"Relax hier, aber sei nice!" – in der Grätzloase in der Lerchenfelder Straße wird Respekt groß geschrieben, Vandalismus oder Diebstahl haben hier keinen Platz! © PID/Christian Fürthner

Vom Trikot zur Grätzloase

Originalität, Qualität und urbane TrendsetterInnen. Die Lerchenfelder Straße hat viel zu bieten. Seit 2017 gibt es die Grätzloase "Kraft_Tank_Stelle". Sie schafft einen Wohlfühlplatz inmitten des turbulenten Geschehens.

Die Grätzloase "Kraft_Tank_Stelle" liegt direkt vor dem Concet Store "field" von Philipp Altenberger eine Oase, die dazu einlädt, sich eine kurze Auszeit zu gönnen und Kraft zu tanken. Die Idee dazu kam dem Store-Inhaber, als er beim Spazieren selbst auf eine Grätzloase stoß und sich dachte: Wow, was ist das? "Ich habe die Grätzloase in der Neustiftgasse gesehen und mich gefragt, was dahinter steckt. Zu Hause habe ich danach gegoogelt und herausgefunden, dass es Infoveranstaltungen gibt. Daraufhin bin ich zu einem Infoabend am Brunnenmarkt gegangen und fand die Idee zur freien Gestaltung sehr spannend. Dort habe ich mich auch mit einem anderen Betreiber einer Grätzloase unterhalten und unser Gespräch hat mich dazu inspiriert, meine eigene Grätzloase zu machen", erzählt der Grätzloase-Betreiber. Sein Ziel: den Menschen in seiner Umgebung einen kleinen Ruheort inmitten der Stadt zu bieten. CLUB WIEN besuchte die Grätzloase und hat mit Philipp Altenberger über seine Wohlfühloase im 7. Bezirk gesprochen.

Field meets Grätzl

"Die Lerchenfelder Straße ist eine sehr befahrene Straße. Es herrscht ständiger Verkehr und es ist laut. Zudem gibt es sehr wenige Möglichkeiten zum Sitzen, zum Entspannen, quasi einfach zum Sein. Das finde ich sehr schade. Mit der Grätzloase will ich einen gemütlichen Ort schaffen, bei dem man ein bisschen relaxen und ein bisschen Kraft tanken kann, daher auch der Name 'Kraft_Tank_Stelle'", so Altenberger.

2017 gab es die Grätzloase zum ersten Mal. Damals noch etwas unerfahren, baute Altenberger die Oase in Richtung Straße. "Wir haben letztes Jahr den Lärm vom Verkehr etwas unterschätzt. Die Oase war nur mit Maschendrahtzaun abgesperrt, sodass Kinder nicht auf die Straße fallen können. Ziel war, die Grätzloase offen und frei zu gestalten. Durch den Lärm und den dichten Verkehr kann man aber nicht wirklich gemütlich draußen sitzen. Deshalb haben wir dieses Jahr alles etwas anders gemacht", so Altenberger.

Kraft_Tank_Stelle Vol. 2

Wenn der Initiator von "wir" spricht, spricht er von sich und seinen Freunden, die ihn bei der Arbeit zur Grätzloase unterstützten. Altenberger beauftragte einen befreundeten Architekten für die Gestaltung und den Bau der Oase. Gemeinsam entwarfen sie das Konzept zur Kraft_Tank_Stelle Vol.2. Im Gegensatz zum Vorjahr leuchtet die Oase in bunten Farben, Holzbänke und Holzvorrichtungen sorgen für ein gemütliches Ambiente. Farblich wurde die Oase an das Konzept des Shops angepasst, das heißt viel Grün und Natur. "Es sollte ein wenig Farbe in die Lerchenfelder Straße, um den Grau-in-grau-Charakter zu brechen", so der Initiator. Die Bemalung wurde von dem Wiener Illustrationsstudio HFA gemacht. So zieren bunte Blumen und grüne Pflanzen die Parklets. Abgegrenzt und abgeschottet von der befahrenen Straße, dient die Kraft_Tank_Stelle Vol.2 als Ruheoase inmitten der Lerchenfelder Straße.

Kommt vorbei!

