Bakterien und Viren sind das tägliche Geschäft von Andreas Flaschner – auf dem Bild mit Herpes- und Ebola-Virus (rechts). © Bohmann/Bubu Dujmic

Im Hygienezentrum werden Kopfläuse behandelt

24 Stunden am Tag und 356 Tage im Jahr ist das Hygieneteam um Chef Andreas Flaschner im Einsatz: Sie beugen durch ihre Arbeit Krankheiten vor, befreien Köpfe von Läusen und machen dort sauber, wo Putzen nicht hilft.

Ella ist 13 Jahre alt und mit ihrer Oma ins Hygienezentrum im 11. Bezirk gekommen. Das Mädchen hat möglicherweise Läuse. Das ist zwar nicht gefährlich, die Insekten und deren Eier jucken aber am Kopf und sind leicht an andere Menschen übertragbar. Aber: Hüpfen können die winzigen Sechsbeiner wirklich nicht. "Zur Übertragung kommt es meistens nur dann, wenn Kinder die Köpfe zusammenstecken", erklärt Ferdinand Tischberger, diensthabender Entlauser.

Video: Hygienezentrum

Läuse lieben es sauber

Es ist ein Irrglaube, dass Läuse auf mangelnde Hygiene zurückzuführen sind. "Ganz im Gegenteil", erklärt der Experte. Läuse mögen vor allem frisch gewaschenes Haar. Denn an fettigen Haaren können sie sich nicht so gut festhalten. Ella muss als Erstes zur Kontrolle. Ferdinand Tischberger kämmt die blonde Mähne Strähne für Strähne und hat auch bald die erste Nisse gefunden.

Nissen kleben fest an einzelnen Haaren und fühlen sich an wie kleine Sandkörner. © Bohmann/Bubu Dujmic

Das sind die Eier der Läuse. Sie fühlen sich an wie kleine Sandkörner und kleben ganz fest am Haar. Ella und ihre Großmutter haben die Wahl: Entweder lassen sie die unerwünschten Mitbewohner gleich direkt vor Ort entfernen und bekommen für die Schule eine Bestätigung mit. Oder sie kaufen in der Apotheke ein Mittel und lassen sich die Lausfreiheit danach vom Gesundheitsdienst bestätigen. "Lieber gleich weg damit", findet Ella.

Zur Entfernung der Läuse wird ein für den Menschen völlig unschädliches Öl verwendet. © Bohmann/Bubu Dujmic

Auf ihr Haar wird eine ölige Lösung aufgetragen. "Im Kriechöl ersticken die Läuse innerhalb von 30 Minuten", sagt der Hygiene-Experte. Noch eine Haube drüber, dann heißt es abwarten. Die toten Läuse und Nissen werden dann geduldig mit einem feinen Kamm entfernt.

Übrigens: Jährlich besuchen rund 20.000 Personen die Servicestelle für Entlausungen, rund 4.000 Lausbehandlungen werden durchgeführt.

Die Lausbehandlung dauert rund eine Stunde. © Bohmann/Bubu Dujmic

Waschmaschine statt Tiefkühler

Rund ums Thema Läuse hört Ferdinand Tischberger immer wieder so manchen Blödsinn. "Manche Leute glauben, es reicht, die Haare länger unter Wasser zu halten. Was sie nicht wissen: Eine Laus atmet nur alle sechs Stunden. Das sind hartnäckige Tiere." Was das Entfernen der Läuse von Kleidung, Stofftieren und Bettwäsche betrifft, hat er einen einfachen Tipp: waschen. Läuse und Nissen sterben bei Temperaturen über 50 Grad ab. Daher Textilien bei 60 Grad in die Waschmaschine geben. Hitzeempfindliche Mützen, Wollschals und Plüschtiere kommen zur Entlausung ins Tiefkühlfach. Nach 24 Stunden bei mindestens minus 18 Grad sind die Läuse abgestorben. Der Haken daran: Wer hat schon so viel Platz im Tiefkühler. Auch einfaches Absaugen mit dem Staubsauger hilft.

Ohne einen menschlichen Wirt überleben Läuse nur wenige Stunden. © Bohmann/Bubu Dujmic

Den Ekel vor Läusen versteht das Team im Hygienezentrum nicht ganz: "Möglicherweise stammt das noch aus einer Zeit, als Kleiderläuse ein großes Problem waren. Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg hatten sie oft. Aber die unterschieden sich grundlegend von unseren harmlosen Läusen heute. Kleiderläuse übertragen das Läuserückfallfieber, eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit, die heute aber zum Glück so gut wie ausgestorben ist", erklärt Chef Andreas Flaschner. Heute beschäftigt sich das Hygieneteam mit anderen Infektionen - von Noroviren über Hepatitis A bis zu Salmonellen.

