Mindestens dreimal täglich sollte man seine Wohnung lüften, um ein gesundes Raumklima zu erhalten: morgens nach dem Aufstehen, tagsüber oder bei Berufstätigen beim Eintreffen in der Wohnung und vor dem Schlafengehen. © GettyImages

 

So leben wir gesund in den eigenen vier Wänden

Den Großteil unseres Lebens verbringen wir in Innenräumen. Im Schnitt fällt ein Drittel davon auf die eigene Wohnung. Diese sollte nicht nur schön und behaglich, sondern auch ein Ort sein, an dem wir gesund bleiben. CLUB WIEN zeigt wie das am besten geht.

Gerade das eigene Zuhause, das für viele von uns ein wichtiger Rückzugsbereich vom hektischen Berufsleben ist, kann durch die falsche Wahl von Materialien oder Anstrichstoffen, durch falsches Lüften oder auch durch falsches Heizen belastend für unsere Gesundheit werden. Dabei kann man mit ein paar einfachen Tipps und Tricks seine Wohnung zu einer wahren Wohlfühloase machen. Hierbei spielen Faktoren wie die richtige Raumtemperatur, die richtige Innenraumplanung oder auch der Verzicht auf viele elektronische Geräte, Raumdüfte oder auch auf Rauchen in Innenräumen eine entscheidende Rolle. So kann man mit der richtigen Raumgestaltung und dem richtigen Wohnverhalten nicht nur seiner Gesundheit was Gutes tun, sondern auch seinem Geldbeutel. Worauf man beim gesunden Wohnen achten sollte, wie richtig geheizt wird und wie man Schimmel und Co erst gar keine Chance gibt - CLUB WIEN hat sich mit einer Expertin und einem Experten in diesem Fach getroffen und mit ihnen über gesundes Wohnen gesprochen: Dagmar Seidl, Leiterin des Mikrobiologielabors, und Dieter Werner, Leiter des Bauphysiklabors der Magistratsabteilung 39 – Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien.

 

Achten Sie auf die Luftfeuchtigkeit!

Der Herbst ist da und mit ihm beginnt auch wieder die Zeit des Heizens. Doch bevor es zu Hause kuschelig warm wird, sollten Sie sich gerade zu Beginn vergewissern, dass die Heizung funktioniert und alles in Ordnung ist. Regelmäßiges Warten ist daher unabdingbar. Zudem sollten Sie die Heizkörper ordentlich reinigen, denn auch Staub am Heizkörper kann die Heizwirkung verringern.

Richtiges Heizen kann zusammen mit richtigem Lüften Schimmelbefall vorbeugen. Deshalb sollte man sich laut Dieter Werner vom Bauphysiklabor jeden Herbst folgende Tipps in Erinnerung rufen und natürlich befolgen:

  • Alle Räume ausreichend beheizen. 20 Grad Celsius können hier als Richtwert angesehen werden. Will man etwa im Schlafzimmer niedrigere Raumtemperaturen haben, muss man sich dessen bewusst sein, dass entstehende Feuchtigkeit so rasch wie möglich aus dem Schlafzimmer gebracht werden muss. Ein Lüften gleich nach dem Aufstehen am Morgen ist daher unerlässlich!
  • Auch über längere Zeiträume wenig oder nicht genutzte Räume sollten geringfügig beheizt werden. Und zwar im Raum selbst - es ist nicht sinnvoll, kühle Räume mit Luft aus wärmeren Räumen zu temperieren. Diese Luft bringt nicht nur Wärme, sondern auch Feuchtigkeit mit.
  • Die Heizung nachts oder bei längerer Abwesenheit herunterzudrehen, ist möglich. Allerdings sollte man dabei die bestehende Raumluftfeuchte beachten. Das heißt, wenn der Raum in der Wohnung bereits relativ feucht ist, sollte die Raumlufttemperatur nur abgesenkt werden, wenn dadurch keine zu hohe relative Luftfeuchte an kühlen Oberflächen entsteht. Durch die Feuchte kann sonst Schimmel entstehen.

Sonne als Heizquelle

Nutzen Sie die natürliche Wärme der Sonne. Sonne, die ungehemmt in die Räume scheinen kann, erhöht die Raumtemperatur auf natürliche Weise. Wichtig ist daher, Rollos aufzurollen und Vorhänge aufzuziehen. Im Unterschied zum Sommer, wenn wir die heißen Strahlen lieber nicht reinlassen möchten und die Fenster verdecken. Apropos Vorhänge: Die sind womöglich wunderschön, wenn sie jedoch vor den Heizkörpern hängen, ist das ungünstig. Genauso wie Heizkörper hinterm Sofa. Die Heizleistung verpufft quasi und Thermostatventile werden in ihrer Funktion beeinträchtigt. Gutes Lüften und kontrolliertes Heizen können Schimmel vorbeugen, worauf muss noch geachtet werden?

Schimmel, nein danke!