Und die Oase kommt gut an. "Die Kraft_Tank_Stelle ist fast immer besucht. Das Feedback ist sehr positiv, es bleiben viele Leute stehen, fragen nach und machen Fotos. Vor allem an schönen Tagen sitzen hier immer Leute, die sich unterhalten, gemeinsam Zeit verbringen und das Wetter genießen", so Altenberger. Neben der Funktion als Wohlfühloase bietet die Grätzloase auch nützliche Dinge an. So stehen ein mietbares Grätzlrad sowie Werkzeuge für schnelle Fahrradreparaturen öffentlich zur Verfügung. Es werden Workshops in Kooperation mit den Partnerinnen und Partnern der Umgebung angeboten und regelmäßig finden kleinere Veranstaltungen statt.

"Ich finde es wahnsinnig super, dass es die Initiative zur Grätzloase gibt und alle ein Konzept einreichen können. Ich finde es auch toll, dass jede Grätzloase individuell gestaltet werden kann, dass es nicht so ein Baukastenprinzip ist, das nach bestimmten Vorlagen auszuschauen hat. Dadurch entsteht eine große Bereicherung im urbanen Raum und die Stadt wird bunter und belebter", so Altenberger.

End of Summer Party: Here we come!

In der Grätzloase wird nicht nur relaxt, sondern auch gefeiert. Am 6. September findet hier die End of Summer Party statt. Neben Näh-Workshop mit Yaga oder einem "How to fix your bike"-Workshop mit der Trikoterie gibt es auch viele tolle Angebote im Concept Store. Am 15. September feiert auch die Grätzloase den traditionellen Park(ing) Day. Der Park(ing) Day ist ein seit 2005 international jährlich begangener Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten. An einem Tag im September werden Parkplätze im öffentlichen Straßenraum kurzfristig umgewidmet und einer anderen Nutzung - etwa als grüne Oase oder Pflanzinsel, als Gastronomie- und Sitzfläche, als Fahrradabstellfläche - zugeführt. Die Kraft_Tank_Stelle darf an diesem besonderen Tag der Mitgestaltung des öffentlichen Raums natürlich nicht fehlen.

Concept Store field

Philipp Altenberger ist Gründer von Trikoterie, ein Wiener Label für Fahrradtrikots. Die Idee zu seinem eigenen Label entstand, als der leidenschaftliche Rennradfahrer mit seiner Radgruppe nach einem originellen Outfit suchte. "Jeder Rennradverein hat sein individuelles Trikot. Unsere Rennradgruppe wollten auch etwas Eigenes und so entstand die Idee, unsere Fahrradhemden selbst zu kreieren", so Altenberger. Aus einem Design wurden schnell mehrere und Philipp Altenberger gründete sein eigenes Label. Seitdem arbeitet er mit Wiener Künstlerinnen und Künstlern zusammen und vertreibt individuelle Trikots, Fahrradflaschen, Caps und auch Radlerinnen- und Radlerhosen. 2016 entschloss er sich, den Schritt von der digitalen Welt in die reale zu machen, und eröffnete mit drei weiteren Kreativen den Concept Store "field" in der Lerchenfelder Straße.

Ein Vierergespann in der Lerchenfelder Straße

"Den Shop teilen wir uns zu viert. Dabei liegt unser gemeinsamer Fokus auf Produkten, die in Wien angefertigt oder produziert werden. Das heißt, meine Fahrradtrikots werden in Wien entworfen und hergestellt, dann gibt es bei uns noch Yaga. Die Gründerin Yasmin macht Produkte aus Leder: Geldbörsen, Accessoires, Taschen. Ihre Designs werden in Wien mit der Hand produziert. Dann haben wir noch Trash Design, das gehört zu den Wiener Volkshochschulen. Trash Design macht Produkte aus Elektroschrott. Es sind Upcycling-Produkte wie Schmuck, Accessoires und Möbel. Die Wände sind an Kuoka vermietet. Kuoka steht für Kunst online kaufen. Das Unternehmen vertreibt Kunstwerke über eine Onlineplattform", erzählt Altenberger. Neben seiner Tätigkeit als Shop-Inhaber betreibt Philipp Altenberger eine Werbeagentur. "Phil" heißt das Einmannunternehmen und wird vom Hinterzimmer des Concept Stores aus geleitet. Zusätzlich zur Werbeagentur gibt es noch weitere Jungunternehmen, die sich im field einen Arbeitsplatz gemietet haben. Der Concept Store field, ein Ort an dem Kreative zusammenfinden.