Gertrude Zimmerhackl hilft ihrem Mann Roman im Haus Am Mühlengrund im Alltag. Das es dort Workshops und Austausch mit anderen Pflegenden gibt findet sie sehr gut. © Bohmann/Michael Rausch-Schott

Pflegende Angehörige: Achten Sie auch auf sich

Einen Angehörigen zu betreuen, ist eine Herausforderung. Daher ist es wichtig, dabei nicht auf sich selbst zu vergessen. Das erklärt Psychologin Andrea Braunsteiner-Reidinger vom Haus Am Mühlengrund im Interview.

Selbstaufopferung ist nicht der Schlüssel zu guter Pflege. "Wer einem pflegebedürftigen Menschen alles abnimmt und sie oder ihn nichts mehr selbst machen lässt, nimmt ihr oder ihm nicht nur den Selbstwert. Man riskiert auch, dass die Person noch schneller abbaut", erklärt Andrea Braunsteiner-Reidinger. Sie ist Psychologin und Teamleiterin der "Haus.Betreuung" im Haus Am Mühlengrund. Im Interview teilt sie einige Erfahrungen aus ihrem langjährigen Umgang mit pflegenden Angehörigen.

inwien.at: Eine Tochter pflegt ihren Vater, ein Mann seine Frau: Ab wann spricht man von pflegenden Angehörigen? Wird damit eine bestimmte Pflegestufe oder Pflegedauer verbunden?

Andrea Braunsteiner-Reidinger: Es hängt davon ab, wie intensiv man eingebunden ist. Meist beginnt der Übergang von normaler, familiärer Hilfe zu einer zeitintensiven Pflegetätigkeit schleichend. Anfangs hilft man beim Einkauf oder beim Putzen, vereinbart Arzttermine oder unterstützt seinen Verwandten beim Waschen. Es wird jedoch in vielen Fällen sukzessive mehr. Wenn jemand Tätigkeiten oder die Organisation übernimmt, die essentiell für Angehörige ist, dann würde ich von Betreuung und Pflege sprechen.

Es gibt Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Was ist Ihrer Erfahrung und Ihrer Meinung nach am wichtigsten?

Wichtig ist zu wissen, dass es solche Angebote gibt. Wenn man Menschen informiert und aufklärt, nehmen sie diese auch gut an. Wir haben intern einen Stammtisch gegründet, wo sich Bewohner treffen, die sich im Haus um wen kümmern. Da können sie sich austauschen und Tipps holen. Seit Oktober haben wir auch regelmäßig Workshops zu diversen Themen, wo man Infos erhält, aber auch Problemstellungen schildern kann.

Da gibt es so Themen wie "Stürze vermeiden", "Balsam für die Seele" und mehr. Es gibt ein bis zwei Workshops im Monat, wo wir auch Externe einladen. Man kann auch Angehörige mitbringen, um zu sehen, wie die Betreuung abläuft. Wir beantworten gerne alle theoretischen Fragen, aber wenn man das dann gleich in der Praxis sieht, ist das schon noch viel besser. Solche Treffen von Experten auch zu sehr belastenden Themen wie Demenz sind für alle, die Unterstützung suchen, auch ein Stück weit so etwas wie eine persönliche Psychohygiene.

Viele pflegende Angehörige sind selber nicht mehr jung. Was raten Sie diesen Personen?

Man muss aufpassen, dass sich niemand zu sehr aufopfert. Wenn Leute auf sich selbst vergessen, dann haben die Angehörigen davon auch nichts, wenn man sich selber auslaugt und vielleicht sogar krank wird. Wichtig ist auch, nicht zu viel zu tun. Bei Demenz zum Beispiel sollten die Menschen so lange, wie es irgendwie geht, autonom bleiben. Das steigert den Selbstwert und ist eine gute Strategie, damit man nicht so schnell abbaut. Wenn man sich etwas anstrengen muss, ist das für das Gehirn durchaus gut. Reine Routine bringt eher nichts.

Was sind Alarmsignale für eine seelische und körperliche Erschöpfung?

Aggression, genervt sein, nicht mehr ein- oder durchschlafen, Lustlosigkeit. Wenn die Betreuung den ganzen Alltag beherrscht und sich alles nur mehr darum dreht, ist das ein Problem. Auch wenn man aus der Überlastung heraus vergesslich wird, sollte einen das alarmieren.

Pflegende Angehörige könnten eine Auszeit nehmen und die Pflegebedürftigen währenddessen professionell betreuen lassen. Wie teilt man das am Besten mit?

In einer guten Atmosphäre muss man versuchen das zu kommunizieren. Auf jeden Fall sollte man frühzeitig damit beginnen, das Thema anzusprechen. Wer dann auch noch erklärt, welche Maßnahmen getroffen werden, damit alle gut versorgt werden und die Angehörigen das sicher schaffen werden, ist auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass man sich nicht psychisch erpressen lässt oder sich Schuldgefühle einreden lässt.

Welchen Rat möchten Sie pflegenden Angehörigen gern geben?

Auf sich selbst schauen und bei sich bleiben. Das ist der Schlüssel dazu, weiterhin gut im Rahmen zu bleiben. Alles andere führt zu Reibereien.

Magazin "Leben & Freude"

Noch mehr Informationen für Seniorinnen und Senioren in Wien gibt es auch im aktuellen wien.at-Magazin "Leben & Freude" zu lesen. Von Reisen bis Kultur, Bewegung bis Wellness und Pflege bis Betreuung: Das vierteljährlich erscheinende Magazin liefert jede Menge informative, aber auch unterhaltende Beiträge aus der Stadt. Das kostenlose Abo inkludiert vier Ausgaben im Jahr. Sie können sie beim wien.at-Leserinnen- und Lesertelefon 01 277 55 oder online bestellen. Außerdem steht das Magazin, sowie einige andere auch, als praktisches E-Paper zum Download bereit.

Vorteilspartner CLUB WIEN

Tennisanlage Hrubesch

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf alle Angebote in der Tennisanlage Hrubesch!

Erfahren Sie mehr 29623

Märchenbühne "Der Apfelbaum"

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Mitglieder 10 Prozent Ermäßigung auf den Originalkartenpreis.

Erfahren Sie mehr 31088

Figurentheater LILARUM

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Mitglieder 1 Euro Ermäßigung auf den Originalkartenpreis.

Erfahren Sie mehr 31098

Kabarett Niedermair

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten im Kabarett Niedermair die 2 Euro Vorverkaufsermäßigung auch an der Abendkassa.

Alle Vorteilspartner