"Oft werden wir in Kindergärten oder Schulen gerufen, um zum Beispiel nach einer Durchfall-Epidemie wieder für Hygiene zu sorgen." Wer sich jetzt einen Trupp Männer in luftdichten Sicherheitsanzügen vorstellt, liegt falsch. Meist reicht es völlig aus, die betroffenen Bereiche gründlich zu reinigen. Das gilt übrigens auch für den Alltag, erklärt Flaschner: "99 Prozent der Erreger sind weg, wenn ich eine Arbeitsplatte in der Küche ganz normal putze. Da braucht es keine Desinfektion. Auch das WC muss nicht desinfiziert werden - ich esse dort ja nicht."

Genauso wenig hält er von bakterientötenden Waschmittelzusätzen: "So gut wie alle Erreger werden weggewaschen – natürlich töte ich sie damit nicht. Das geht nur mit Desinfizieren." Aber wie auch beim Einsatz von Antibiotika in der Medizin gilt: Übertriebene Verwendung erzeugt Resistenzen. Trotzdem hat Flaschner einige wichtige Tipps für den Haushalt parat: Geschirrtücher sehr oft wechseln, nasse Wischtücher entweder auskochen oder zwei Mal wöchentlich austauschen. Nach dem Schneiden von Huhn, Fleisch oder Fisch Messer und Schneidbrett gut abwaschen.

Desinfektion: Schon lange ein Thema

Bereits im 16. Jahrhundert begannen die Menschen, hygienische Maßnahmen gegen Krankheiten zu setzen. Damals ging man davon aus, dass schlechte Luft schuld an der Erkrankung sei. Flaschner erzählt: "Oft wurde dann mit Weihrauch geräuchert. Das nützt nur leider rein gar nichts. Mit etwas Glück wurde Wacholder verwendet. Der setzt bei der Verbrennung einen Stoff frei, der desinfizierend wirkt." Auch die Behandlung mit Kalk war ein Mittel, um Krankheiten zu vertreiben. Desinfektoren waren vor allem in den Städten mit ihren Wagen unterwegs.

Desinfektoren waren in Wien unterwegs, um kontaminierte Räume "ausspritzen". © Bohmann/Bubu Dujmic

1908 nahm die Desinfektionsanstalt in Wien den Betrieb auf. In der dicht bewohnten Stadt hatte Hygiene einen besonders hohen Stellenwert. Weit verbreitet waren damals Krankheiten wie Pocken, Scharlach oder Tuberkulose. Heute können auch einmal exotische Ebola-Viren dabei sein. "Aber da kommen wir zum Desinfizieren meistens zu spät. Zwar reicht ein einziger Ebola-Erreger, um die Krankheit zu bekommen, die Viren halten aber nicht viel aus. Außerhalb eines Körpers sind sie kaum eine Stunde lebensfähig", so Andreas Flaschner. Desinfektionen finden meist auf behördliche Anordnung beispielsweise im Rahmen des Epidemie- oder Tierseuchengesetzes statt. Sie können aber auch privat kostenpflichtig in Anspruch genommen werden.

Mit dieser historischen Pumpe wurden früher Räume ausgeräuchert. © Bohmann/Bubu Dujmic

Auf rund 5.000 Quadratmetern sind - neben der Servicestelle für Entlausung - die Einsatzzentrale, Bereitschaftsräume, die Desinfektions- und Dekontaminationsbereiche, der Fuhrpark und Lagerräume untergebracht. Der Journaldienst des Hygienezentrums ist täglich 24 Stunden erreichbar. Er koordiniert sowohl Einsätze des medizinischen Permanenzdienstes des Gesundheitsdienstes der Stadt Wien als auch dringende Maßnahmen im Bereich der Desinfektion oder Dekontamination sowie Einsätze der zentralen Totenbeschau.

Im Rahmen der gesundheitsbehördlichen Aufgaben veranlassen die Amtsärztinnen und Amtsärzte Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten. Zusätzlich werden die Ärztinnen und Ärzte zur medizinischen Beurteilung von Lärm oder einem sanitären Übelstand hinzugezogen. Bei einem Todesfall in der Wohnung ist die zentrale Totenbeschau zuständig.

In der Formaldehyd-Kammer oder im Dampfdesinfizierer können Kleidungsstücke, Geräte oder Matratzen desinfiziert werden. © Bohmann/Bubu Dujmic
  • Wann: Montag, Mittwoch und Freitag, 7 bis 11.30 Uhr, jeden ersten Freitag im Monat ist geschlossen, Dienstag und Donnerstag, 7 bis 13 Uhr
  • Wo: 11., Rappachgasse 40
  • Öffis: 76 A
  • Kontakt: 01 4000-878 90, Montag bis Freitag 7 bis 15 Uhr

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