Bei der Grätzl-Rallye folgt man einer vorgegebenen Spazierroute, nimmt dabei die Umgebung bewusst wahr und löst auf dem Weg ein Dutzend Rätsel. Das Rätselheft zeigt, wo es langgeht. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Mit Kinderaugen die Stadt entdecken

Auch während einer Pandemie können Kinder und ihre Familien viel Spaß haben. Etwa mit den Grätzl-Rallyes, modernen Schnitzeljagden für jeden Bezirk. Zwei Familien haben den Selbsttest gemacht.

Es ist Sonntag, die Sonne strahlt und lockt ins Freie. Ein weiterer ausgedehnter Spaziergang, ein Ausflug ins Grüne? Heute auch, aber eben nicht nur. Familie R., das sind Mama Annemarie, Papa Craig, die 10-jährige Isabella und ihr kleiner Bruder Carli, wollen mit der befreundeten, ebenfalls vierköpfigen Familie St. heute ihren Heimatbezirk Meidling neu erkunden. Wie? Im Rahmen der Grätzl-Rallye der Mobilitätsagentur Wien. Dabei handelt es sich um moderne Schnitzeljagden, bei denen man einer vorgegebenen Spazierroute folgt, die eigentlich vertraute Umgebung bewusst wahrnimmt und auf dem Weg ein Dutzend Rätsel löst. Einzelne Buchstaben aus den jeweiligen Lösungen ergeben zusammengesetzt schließlich ein Lösungswort.

Grätzl neu erkunden

Während der COVID-19-Pandemie kommt vor allem für Kinder die Bewegung zu kurz. Die Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten sind allgemein eingeschränkt. "Es gibt keine Turnstunden, der Schulweg fällt weg, egal ob zu Fuß, mit Roller oder Rad", erzählt Annemarie. Umso mehr freut sie sich über das Angebot der Mobilitätsagentur Wien. Schließlich liefern die Grätzl-Rallyes genug Motivation zu ausreichend Bewegung an der frischen Luft für Eltern und Sprösslinge gleichermaßen. Denn auch wenn das Homeschooling an den Nerven zehrt, ist es wichtig, nicht zu vergessen, dass man auch im Freien Spaß haben und so nebenbei Wien (neu) kennenlernen kann. Auch alle, die glauben, ihren Bezirk, ihr Grätzl in- und auswendig zu kennen, werden dabei auf Neues stoßen.

 

Genug der Worte, jetzt geht's los. Im Vorfeld haben Annemarie und Craig sowie die Eltern der befreundeten Familie die Grätzl-Rallye für Meidling unter www.diestadtunddu.at runtergeladen und ausgedruckt. Zu jedem der 23 Rätselhefte gibt es das entsprechende Lösungsheft. Darin stehen nicht nur die jeweiligen Antworten und Auflösungen, sondern auch die vollständige Route und Hintergrundinformationen. Das sind etwa Wissenswertes zu Bezirkswappen, Bedeutungen von Verkehrsschildern oder Besonderheiten des eigenen Grätzls. Jetzt setzt sich die kleine Gruppe aber endlich in Bewegung. Ausgangspunkt der Rallye ist die U-Bahn-Station "Längenfeldgasse", Ausgang "Storchensteg", dann den Wienfluss mit Blick auf die Gleise entlang. Hier wird schon die erste Frage gestellt, um den ersten Buchstaben fürs Lösungswort zu sammeln: Wofür steht eigentlich der Buchstabe "U" im Wort "U-Bahn"? Ungeheuer-Bahn? Urgemütliche Bahn? Untergrund-Bahn? Die Antwort haben Isabella, Carli und ihre Begleitung natürlich schnell parat und es kann weitergehen.

Das älteste Denkmal Meidlings und ein fehlerhaftes Wappen

Auf dem Weg Richtung Hauptstraße des zwölften Hiebs wird schon die nächste Frage gestellt: Wie heißt der Bezirk überhaupt, durch den die Grätzl-Rallye geht? Auch hier ist die Antwort schnell zur Hand. Fast gleichzeitig rufen die vier Kinder: "Meidling!" Der Weg wird fortgesetzt und unsere Schnitzeljägerinnen und -jäger passieren das älteste Denkmal Meidlings, einen Bildstock aus dem Jahr 1687. Danach gilt es, in eine Seitengasse der Meidlinger Hauptstraße einzubiegen. An einem Türschild befindet sich das Bezirkswappen - allerdings in fehlerhafter Ausführung. Mithilfe ihres Rätselhefts, in dem es korrekt abgebildet ist, sollen die Kinder vergleichen, was hier vergessen wurde. Auch diese Hürde wird gemeistert, der nächste Buchstabe gesammelt. Bisher lief alles wie am Schnürchen, alle sind mit Feuereifer dabei. Die Route führt nun in den Theresienbadpark, der zum namensgebenden Bad führt. Vorher gibt ein Denkmal für einen Bienenzüchter das nächste Rätsel auf, auch der Gedenkstein mit einer Skulptur in ungewöhnlicher Pose vor dem Bad selbst gehört zur Schnitzeljagd. Die Eltern sind begeistert, die Kinder auch: "So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr", strahlt Isabella über beide Ohren. Ihre Freundin Katharina lacht und sagt: "Eine Grätzl-Rallye will ich jetzt jeden Tag machen!"

Nächste Station: das Meidlinger Platzl. Hier gilt es, ein Mosaik an einer Fassade zu entdecken und dieses dem richtigen Wiener Gewässer zuzuordnen. Der Meidlinger Markt steht als nächstes Ziel auf der Liste, hier soll ein fehlender Buchstabe im traditionellen Schriftzug an der Häuserwand gefunden werden. Durch eine Wohnstraße, in der die Bedeutung des Verkehrsschilds erraten werden muss, geht es weiter, um Bilder an Wandbildern zu entschlüsseln. Im Rätselheft steht dann Folgendes: "Halte Ausschau nach einem Wandbild mit großen goldenen Händen. Bei genauerem Hinsehen kannst du auch hier Vögel entdecken. Wie heißt diese Art von Vogel?" Das wissen die Kinder natürlich. "Es sind Tauben", verrät Carli stolz. Die Schnitzeljägerinnen und -jäger tragen das Wort in ihr Heft ein und ziehen weiter.

Ein letztes Wandbild vor der Zielgeraden

Bevor die Familien ihr Ziel erreichen, muss noch ein letztes Wandbild entdeckt werden. Diesmal ist es kniffliger, doch mit vereinten Kräften wird auch diese Aufgabe gelöst. "Das Mosaik zeigt die 'Hundsturmer Linie', die ehemalige Stadtgrenze Wiens, die bis 1892 hier entlang der Schönbrunner Straße verlief", liest Annemarie aus dem Lösungsheft vor. "Hier wurden Steuern auf Waren eingehoben, die in die Stadt gebracht wurden, zum Beispiel Heu. Im Hintergrund sind vier Grenzwächter zu sehen, die die Grenze überwachen."

Jetzt aber ab auf die Zielgerade. Anvisiert wird der Spielplatz Wilhelmsdorfer Park. Dort angekommen, setzen die Kinder nun die Buchstaben aus ihren Rätseln in der richtigen Reihenfolge zusammen. So wird das Lösungswort endlich geknackt. Wie es lautet? Das sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Gemeinsam haben die beiden Familien es gelöst. "Das war wirklich super", sagt Isabella, wohl stellvertretend für alle. "Das nächste Mal erkunden wir einen Bezirk, den wir nicht so gut kennen", erklärt Craig. "Dann ist die Herausforderung noch größer."