Das Graffiti ist der neue Hingucker im Grätzel. © Franzi Kreis

 

Das Graffiti und der Gemeindebau

Der Gemeindebau Madersperger-Hof ist cooler als je zuvor. Dafür sorgt ein großes Graffiti. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des Nachbarschaftsservice wohnpartner und der BewohnerInnen und brachte die Menschen im Gemeindebau näher zueinander.

Ein Hingucker ist es auf jeden Fall. Das 50 Quadratmeter große Graffiti an der Hauswand des Madersperger-Hofs sorgt dafür, dass die Passantinnen und Passanten reihenweise stehen bleiben, um das Kunstwerk zu bewundern. Das Graffiti an der Fassade Landstraßer Hauptstraße 173-175, Ecke Viehmarktgasse, hat das Grätzl um ein buntes Highlight bereichert.

Die Idee hinter dem Projekt war, die Gemeinschaft durch Kreativität zu fördern, wie Elena Resch, Gebietsleitung wohnpartner-Gebiet 3_4_11, erzählt. „Das Kunstprojekt wurde von der Kulturkommission Landstraße, die das Vorhaben als Begegnungsmöglichkeit mit der Kunst sah, unterstützt und die Realisierung wurde von wohnpartner begleitet. Besonders dabei ist, dass das einzigartige Kunstwerk unter Mitwirkung der Bewohnerinnen und Bewohner entstand“, sagt Resch. Das Interesse seitens der Menschen im Gemeindebau war rege. Sie waren von der ersten Stunde an eingebunden und es gab regelmäßige Gespräche über die Gestaltung.

„Die Ideenfindung und die Erarbeitung der Motive fanden im Rahmen kreativer Workshops statt. Die Bilder, die im Zuge der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Grätzls, mit dem gegenwärtigen Miteinander im Gemeindebau und nicht zuletzt mit Träumen entstanden sind, wurden zur künstlerischen Inspiration“, sagt Resch.

Grätzl erwacht im Graffiti zum Leben

Viele Elemente des Grätzls und der nahen Umgebung wurden in das Wandbild aufgenommen. „In Anlehnung an die Parkbenennung nach dem Erfinder und Schriftsteller Carl Djerassi neben der Wohnhausanlage finden sich Bücher an der Fassade. Zu sehen sind auch die Sudpfannen der ehemaligen Mautner’schen Brauerei. Im obersten Teil des Gemäldes erkennt man die Nähmaschine, die Josef Madersperger 1814 erfunden hat. Weiters ist das St. Marxer Versorgungshaus abgebildet, das sich einst an der Stelle der Wohnhausanlage befand und in dem Madersperger völlig verarmt starb. Aber auch die Ideen der Mieterinnen und Mieter treten uns als blauer Käfer, Wasserfall und Löwenzahn entgegen“, erklärt Resch die diversen Motive.

 

Für die Bewohnerinnen und Bewohner, bei denen das Interesse an Graffiti-Kunst geweckt wurde, organisierten wohnpartner und die Künstler die Workshops „Kunst aus der Spraydose“. Bei Umsetzungsschwierigkeiten half man sich gegenseitig oder setzte auf den professionellen Rat der Künstler. Gestaltet wurde das Graffiti von den Graffiti-Künstlern „stone one & el jerrino“, alias Norbert Wabnig und Jeremias Altmann.

Am Anfang spürte man durchaus noch Zurückhaltung bei diversen Menschen des Baus. Doch die Stimmung veränderte sich nicht nur ins Positive, der gesamte Prozess brachte die Leute näher zueinander. „Anfängliche Skepsis verflog, als das Projekt vor der eigenen Haustür nach und nach die Bewohnerinnen und Bewohner in seinen Bann zog. Während des gemeinsamen Schaffens konnten einige nachbarschaftliche Missverständnisse geklärt werden“, sagt Resch. Durch den regen Austausch lernten sich alle besser kennen, aus Nachbarinnen und Nachbarn wurden Bekannte und manchmal sogar Freundinnen und Freunde.

Kunst schafft Gemeinschaft

Das war auch das große Ziel von wohnpartner, wie Resch berichtet. „Das Zusammenleben der oft sehr unterschiedlichen Menschen im Gemeindebau selbst stellt eine hohe Kunst dar. wohnpartner möchte die Bewohnerinnen und Bewohner des Gemeindebaus dabei unterstützen, einander zu verstehen und gemeinsam Neues zu schaffen.“

Die Verschönerung des Grätzls war dabei ein mehr als angenehmer Nebeneffekt. Bei diesem Projekt stand jedoch auch die Rolle der Kunst in der Gemeinschaftsförderung im Vordergrund. „Kulturvermittlung ist uns ein besonderes Anliegen und ein Schwerpunkt in unserer Präventionsarbeit. Gefördert werden soll insbesondere der Dialog zwischen den Menschen. Selbst die Kulturvermittlung basiert bei wohnpartner in erster Linie darauf, da unzureichende Kommunikation zwischen den Menschen die Quelle vieler Probleme ist“, sagt Resch.

Das Graffiti als moderne Kunstform bringt Leben und Kultur in den Wiener Gemeindebau. So zeigt sich einmal mehr, dass die geschichtsträchtigen Bauten nie stillstehen, sondern sich immer weiterentwickeln, so wie die Menschen, die darin leben. „An unzähligen Gemeindebauten wurden die Mosaikreliefs und die Plastiken in den Höfen der Gemeindebau-Wohnhausanlagen zu echten Wahrzeichen. Jetzt hat sich die Kunstform Graffiti dazugesellt und bringt eine weitere, moderne, individuelle Note ins Stadtbild des Wiener Bezirks Landstraße.“