Gabriele Grögl-Aringer leitet die Schmerzambulanz der Rudolfstiftung. © Bohmann/Bubu Dujmic

"Schmerz muss rasch behandelt werden"

Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers. Chronische Schmerzen haben diese Warnfunktion verloren. Die Kombination verschiedener Therapieformen ist die Voraussetzung für erfolgreiche Schmerzbehandlung - vor allem bei chronischen Schmerzen.

Seit 15 Jahren hat es Ejup Sahovic im Rücken. Der 56-Jährige musste bereits mehrere Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule ertragen und wurde schon vier Mal operiert. "Ich habe früher in einer Glasfabrik gearbeitet. Das war eine schwere körperliche Arbeit und auch einseitig", erzählt er - in der Schmerzambulanz der Krankenanstalt Rudolfstiftung liegend. Heute bekommt er eine Epiduralanästhesie. 

Trotz vier Bandscheiben-Operationen hat Schmerzpatient Ejup Sahovic seine Zuversicht nicht verloren. © Bohmann/Bubu Dujmic

Drei Mal wird diese Behandlung wiederholt, bei der ein Medikament direkt zwischen die Wirbel gespritzt wird. Danach ist für circa zwei Stunden Ruhe angesagt, deswegen entspannt sich Herr Sahovic auf der Liege in der Ambulanz, bis ihn sein Sohn abholt und nach Hause bringt. Physiotherapie, Reha-Aufenthalte, regelmäßige Heilgymnastik, Medikamente: Ejup Sahovic hat schon alles ausprobiert. "Trotzdem habe ich nie die Hoffnung verloren. Ab und zu leidet meine Familie unter meiner schlechten Laune wegen der Schmerzen." Seine Familie gibt ihm aber auch Kraft: "Ich habe zwei Enkelkinder, dreieinhalb Jahre und sechs Monate alt. Die möchten mit ihrem Opa spielen, ich möchte sie tragen können und mit ihnen herumlaufen. Das ist mein Antrieb, um wieder fit zu werden." 

Bei der Epiduralanästhesie wird ein lokales Schmerzmittel direkt zwischen die Wirbel gespritzt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Individuelle Therapie

Den kleinen Eingriff beim rückengeplagten Mann hat Gabriele Grögl-Aringer vorgenommen. Sie leitet die Schmerzambulanz der Rudolfstiftung und ist außerdem Vizepräsidentin der österreichischen Schmerzgesellschaft. Ihre Abteilung ist eine Terminambulanz - rund zehn Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pfleger versorgen die Patientinnen und Patienten. Neuraltherapie, Akupunktur, Osteopathie, medikamentöse Behandlung und Blockadeverfahren werden angeboten. Außerdem gibt es eine Kooperation mit dem Institut für physikalische Medizin und Rehabilitation, dem psychologischen Dienst und der psychiatrischen, der neurochirurgischen und der neurologischen Abteilung sowie dem Zentralröntgeninstitut in der Rudolfstiftung.

Zur Terminvereinbarung ist eine Überweisung durch eine Fachärztin beziehungsweise einen Facharzt oder eine Praktische Ärztin beziehungsweise einen Praktischen Arzt erforderlich! Notfälle werden in der Schmerzambulanz nicht behandelt, dafür ist die Erstversorgung beziehungsweise Notfallambulanz der Rudolfstiftung zuständig.

Für eine Behandlung in der Schmerzambulanz der Rudolfstiftung sind eine ärztliche Überweisung und ein Termin unbedingt nötig. © Bohmann/Bubu Dujmic

Neben den ambulanten Patientinnen und Patienten betreut die Abteilung auch die stationären Patientinnen und Patienten der Rudolfstiftung mit. Sie brauchen nach Operationen oder bei Krankheiten wie Krebs eine individuelle Schmerztherapie.

