Georg Psota ist Psychiater, Chefarzt und Leiter der Psychosozialen Dienste Wien. © Bohmann/Bubu Dujmic

Lebensfreude wiederfinden

Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Warum das so ist und wann die Alarmglocken schrillen sollten, erklärt Georg Psota, Leiter der Psychosozialen Dienste Wien.

Warum leiden Menschen ab 80 Jahren häufiger an Depressionen als jüngere?

Das liegt einerseits daran, dass die ältere Generation über die Jahre hinweg öfter mit Kränkungen oder Schicksalsschlägen zu tun hatte. Andererseits gibt es medizinische Gründe. Der Körper ist nicht mehr so fit wie einst und produziert altersbedingt weniger Glückshormone. Auch dass der Tod näher rückt und das gleichaltrige Umfeld immer kleiner wird, kann Depressionen auslösen. Darüber hinaus haben Menschen, die rund um den Zweiten Weltkrieg geboren wurden, häufig psychotraumatische Erfahrungen gemacht – etwa den frühen Verlust des Vaters, Angst vor Bombenangriffen, Hunger, Armut.

Welche Anzeichen deuten auf eine Depression hin?

Es gibt Diagnosekriterien. Freud- und Inte­ressenlosigkeit sowie starke Stimmungstiefs sind klare Zeichen. Hinzu kommen dann noch weitere Symptome: deutliche Veränderungen des persönlichen Biorhythmus über einen längeren Zeitraum, stark abweichendes Schlafverhalten – einst Frühaufstehende etwa, die es morgens nicht mehr aus dem Bett schaffen –, anhaltende Appetitlosigkeit, kreisende Gedanken, Schuldgefühle oder Ängste.

Wie kann man den Betroffenen helfen?

Helfen kann man nur mit Geduld und Verständnis. Ein „Jetzt reiß dich doch mal zusammen“ ist das Schlimmste, was man sagen kann und außerdem wirkungslos. Vor Depressionen bewahren können übrigens die fünf „L“: Man sollte möglichst viel lachen, auch über sich selbst. Also nicht alles so ernst nehmen. Das zweite „L“ steht für Laufen, womit sich bewegen gemeint ist. Und die anderen „L“s stehen für einen lustvollen, sich gegenüber generösen Lebensstil, das Lieben – dazu zählen auch Freundschaften – und das Lernen.

Wie viele Wienerinnen und Wiener leiden an Depressionen?

Von der Altersdepression sind bis zu 25 Prozent der über 80-Jährigen betroffen. Allerdings in ganz unterschiedlicher Intensität.

Wie schätzen Sie die Angebote der Stadt Wien für die Erkrankten ein?

Ich denke, wir sind gut aufgestellt. Auch, weil die einzelnen Serviceeinrichtungen gut vernetzt sind und es viele Angebote gibt. Dazu zählen etwa die Pensionistenklubs, die mobile Pflege, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen sowie die Psychosozialen Dienste. Zudem informieren Internetseiten: www.psychische-hilfe.wien.at ist eine hilfreiche Plattform, die ich mitentwickelt habe. 

Video: Psychosoziale Dienste Wien

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