Unter Anleitung von Lehrerin Martha Tomaschtik (Mitte) setzen die Schülerinnen und Schüler am künstlichen Arm eine Venenverweilkanüle. © Bohmann/Bubu Dujmic

Ausbildung fürs Spital

An den Krankenpflegeschulen des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) erhalten interessierte Menschen Ausbildungen mit großen Zukunftschancen.

Als Lena Hochleuthner, Benedikt Kandlbauer, Laura Primus und Oliver Ruech das Krankenzimmer betreten, wird nicht lange gezögert, sondern sogleich gehandelt. Denn ein Patient quält sich nach Luft ringend im Bett. Seine Haut ist gräulich verfärbt, sein Blick starr. Eine andere Patientin liegt auf dem Boden, Arme und Beine von sich gestreckt, und rührt sich nicht. Während Lena und Benedikt mit der Reanimation – Herzdruckmas- sage und Beatmung – der Frau beginnen, legen Laura und Oliver den linken Unterarm des Patienten im Bett frei. "Jetzt geht es darum, mithilfe einer Venenverweilkanüle einen Zugang zu legen, über den in weiterer Folge die Infusionstherapie erfolgen kann", sagt Oliver. Seine Kollegin führt die Kanüle so lange in die Vene ein, "bis hinten ein wenig Blut herauskommt. Dann weiß man, dass die Vene punktiert ist." Auch bei der Patientin auf dem Boden erreichen Lena und Benedikt die Zielgerade. "Jetzt müsste ihr Herz wieder schlagen und ihre Atemfunktion eingesetzt haben", sagt Martha Tomaschtik, die sämtliche Vorgänge der letzten Minuten genau überwacht hat.

Enge Zusammenarbeit mit ÄrztInnen

Doch warum nur "müsste"? Dass man Atmen und Herzschlag selbst nach der gelungenen Wiederbelebung nicht erkennen kann, liegt daran, dass die Patientinnen und Patienten keine echten Menschen sind. Vielmehr sind sie top-moderne, lebensgroße Demonstrationspuppen, an denen Pflege- und Notsituationen trainiert werden. Und zwar unter Anleitung von Martha Tomaschtik. Sie ist Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege der Wiener Krankenpflegeschule am Standort Donauspital des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV). Oliver und seine Kolleginnen und Kollegen sind demnach auch noch gar keine Krankenpflegerinnen und -pfleger, sondern in der Ausbildung. Lena und Benedikt drücken etwa seit 2015 die Schulbank, ihren Abschluss werden sie 2018 machen. Die vier künftigen Pflegeexpertinnen und-experten werden in den vielfältigen Bereichen der Gesundheits- und Krankenpflege arbeiten. "Am liebsten würde ich in die Intensivpflege gehen", wirft Lena einen Blick in ihre Zukunft. "Und ich in die Notaufnahme. Genau genommen in den Unfall- oder Operationsbereich", erklärt Benedikt.

Praxisnah und zielorientiert

Die vier Auszubildenden belegen derzeit vier von 400 Plätzen, die im Donauspital in Form einer dreigliedrigen Ausbildung zur Verfügung stehen: Es gibt den Bachelor-Studiengang, die Diplomausbildung zum/zur Gesundheits- und KrankenpflegerIn sowie neuerdings auch die Ausbildung zum/zur PflegeassistentIn. Im Herbst 2016 startete letztere erstmals und ersetzt den bisherigen Beruf der Pflegehilfe. Die Schulung umfasst – verteilt auf ein Jahr – 1.600 Stunden. Der größte Unterschied im Vergleich zur bisherigen Pflegehilfe-Ausbildung liegt in der noch genaueren Abgrenzung der Kompetenzen.

