Die Grätzloase in der Kaiserstraße bietet Kunst und Grün – mit virtuellem Mehrwert. © PID/Christian Fürthner
Die Grätzloase in der Kaiserstraße mit dem Kunstwerk Littos in voller Pracht © PID/Christian Fürthner
Mit einem Smartphone lässt sich das Kunstwerk an der Grätzloase zum Leben erwecken. Rechts im Bild: Künstlerin Litto © PID/Christian Fürthner
Künstlerin Litto und Galerist Rudolf Leeb in der künstlerisch gestalteten Grätzloase in der Kaiserstraße © PID/Christian Fürthner
Auch die Tische der Grätzloase wurden von Litto künstlerisch gestaltet. © PID/Christian Fürthner
Einmal in Gelb gehalten ... © PID/Christian Fürthner
... und einmal in Blau. Den herzförmigen Schattenriss macht hier Litto. © PID/Christian Fürthner
Die Grätzloase in der Kaiserstraße bietet Kunst und Grün und lädt zum Verweilen ein. © PID/Christian Fürthner

Lebende Kunst und sattes Grün

Ein Kunstwerk, das dank einer App zu virtuellem Leben erwacht, dazu Hochbeete mit Bananenbaum und mehr: Das ist die Grätzloase in der Kaiserstraße in Wien-Neubau. CLUB WIEN stellt in einer kleinen Serie einige der schönsten Grätzloasen Wiens vor.

Der Parkplatz vor der Galerie ARCC.Art in der Kaiserstraße ist in den Sommermonaten dauerhaft besetzt. Denn in der Höhe zwischen Burggasse und Neustiftgasse befindet sich noch bis Ende September eine Grätzloase, die es in sich hat. Nicht nur setzt sie mit Hochbeeten und einem Bananenbaum grüne Akzente. Auch das Kunstwerk an der Außenwand des Parklets ist für sich allein bereits ein Hingucker. Doch nimmt man zusätzlich ein Smartphone oder ein Tablet zur Hand und sieht sich das Bild mithilfe der kostenlosen App Artivive an, erwacht es zum Leben: Die Betrachterinnen und Betrachter sehen, wie sich das Kunstwerk verändert, entwickelt und Gestalt annimmt.

Urheberin des Werks ist Daniela "Litto" Weiss. "Litto ist mein Künstlername, eine Abkürzung von Littomericzky", erklärt sie. "Das ist der Familienname meiner Großmutter mütterlicherseits. Ich habe mich nach ihr benannt, weil sie immer unterstützt hat, dass ich Kunst mache." In ihrer Arbeit widmet sie sich der Digitalisierung unserer Welt. "Ich wollte ein Medium finden, in dem einerseits das Originalkunstwerk zu sehen ist, andererseits auch der Entstehungsprozess dargestellt wird", so Litto. "Deswegen habe ich begonnen, eine App zu bauen. Über ein Smartphone oder ein Tablet sollte man diesen Entstehungsvorgang direkt am Kunstwerk sehen. Ich habe dann Artivive kennengelernt. Die hatten bereits eine App dieser Art entwickelt."

Bild wird zur Leinwand

Das Wiener Unternehmen Artivive bietet Augmented-Reality-Lösungen für Künstlerinnen, Künstler und Kreative: "Unter Augmented Reality versteht man die computergestützte, virtuelle Erweiterung der Realität. In anderen Worten: Die reale Umgebung wird mit digitalen Informationen angereichert", erläutert Artivive-Gründer und -CEO Codin Popescu. "Das analoge Kunstwerk dient dabei stets als Tor zum digitalen Inhalt. Das Video wird am Smartphone oder Tablet anstatt des erkannten Bildes abgespielt. Das Bild wird dadurch zur Leinwand." So auch das Vier-Meter-Kunstwerk in der Kaiserstraße: "Am Bildschirm erscheint die von der Künstlerin gestaltete Animation. Diese legt sich auf das Kunstwerk im realen Raum – die Grenzen zwischen digitaler und physischer Welt verwischen."

Initiiert wurde die multimediale Grätzloase von Rudolf Leeb, Mitgründer und Geschäftsführer der ARCC.Art-Galerie. "Wenn Vernissagen sind, erweitert es den Galerieraum, dann sitzen immer Leute draußen. Außerdem wollten wir ein bisschen Grün in die Kaiserstraße bringen", so Leeb. "Nachdem wir eine Galerie sind, haben wir versucht, das mit Kunst zu verbinden. So kam es zu einer guten Kombination aus Galerie, Grätzloase und Augmented Reality." Lachend fügt er hinzu: "Man muss nur immer aufpassen, dass man nicht vom 5er überfahren wird, wenn man sich das Kunstwerk anschaut."

Open-Air-Atelier in der Krieau

Wegen der Straßenbahnlinie 5 und wegen des Straßenverkehrs konnte Litto auch nicht an Ort und Stelle an ihrem Bild arbeiten. "Ich habe es in der Krieau gemacht", erzählt Litto. "Mit vier Metern ist es riesig, deshalb habe ich mir im Freien eine Art Atelier-Situation geschaffen und open air gemalt. Wegen seiner Größe war es ein bisschen schwierig zu transportieren, deshalb haben wir es in drei Teile geteilt." Rudolf Leeb ergänzt: "Das war die größtmögliche Plattengröße, die wir in ein Auto gebracht haben."

Wie bei jeder Grätzloase darf dort ausdrücklich jede und jeder verweilen – ob mehr kunstinteressiert oder weniger. Das freut auch Rudolf Leeb: "Beim Café gegenüber scheint am Vormittag die Sonne hin. Deswegen haben sich junge Leute mit Baby dort ihren Cappuccino und ihren Caffè Latte gekauft und sich für eine halbe Stunde in die schattige Grätzloase gesetzt. Das Kind hat derweil gespielt. In der Mittagspause wiederum kommen oft auch Bauarbeiter aus der Umgebung her und essen oder trinken nach Dienstschluss noch ein Bier."

Ein Besuch der Grätzloase in der Kaiserstraße lohnt sich auf jeden Fall. Mitten in Wien-Neubau lässt es sich zwischen den beiden Hochbeeten herrlich entspannen, vielleicht auch mit anschließendem Besuch der ARCC.Art-Galerie. Und Littos Kunstwerk gibt es auch noch zu besichtigen – dank der Artivive-App mit virtuellem Mehrwert.