Auf dem Geschichtenteppich wird über den Sommer Kindern die Liebe zu Büchern nähergebracht. © Bohmann/Bubu Dujmic © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Ein Teppich voller Geschichten

Diesen Sommer können Kinder ab drei Jahren erstmals auf dem Geschichtenteppich Platz nehmen. Er wird in Floridsdorf, Donaustadt und Liesing ausgebreitet und bringt den Kleinen die weite Welt der Kinderliteratur näher. CLUB WIEN stellt das Projekt vor.

Eine Handvoll Kinder sitzt und liegt auf einem etwa vier Mal vier Meter großen Teppich. Gespannt lauschen sie gerade der Geschichte, die ihnen eine junge Frau erzählt. Sie ist Literaturvermittlerin und lädt die Kleinen dazu ein, die spannende und vielfältige Welt der Kinderliteratur zu erforschen. Dabei geben die Kids den Ablauf selbst vor: Auf dem Teppich sind Taschen aufgenäht, in denen sich Bücher, Texte und Gedichte, aber auch kleine Spielobjekte befinden, etwa ein Spielwürfel mit Satzanfängen. Es ist also keine reine Vorlesestunde, die Kinder können auch mitmachen, so sie das wollen. Sie werden dazu animiert, selbst etwas zu erfinden, selbst Geschichten zu erzählen, selbst ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. In dem Trolley, den die Vermittlerin mit sich führt, finden sich Materialien für viele Gelegenheiten.

 

Parks und Spielplätze

Ort des Geschehens ist der Spielplatz im Floridsdorfer Wasserpark. Hier wurde am ersten Juniwochenende zum ersten Mal der Geschichtenteppich ausgebreitet. Dabei handelt es sich um eine außerschulische Leseförderungsinitiative, die im Rahmen der Stadtlabore von der Stadt Wien ins Leben gerufen wurde. Entwickelt wurde und durchgeführt wird sie vom Institut für Jugendliteratur. Den ganzen Sommer über gastiert die bunte Unterlage mit den aufgenähten Taschen in Parks in den Bezirken Floridsdorf, Donaustadt und Liesing. Das Projekt ist sehr niederschwellig angelegt, findet es doch dort statt, wo sich die Kinder in der Regel ohnehin aufhalten: in Parks und auf Spielplätzen. Die Kids im Alter von drei bis zehn Jahren können so am besten erreicht werden, damit ihnen Lust aufs Lesen und auf Bücher gemacht werden kann.

"Es gibt kein Programm mit einer fixen Beginn- und einer fixen Endzeit", erklärt Karin Haller, Leiterin des Instituts für Jugendliteratur. "Die Kinder kommen vom Spielplatz, nehmen Teil und gehen wieder, wenn ihre Aufmerksamkeitsspanne vorbei ist. So soll das Ganze easy Lust aufs Lesen machen." Jeweils in der Zeit von 15 bis 17 Uhr wird der Geschichtenteppich bespielt, die Kinder verweilen im Schnitt zwischen zwanzig und dreißig Minuten. "Es gibt auch deshalb kein fixes Programm, damit die Vermittlerinnen flexibel auf die unterschiedlichen Kinder und den jeweiligen Wissensstand reagieren können", so Haller. "Sie haben so viel Erfahrung, dass sie aus ihrem Fundus der Leseförderungserziehung und der Literaturvermittlung auch aus dem Stand etwas machen können."

Liebe zu Büchern

Das zeigt sich auch bei der Auswahl der Geschichten und Gedichte. Zwar finden Sprachspielereien allgemein Anklang und vor allem die Jüngeren ergötzen sich an Reimen, Nonsensgeschichten und humoristischen Texten. Doch wie bei Erwachsenen sind auch bei Kindern die Geschmäcker verschieden. Haller: "Was bei der oder dem einen super funktioniert, kann die oder den anderen langweilen. Darum braucht es ein breites Angebot und Unterschiedliches zum Auswählen." Das reicht von Bilderbüchern wie "Wir" von Linda Wolfsgruber über das "Sprachbastelbuch", einem Klassiker, bis hin zu "Oma, Huhn und Kümmelfritz" von Michael Roher für die Größeren.

Neben der Kulturtechnik Lesen, deren Beherrschen uns allen erleichtert, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, geht es auch um die Liebe zu Büchern. "Unsere Leseförderung zielt darauf ab, die Begeisterung für das Lesen von belletristischen Büchern zu wecken", erläutert Karin Haller. "Das Lesen von Büchern macht die Welt weiter. Man lernt andere Gedankengänge kennen, man entwickelt Toleranz und Empathie und es regt die Fantasie an." Dass Bücher nicht zwangsläufig auf Papier gedruckt, sondern auch via E-Book-Reader gelesen werden können, versteht sich von selbst.

Den ganzen Sommer Geschichten

Den Kindern bereitet der spielerische Umgang mit Büchern, Geschichten, Gedichten und anderen Texten auf dem Geschichtenteppich jedenfalls sichtlich Spaß. Teilnehmen können alle Drei- bis Zehnjährigen den ganzen Sommer über an den Wochenenden. Vorbeischauen lohnt sich, denn Lesen macht Spaß!

Floridsdorf

  • Wann: 15. und 16. sowie 22. und 23. Juni, 15 bis 17 Uhr
  • Wo: 21., Parkanlage Haspingerplatz
  • Wann: 29. und 30. Juni, 15 bis 17 Uhr
  • Wo: 21., Aktivpark Lorettowiese

Donaustadt

  • Wann: 6. und 7., 13. und 14., 20. und 21. sowie 27. und 28. Juli, 3. und 4. August, jeweils 16 bis 18 Uhr
  • Wo: 22., Donaupark beim Sparefroh-Spielplatz

Liesing

  • Wann: 10. und 11., 17. und 18., 24. und 25. sowie 30. und 31. August, 7. und 8. September, jeweils 16 bis 18 Uhr
  • Wo: 23., Fridtjof-Nansen-Park