Adipositas ist das wichtigste Thema in der Vorsorge. @ Bohmann/Andrew Rinkhy

"Essen ist kompliziert geworden"

Als Leiterin des Frauengesundheitszentrums FEM Süd hat Hilde Wolf oft mit dem Thema Übergewicht zu tun. Und sie weiß: Die Psyche spielt eine wichtige Rolle für ein gesundes Körpergefühl.

inwien.at: Sind Übergewicht und Adipositas Probleme, die häufiger werden?

Hilde Wolf: Die Zahlen in Österreich sind relativ gleichbleibend. Aber das Bewusstsein für Adipositas und ihre langfristigen Folgen steigt. Grundsätzlich sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Ab einem Bodymaßindex von 30 sprechen wir von krankhaftem Übergewicht, also von Adipositas.

Wie kann das FEM den betroffenen Menschen helfen?

Mit unseren Angeboten unterstützen wir die übergewichtigen Frauen und Männer dabei, ihre Gewohnheiten zu hinterfragen und umzustellen. Zehn oder 15 Kilo abzunehmen, braucht Zeit. Die Psyche spielt da auch mit. Wir werfen Fragen auf wie: Warum esse ich so viel? Was bedeutet Bewegung für mich? Welche Folgen hat starkes Übergewicht auf meine Gesundheit?

Video: rundum gsund

Warum machen die betroffenen Menschen nicht einfach eine Diät?

Eine Diät alleine hilft auf Dauer nicht. Man erwartet viel zu schnelle Erfolge. Dabei sollte man nicht mehr als ein halbes bis ein Kilo pro Woche verlieren. Und es gibt auch Phasen, wo man nicht abnimmt - da fehlt schnell die Motivation zum Weitermachen. Und ganz klar ist auch: Ohne Bewegung geht es nicht.

Beginnt der Teufelskreis aus zu wenig Bewegung und falscher Ernährung nicht oft schon in der Kindheit?

Gerade wenn Kinder schon etwas dicker sind, bewegen sie sich nicht gerne. Dabei geht es um den Spaß an der Bewegung, nicht um Akrobatik. Da wäre auch der regelmäßigere Turnunterricht in der Schule sehr wichtig. Und die Bewusstseinsbildung in den Klassen. Kinder sollten nicht wegen ihres Körpergewichts ausgegrenzt werden.

Ist Diskriminierung auch im Alltag der Erwachsenen ein Thema?

Aussagen wie "Sie essen sich noch ins Grab" sind leider traurige gesellschaftliche Realität. Wir alle sind geprägt von den perfekten Körpern, die uns im Fernsehen oder in Zeitschriften begegnen. Aber allen sollte klar sein: So sieht die Realität nun mal nicht aus. Diese Ideale sind völlig unrealistisch.

Welche Rolle spielt die Nahrungsmittelindustrie bei diesem Thema?

Essen ist kompliziert geworden. Schon beim Einkaufen steht man verwundert vor den übervollen Regalen. Low fat, low carb, proteinreich, glutenfrei, light, vegan - wer kennt sich da noch aus? Was in einem Lebensmittel tatsächlich drin ist, wird durch diese Schlagworte eher verschlüsselt. Zum Beispiel ist in den meisten Produkten, die mit wenig Fett werben, umso mehr Zucker enthalten. Irgendwo muss der Geschmack ja herkommen. Besonders auffällig ist das bei sogenannten Kinderprodukten. Das kleine Fruchtjoghurt ist nicht gesund, genauso wenig die Pausenschnitte mit viel Milch. Das sind schlicht und einfach Naschereien.

Wie entkomme ich als Konsumentin oder Konsument diesen Fallen?

Indem ich möglichst unverarbeitete Produkte kaufe und die dann selbst verarbeite. Nur so weiß ich, was ich tatsächlich esse. Aber klar: Das braucht Zeit und auch ein gewisses Wissen über Nahrungsmittel und ihre Zubereitung.

Sind Sie selbst da ein gutes Vorbild?

Sagen wir so: Mein Körper hat gewisse Reserven … Ich habe wohl seit meiner Schwangerschaft ein paar Kilo zu viel. Ich kann mich in die Probleme von übergewichtigen Menschen also gut hineinversetzen. Im Alltag fehlt oft die Zeit für Bewegung. Die Kinder fordern viel Energie, dazu der Job - wir stehen doch alle unter einem gewissen Druck. Da rücken der eigene Körper und die Gesundheit oft viel zu weit in den Hintergrund.

Haben Sie Tipps für Menschen, die aus eigener Kraft etwas für ihr gesundes Körpergefühl tun wollen?

Die Psyche ist der zentrale Punkt dabei. Es hat wenig Sinn, in einer beruflich extrem stressigen Phase auch noch eine Diät zu machen. Besser einen Zeitpunkt wählen, wo man Ernährung und Bewegung die nötige Aufmerksamkeit widmen kann.

Außerdem: langsam essen und gemeinsam mit der Familie genießen. Man sollte sich nichts verbieten, sondern bewusst essen. Ganz schlecht ist, schnell die Wurstsemmel vor dem Computer zu verschlingen. Stellen Sie sich einen Krug Wasser hin. Denn oft missinterpretiert der Körper Durst als Hunger. Und ganz klar: Bewegung in den Alltag integrieren, also mehr zu Fuß gehen und mit den Kindern Fangen spielen statt vor dem Fernseher sitzen.

Vorteilspartner CLUB WIEN

Sargfabrik

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 2 Euro Ermäßigung für alle Abo-Veranstaltungen in der Sargfabrik.

Erfahren Sie mehr 31018

Klassik Cool!

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 1 Euro Ermäßigung bei Klassik Cool!-Konzerten für Babys und Kleinkinder.

Erfahren Sie mehr 42950

Kunsthalle Wien

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 25 Prozent Ermäßigung auf Ausstellungstickets.

Erfahren Sie mehr 43744

Hot Rod Tour

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf alle Hot Rod Touren.

Alle Vorteilspartner