In den 1960ern war der Muttertag auch in Österreich längst etabliert. Blumen zu schenken und Frühstück zu machen gehörten schon damals zum Standardprogramm. © picturedesk.com

 

Wo der Muttertag seine Ursprünge hat

Wenn am zweiten Sonntag im Mai jeden Jahres Muttertag zelebriert wird, ist das längst eine lieb gewonnene Tradition. Doch seit wann wird er gefeiert? So viel sei verraten: Die Reise geht ins antike Griechenland und in die USA des 19. Jahrhunderts.

Blumen, Pralinen, eine kleine Aufmerksamkeit, ein Ausflug ins Grüne oder zumindest ein ausgedehnter Spaziergang mit anschließender Kaffeejause. Kleine Kinder bringen stolz das meist in Wahrheit vom Papa zubereitete Frühstück ans Bett und sagen aufgeregt Gedichte auf. Die Rituale um den Muttertag sind uns längst ans Herz gewachsen, egal wie alt wir selbst und unsere Mütter mittlerweile sind. Denn dass all das, was Mamas Tag für Tag leisten, gewürdigt werden sollte, versteht sich von selbst. Ein Mal im Jahr wird dem auch gemeinschaftlich Ausdruck verliehen. Doch seit wann eigentlich?

Der Brauch geht zurück bis ins antike Griechenland und zu den alten Römern. Dort huldigte man Göttermüttern wie etwa Kybele. Napoleon wollte später einen Muttertag einführen, kam aber nach der Niederlage bei Waterloo wieder davon ab. Fahrt nahm die Idee eines fixen, jährlich wiederkehrenden Tags zu Ehren der Mütter Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA auf. Damals war Ann Maria Reeves Jarvis wohltätig aktiv und engagierte sich mit Ende des amerikanischen Bürgerkriegs für Pazifismus und Sozialdienste. Im Rahmen dessen organisierte sie eine Austauschplattform für Soldatenmütter beider Seiten.

 

Erster offizieller Muttertag in den USA

Nach ihrem Tod setzte sich ihre Tochter Anna Marie Jarvis schließlich dafür ein, dass Müttern bereits zu Lebzeiten die ihnen gebührende Anerkennung widerfährt und nicht erst nach ihrem Ableben. Auf ihr Bestreben hin fand an Ann Maria Reeves Jarvis' drittem Todestag, dem 9. Mai 1908, der erste offizielle Muttertag statt. Nicht zuletzt deshalb gilt Anna Marie Jarvis als Begründerin des Muttertags. Parallel dazu warb auch die US-amerikanische Schriftstellerin Julia Ward Howe für die Einführung eines Muttertags, allerdings unter anderen Vorzeichen. In ihrer 1870 veröffentlichten "Mother's Day Proclamation" schlug die Verfechterin von Frauenrechten einen besonderen Tag als Protesttag gegen den Krieg vor und nannte diesen "mother's day", also Muttertag.

Auch in Europa entstanden zu dieser Zeit verschiedene Frauenbewegungen und -vereine. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Internationale Frauenrat gegründet. Er trat unter anderem für mehr Anerkennung von Müttern ein. Der damalige US-Präsident Woodrow Wilson erklärte schließlich 1914 den Muttertag zum nationalen Feiertag, der jeden zweiten Sonntag im Mai begangen werden sollte.

Mutter des ersten Bundespräsidenten federführend

Die Idee vom Muttertag als Feiertag verbreitete sich schnell international: 1917 in der Schweiz, 1918 in Finnland und Norwegen, 1919 in Schweden, ab 1923 in Deutschland und 1924 schließlich in Österreich. Treibende Kraft hierzulande war Marianne Hainisch, Begründerin und Führerin der Frauenbewegung in Österreich sowie Mutter des ersten österreichischen Bundespräsidenten, Michael Hainisch. Angeregt wurde sie nicht nur von Anna Jarvis, sondern auch von der Pfadfinderbewegung, in der sie Unterstützung für ihr Ansinnen fand. Immerhin setzten sich die Pfadfinderinnen und Pfadfinder ebenfalls für das Feiern eines Muttertags ein.

Damals wie heute wird in Österreich wie im gesamten deutschsprachigen Raum traditionell am zweiten Sontag im Mai gefeiert. Auf dieses Datum hat man sich in den meisten Ländern geeinigt. Ausnahmen und Abweichungen gibt es dennoch zuhauf. Im arabischen Raum etwa wird der Muttertag etwa bereits mit Frühlingsbeginn begangen, also am 21. März. Einen Sonderweg gehen auch Schweden und Frankreich sowie dessen ehemalige Kolonien, Protektorate, Übersee- und Einflussgebiete. Hier wurde der letzte Sonntag im Mai als Datum für den Muttertag gewählt. Fällt er auf Pfingsten, gilt ausnahmsweise der erste Sonntag im Juni. In Albanien und Südkorea werden Mutter- und Vatertag zu einem Elterntag zusammengelegt und am 8. Mai gefeiert. Eine ähnliche Herangehensweise gibt es in der Mongolei. Hier begeht man einen Mutter-Kind-Tag.

Muttertag in Russland im November

Russland ist mit dem letzten Sonntag im November recht spät dran. Allerdings ist der Muttertag in der Bevölkerung wenig bekannt. Gefeiert wird, vergleichbar mit den Aktivitäten in der westlichen Welt, am Internationalen Frauentag am 8. März. Dieser Tag ist hier ein offizieller Feiertag. Einige Länder gehen einen ähnlichen Weg und kombinieren Muttertag und Internationalen Frauentag. Darunter sind Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Laos, Serbien sowie die Ukraine. In Albanien, Kasachstan, Nordmazedonien, Rumänien und Vietnam fällt der Muttertag traditionell flach. Hier wird ausschließlich der Internationale Frauentag gefeiert.

Übrigens: Der österreichische Kultfilm "Muttertag" aus dem Jahr 1993 war keineswegs der erste Streifen, der diesen Titel trug. Schon 1980 kam ein US-amerikanischer Horrorfilm, der den gleichen Namen trägt, in die Kinos. Von der Blut-und-Beuschel-Thematik dieses Machwerks ist das heimische Pendant meilenweit entfernt. Ein derart turbulenter Muttertag ist den besten Müttern der Welt freilich trotzdem nicht zu wünschen.