Spur in die entgegengesetzte Richtung, das Armband wird breiter. Auf eine dritte Runde verzichten wir, die Breite stellt uns auch jetzt schon zufrieden.

Jetzt wird es aber noch ein Mal knifflig. Wir wollen das Armband abschließen, denn ein Armband mit zwei Enden dürfte sich als unpraktisch erweisen. Also schneiden wir den Faden ab und ziehen ihn durch die letzte Masche. Jetzt legen wir die Häkelnadel kurz beiseite und greifen zur Nähnadel. Wir ziehen den Faden durch ein paar Maschen und nähen ihn dort quasi an, bis wir den Eindruck haben, dass er gut fixiert ist. Das Ganze hält, unser Armband ist fertig und sieht auch noch gut aus. Mit sehr wenig Wolle und etwas Geduld haben wir unser erstes modisches Accessoire geschaffen. Jetzt wissen wir endlich, wie sich erfolgreiche Modedesigner fühlen.

Das Stäbchen zeigt uns Grenzen auf

Vom Ehrgeiz gebissen, machen wir uns an die dritte und schwierigste Grundtechnik: das Stäbchen. „Schlingen Sie das Garn ein Mal um die Häkelnadel, bevor Sie wie bei der festen Masche einstechen und eine Schlinge herauszeihen. Auf der Nadel befinden sich jetzt drei Schlingen. Davon werden aber nur zwei abgekettet“, sagt Schneeberger. „Das gelingt, indem Sie den Faden durch die ersten zwei Schlaufen ziehen, die Nadel wieder hinter den Faden legen und ihn durch die letzten beiden Schlaufen ziehen.“

Wie sagt man so schön: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Beim Stäbchen stoßen wir an unsere Grenzen und müssen uns eingestehen, dass wir noch mehr Übung brauchen. Doch wir bleiben dem Hobby mit Sicherheit treu, und in ein paar Wochen werden wir mit verbesserter Fingerfertigkeit auch diese Technik meistern. Und wir werden im VHS-Kursprogramm nach einem geeigneten Kurs suchen. Bei den Wiener Volkshochschulen wird natürlich nicht nur Häkeln angeboten. Sie finden ein breites Angebot aus den Bereichen Handarbeiten und Textiles Design.

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