Der Vorplatz der U-Bahn-Station wird neugestaltet und ausgiebig begrünt. © Mossburger / OLN – office le nomade

 

Spittelau wird Wiens „coolste“ U-Bahn-Station

Mit grünen Anlagen und Stationen und vielen neuen Bäumen und Sträuchern wollen die Wiener Linien Hitzeinseln in der Stadt entgegenwirken. Die Station Spittelau wird heuer neugestaltet und begrünt. CLUB WIEN hat bei den Wiener Linien nachgefragt.

Eine vertikale Blumenwiese an der Fassade, nahezu 5.000 Sträucher, Gräser und Kräuter. Die U-Bahn-Station Spittelau wird grün. Die Wiener Linien leisten so einen Beitrag dazu, die Stadt kühl zu halten. Denn die Büsche lassen den neu gestalteten Vorplatz nicht nur gut aussehen, sie verbessern auch das Klima.

Pflanzen binden nicht nur Schadstoffe aus der Luft. In der Natur wird Regenwasser in Baumkronen, in bewachsenen Böden oder von Pflanzen gespeichert. Das Wasser ist auch noch Wochen nach dem Regen verfügbar und wirkt als Klimaregulator. Dabei entsteht Verdunstungskälte; das Wasser verdunstet und kühlt die Umgebung.

CLUB WIEN hat mit Lisa Schmid von den Wiener Linien darüber gesprochen, wie die U-Bahn-Station in den kommenden Monaten umgestaltet wird und nach welchen Gesichtspunkten die Neugestaltung erfolgt. Außerdem erzählt Schmid über andere spannende Projekte.

CLUB WIEN: Warum wurde die Station Spittelau für das Projekt ausgewählt?

Lisa Schmid: Der Vorplatz wird ohnehin saniert, unter anderem auch die unterirdischen Leitungen. Deshalb wurde im Zuge der Sanierungsplanung beschlossen, auch gleich etwas Gutes für das Klima zu tun. Auf dem Weg zur Klimamusterstadt investiert Wien nämlich intensiv in Cooling-Projekte in verschiedenen Grätzln. So werden pro Jahr zehn städtische Fassaden begrünt. Denn: Großflächige Begrünungen sind neben der Forcierung des öffentlichen Verkehrs ein wichtiger Baustein, um die Entstehung von Hitzeinseln zu verhindern. Insgesamt gibt es in Wien darum bereits 150 begrünte Häuser. 

Wie werden Station und Vorplatz im Detail renoviert?

Die Bauarbeiten beginnen im Juni. Bereits im Herbst 2020 soll der fast 4.000 m2 große Platz zwischen der U-Bahn-Station Spittelau und der Wien Energie Welt im neuen grünen Glanz erstrahlen.

Insgesamt werden über 4.600 Sträucher, Gräser und Kräuter gesetzt. Viele neue Sitzmöbel, eine Citybike-Station und 26 Schatten spendende Felsenbirnen-, Buchen- und Kieferbäume werden zum entspannten Verweilen einladen.

Es werden über 100 Radständer errichtet. Wer will, kann bei der WienMobil-Station unterschiedliche Fahrzeuge ausleihen oder einfach gemütlich in der grünen Oase sitzen. Damit schaffen wir einen coolen neuen Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner im Alsergrund.

Nach welchen Gesichtspunkten wurden Bäume und Sträucher ausgewählt?

Unter dem Motto „Greener Linien“ haben wir uns zum Ziel gesetzt, Wien noch klimafreundlicher zu machen. Darum haben wir besonders darauf geachtet, klimafeste und robuste Pflanzen für die grünen Naturinseln am Vorplatz und für die Fassade auszuwählen. Wichtig war uns auch, möglichst viele Schatten spendende Bäume zu pflanzen. Insgesamt werden wie erwähnt über 4.600 Sträucher, Gräser und Kräuter gesetzt sowie 26 Schatten spendende Felsenbirnen-, Buchen- und Kieferbäume gepflanzt.

Es wird auch Photovoltaik-Module geben. Wie kam es zu der Idee und wie funktioniert das genau?

Wir versuchen immer klimafreundlicher und energieeffizienter zu werden. Photovoltaik testen wir gerade in einem Pilotprojekt in der U-Bahn-Station Ottakring. Dort wird in Spitzenzeiten bereits 50 Prozent des gesamten Stationsstroms aus Sonnenstrom gewonnen. Am Vorplatz Spittelau werden die speziellen Photovoltaik-Module ein besonderes Highlight: Sie spenden tagsüber Schatten, integrierte Nebeldüsen sorgen an heißen Sommertagen für noch mehr Abkühlung. Mit der gespeicherten Sonnenenergie leuchten die Module in den Abend- und Nachtstunden den Gehweg hell aus. Damit soll das Sicherheitsgefühl zusätzlich gesteigert werden.

Könnten Sie uns einige Details zur WienMobil-Station verraten? Wieso unterstützen die Wiener Linien Sharing-Angebote?

Es werden über 100 Radständer errichtet. Wer will, kann bei der WienMobil-Station unterschiedliche Fahrzeuge ausleihen. Genauere Infos, wie viele und welche Fahrzeuge hinkommen, wird es noch geben. Wie WienMobil-Stationen funktionieren kann man auf der Wiener-Linien-Homepage nachlesen.

Sind weitere ähnliche Projekte der Wiener Linien in Planung oder Umsetzung?

Wir begrünen Flächen, wo immer es geht, letztes Jahr zum Beispiel zehn Wartehäuschen oder die Grüngleise bei der Linie D im Sonnwendviertel. Grüngleise sind heuer auf der Linie O geplant, bei der Verlängerung ins Nordbahnviertel. 

Im Allgemeinen: Was werden in den nächsten Jahren die Eckpfeiler der Initiative „klimafreundliche Mobilität“ seitens der Wiener Linien sein?

Ein hoher Öffi-Anteil und der laufende Öffi-Ausbau sind unerlässliche Maßnahmen für einen erfolgreichen Kampf gegen die Klimakrise. Das Linienkreuz U2xU5 ist das größte Klimaschutzprojekt der Stadt. Mit der neuen U5 und dem Ausbau der U2 wird die Kapazität des gesamten Öffi-Netzes enorm erhöht und Platz für zusätzliche 300 Millionen Fahrgäste geschaffen. Mit einer zukünftigen Gesamtkapazität von erstmals 1,3 Milliarden Fahrgästen kann so ein Drittel mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen und aktiv zur Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen.

Weitere grüne Projekte, von Sonnenstrom bis Begrünungen, gibt’s auf der Wiener-Linien-Website. Und seit dieser Woche gibt es auch einen eigenen Ausstellungsbereich im U2xU5 Infocenter bei der U-Bahn-Station Volkstheater.