Die empfindlichen Nervenzellen verändern sich, wenn die dauernd mit Schmerzen umgehen müssen. © Bohmann/Bubu Dujmic

Schmerz macht (meist) Sinn

Schmerzen sind vor allem dann ein Problem, wenn sie chronisch werden. Akute Schmerzen treten meist dann auf, wenn das Gewebe verletzt wird – etwa durch eine Verbrennung, einen gebrochenen Knochen oder eine Schnittwunde. Sie haben eine wichtige Signalfunktion, ohne die der Mensch nicht sehr lange leben würde. "Schmerzen sind lästig - aber lebensnotwendig", bestätigt Grögl-Aringer.

Chronische Schmerzen haben diese Signalfunktion verloren. Sie halten über lange Zeit an und hängen oft gar nicht mehr mit der zugrunde liegenden Krankheit wie einem Bandscheibenvorfall zusammen. "Schon innerhalb von zwölf Wochen kann ein akuter Schmerz chronisch werden. Darum sollte man auch schnell handeln", so die Expertin. "Chronischer Schmerz verselbstständigt sich und kann zu einer Veränderung der Zellstruktur führen. Das ist sogar am MRT erkennbar. Diese Veränderung der Nervenzellen lässt sich aber mit der entsprechenden Behandlung wieder rückgängig machen."

Neben den körperlichen Beschwerden hat chronischer Schmerz auch Auswirkungen auf das soziale Leben: finanzielle Schwierigkeiten durch Krankenstand oder Jobverlust, Kosten für Therapien, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden, psychische Probleme von Schlafmangel bis Depression. Das ist ein Teufelskreis, erklärt die Schmerzexpertin: "Körperlicher Schmerz ist nicht von der Psyche zu trennen. Und Schlafmangel und Depressionen verschlimmern die Schmerzen weiter." In Österreich leiden rund 400.000 Menschen an behandlungswürdigen chronischen Schmerzen.

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Krankenstände. © Bohmann/Bubu Dujmic

Au, mein Rücken

Zu den häufigsten Gründen für Schmerzen zählen Rückenprobleme - 60 Prozent der Menschen sind irgendwann davon betroffen. Einseitige Belastung, falsche Bewegungsmuster oder langes Sitzen und Autofahren können Auslöser dafür sein. Vorbeugung durch genug Bewegung, einen ergonomischen Arbeitsplatz und genügend Pausen sind hier besonders wichtig. "Gerade bei Rückenproblemen spielt die Psyche aber auch eine große Rolle. Man muss das Problem als Ganzes sehen", so Grögl-Aringer. Bei der Bewegung rät sie zu einem Sport, der Spaß macht - egal was. "Solange jemand gesund ist, braucht es keine spezielle Rückengymnastik. Wichtig ist, dass die Muskeln regelmäßig in Bewegung sind, die Ausdauer stimmt und der Gleichgewichtssinn trainiert wird. Ob das beim Schwimmen, beim Nordic Walking oder im Fitnesscenter passiert, ist ganz egal."

Wenn die Rückenschmerzen schon da sind, muss die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Schonung, wie sie früher als erste Maßnahme verordnet wurde, ist heute nicht mehr angesagt. Ziel muss sein, durch die Kombination medikamentöser und nicht medikamentöser Maßnahmen den akuten Rückenschmerz so rasch wie möglich zu behandeln, um eine Chronifizierung zu vermeiden. Nur in seltenen Fällen ist eine sofortige operative Behandlung erforderlich. "Der erste Weg bei Schmerzen führt zur Hausärztin oder zum Hausarzt, der dann bei Bedarf an die entsprechenden Expertinnen und Experten weiterverweist. Medikamente sollte man sich nie selbst verschreiben. Niere, Magen, Darm oder das Herz-Kreislauf-System könnten darunter leiden", rät Grögl-Aringer.

Schmerzambulanz Rudolfstiftung:

Wann: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag ausschließlich nach telefonischer Voranmeldung. Überweisung durch Fachärztin, Facharzt, Praktische Ärztin oder Praktischen Arzt erforderlich!
Wo: 3., Juchgasse 25
Öffis: U3 bis Kardinal-Nagl-Platz, 71, 77A, 74A
Kontakt: Telefon 01 711 65-4031
Infos: Schmerzambulanz der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin

Video: Rückengymnastik

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