Gerade wenn es draußen kalt ist, scheuen sich viele vor dem Lüften, doch gerade regelmäßiges Stoßlüften sorgt für ein gutes Raumklima und schützt vor zu viel Feuchtigkeit in den Räumen. Vor allem Wohnungen, die mit modernen Abdichtungen an Fenstern und Türen ausgestattet sind, lassen wenig Feuchtigkeit herein oder hinaus. Durch diese  Dichtheit der Gebäude kann die Feuchtigkeit, die beim Kochen,Duschen und Atmen entsteht, nicht mehr entweichen. Sie setzt sich bevorzugt in kalten Wandbereichen wie Außenwandecken oder dort wo es besonders feucht ist wie im Bad ab. Passiert das über einen längeren Zeitraum, bildet sich an diesen Stellen Schimmel. Fugen im Bad oder Tapetenkleister sind ein guter Nährboden für den unwillkommenen Gast.

"Schimmel entsteht dort, wo es feucht ist. Dabei muss diese Feuchtigkeit für das freie Auge noch nicht sichtbar sein, aber sie reicht, dass die ersten Schimmelpilze zu wachsen beginnen", so Dagmar Seidl vom Mikrobiologielabor. Über die Außenluft gelangen die Schimmelpilzsporen in die Innenräume. Schimmelpilzsporen sind ein essenzieller Bestandteil der Natur - in unseren vier Wänden ist ein Schimmelpilzwachstum dennoch nicht gerne gesehen, denn diese schaden unserer Gesundheit. Doch wie kann man einem Schimmelbefall entgegenwirken und worauf sollte man dabei achten?

"Man kann Schimmelbefall entgegenwirken, indem man dem Schimmel keinen feuchten Lebensraum bietet. Das heißt, in der kalten Jahreszeit darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. 55 Prozent relative Luftfeuchtigkeit in der Raummitte kann als Richtwert herangezogen werden", so die Mikrobiologin. Da wir selbst eine Menge Luftfeuchtigkeit produzieren, können wir diese nur durch ordentliches Lüften loswerden. Zudem sollte im Winter auch ausreichend geheizt werden, um die relative Luftfeuchtigkeit zu verringern.

Wer in seinem Badezimmer jedoch kein Fenster hat, sollte, wenn vorhanden, unbedingt die mechanische Lüftung nach dem Duschen einschalten. "Auch die Badezimmertür öffnen, hilft ein bisschen, wobei beachtet werden muss, dass ein Feuchtigkeitsschwall aus dem Badezimmer nicht wieder in einen kalten Raum strömt und dort zu Schimmelproblemen führt", so Dieter Werner. Doch auch abseits des Schimmelbefalls sollte man auf ein paar Dinge achten, um in seiner Wohnung ein gesundes Raumklima zu haben.

Gesundes Raumklima - so geht's:

Im Wohnraum sind viele Faktoren zu berücksichtigen, um gesund und leistungsfähig zu bleiben. Dazu gehört vor allem die frische Luft. Doch nur mit regelmäßigem Lüften ist ein gesundes Raumklima noch nicht gegeben. Denn es gibt etliche biologische und chemische Luftverunreinigungen, die in Wohnungen vorkommen und das Wohlbefinden negativ beeinflussen können. Für ein gesundes Raumklima sollten Sie die folgenden Punkte beachten:

Kein Rauch in Innenräumen: Gerade der Zigarettenrauch mit seinen krebserregenden Inhaltsstoffen setzt sich nicht nur in der menschlichen Lunge sondern  auch an Wänden, Möbeln, Vorhängen und Co ab und schadet so  sogar noch nach dem Rauchen der Gesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner. Wenn Sie dennoch in der Wohnung rauchen, stellen Sie sich ans offene Fenster oder auf den Balkon.

Verringern Sie auch den Einsatz von Duftstoffen wie Duftöle in Duftlämpchen, Duftkerzen oder anderen duftenden Raumluft-Verbesserern. "Unabhängig davon, ob es sich um natürliche oder künstlich hergestellte Aromen handelt, können die Substanzen zu Schleimhautreizungen führen", so Seidl.

Auch der Einsatz von Ethanolöfen, das sind kleine Öfen, die ohne Anschluss an einen Kamin betrieben werden, verschafft nicht nur etwas Wärme, sondern eine ganze Menge an Luftschadstoffen. Darunter sind nicht nur Kohlendioxid, sondern auch krebserzeugende Stoffe.

Falls Sie gerne zur Luftbefeuchtung Befeuchter oder Zierbrunnen einsetzen, wechseln Sie regelmäßig das Wasser und reinigen Sie die Schlauchsysteme und Behältnisse. "Bakterien vermehren sich in feuchten Umgebungen. Darunter können auch mögliche Krankheitserreger sein. Diese selbst verursachten Keimschleudern sind einem gesunden Raumklima natürlich alles andere als förderlich", erklärt die Mikrobiologin.

Verwenden Sie Farben, Lacke und Kleber mit Umweltzeichen oder Produkte, die die Kriterien des ÖkoKaufWien erfüllen. Auch bei Spanplatten und Holzwerkstoffen sollten Sie darauf achten, dass die Produkte geprüft wurden. Verzichten Sie auf giftige Klebstoffe oder säurehärtenden Parkettsiegel im Wohnraum.