"Früher hatten Erkrankte eine Person um sich, die wie eine indische Göttin mit zwölf Armen viele Aufgaben erledigen musste. In einer Hand hätte sie das Fieberthermometer, in der anderen die Spritze halten und gleichzeitig auch noch Blut abnehmen sollen", so Michaela Dorfmeister, Direktorin der Krankenpflegeschule im Donauspital. Künftig werden die Pflegeassistentinnen und -assistenten und Pflegefachassistentinnen und -assistenten jedoch Pflegemaßnahmen von den Kolleginnen und Kollegen des gehobenen Dienstes übernehmen können. Dorfmeister: "Darüber hinaus werden sie unter ärztlicher Anordnung und Aufsicht auch bei Diagnostik und Therapie mitwirken. Zum Beispiel Arzneimittel verabreichen, Wundversorgungen durchführen oder Blut aus der Vene entnehmen. Es wird nicht mehr eine Person für alles verantwortlich sein, sondern Expertinnen und Experten für verschiedene Bereiche geben".

Video: Krankenpflegeschule

Gute Berufsaussichten - hohe Berufschancen

Zwei Mal im Jahr besteht an den KAV-Krankenpflegeschulen die Möglichkeit, mit der Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester beziehungsweise zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger zu starten. Sie dauert drei Jahre und endet mit einem Diplom, das zur Berufsausübung im gehobenen Dienst berechtigt. Während der Ausbildung gibt es Taschengeld für Schülerinnen und Schüler. Diesen Weg haben Oliver und Laura eingeschlagen. Laura: "Die Berufsaussichten sind gut, da der KAV seine Auszubildenden gerne übernimmt." Mit dem sechssemestrigen Bachelorstudium "Gesundheits- und Krankenpflege" als Pilotprojekt an den zwei Krankenpflegeschulen des KAV – Donauspital sowie Kaiser-Franz-Josef-Spital – organisiert Wien seit Herbst 2015 in Kooperation mit der Fachhochschule Campus Wien eine weitere Ausbildungsmöglichkeit im Pflegebereich. "Studierende lernen dabei Pflegemethoden und -techniken kennen ebenso wie die Phasen des Pflegeprozesses", so Studiengangsleiterin Roswitha Engel. Ihre Praktika absolvieren sie hauptsächlich im KAV. "Dabei durchlaufen wir die verschiedensten Bereiche, die es in der Krankenpflege gibt", sagt Lena. So steht für sie in ein paar Tagen das Thema "Verbandslehre" auf dem Programm.

Nach dem Studium beziehungsweise der Schule steht den Absolventinnen und Absolventen ein großes Berufsfeld offen – einerseits im Spital sowie andererseits in Ordinationen oder der mobilen Gesundheits- und Krankenpflege. Dass die Maßnahmen und Neuerungen der Ausbildungen in den verschiedenen Pflegebereichen vom KAV in eine sichere, auf das Gesundheitswesen optimal zugeschnittene Zukunft führen wird, davon ist Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely überzeugt: "Das Wiener Gesundheitssystem wird auch weiterhin mit motiviertem und hochqualifiziertem Personal ausgestattet sein."

Nach dem Studium beziehungsweise der Schule steht den Absolventinnen und Absolventen ein großes Berufsfeld offen – einerseits im Spital sowie andererseits in Ordinationen oder der mobilen Gesundheits- und Krankenpflege. Dass die Maßnahmen und Neuerungen der Ausbildungen in den verschiedenen Pflegebereichen vom KAV in eine sichere, auf das Gesundheitswesen optimal zugeschnittene Zukunft führen wird, davon ist Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely überzeugt: "Das Wiener Gesundheitssystem wird auch weiterhin mit motiviertem und hochqualifiziertem Personal ausgestattet sein."

Standorte der KAV-Krankenpflegeschulen

Insgesamt gibt es vier allgemeine Krankenpflegeschulen in Wien: Donauspital, Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wilhelminenspital, AKH Wien. Das Ausbildungsprogramm umfasst den Bachelor-Studiengang "Gesundheits- und Krankenpflege" – nur an den Standorten Donauspital und Kaiser-Franz-Josef- Spital –, die Ausbildung zur/zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester beziehungsweise -pfleger sowie zum/zur Pflege- assistentIn. Voraussetzungen dafür sind unter anderem Interesse für Pflegemethoden und Eigeninitiative sowie entsprechend der Ausbildungsart die 9. sowie die 10. Schulstufe beziehungsweise Matura.

Die nächste Bewerbungsphase für den Lehrgang mit Start im Herbst 2017 ist online von 7. Jänner 2017 bis 31. März 2017. Weitere Informationen unter www.wienkav.at/ausbildung

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