Elisabeth, Bewohnerin des Generationenbands, gründete mit weiteren BewohnerInnen die Whats App-Gruppe "Hallo Nachbar". Hier tauschen sie sich untereinander aus und machen Pläne für gemeinsame Aktivitäten. © Bohmann

 

Kennen Sie Ihre NachbarInnen? JA!

In der Arakawastraße in Wien-Donaustadt wohnt man nicht nebeneinander, man wohnt miteinander. Denn das Haus für Jung und Alt bietet neben leistbaren Wohnungen sozialen Zusammenhalt. CLUB WIEN besuchte das Haus und seine MitbewohnerInnen.

Kennen Sie Ihre Nachbarin und Ihren Nachbarn? Oder bleibt es doch meist bei einem kurzen Hallo im Stiegenhaus? In einer Großstadt wie Wien ist es heutzutage kein Einzelfall, dass man Tür an Tür mit Fremden wohnt. Man begrüßt sich kurz, erkennt einander auf der Straße dann aber doch meist nicht mehr. Mitten unter Menschen ist man oft alleine. Vor allem ältere Personen, die aufgrund von Altersschwäche oder krankheitsbedingt nur noch selten vor die Tür kommen, vereinsamen so schnell. Aber auch als Neuling in Wien tut man sich oft schwer. Das muss nicht sein. Ganz nach dem Motto "Besser miteinander als alleine" entwickelten der Bauträger Eisenhof, das Unternehmen realitylab und die Wohnberatung Wien das Projekt Generationenband. Ein Haus, in dem junge und ältere Menschen sowie Familien mit Kindern Tür an Tür leben. Das Besondere: Man kennt einander, trifft sich, macht gemeinsame Aktivitäten. CLUB WIEN hat sich mit Micha Poszvek von realitylab getroffen und besuchte mit ihm das Generationenband in der Donaustadt.

 

Gemeinsam statt einsam

Ende 2018 öffneten sich in der Arakawastraße die Türen zum Wohnbauprojekt Generationenband und Personen allen Alters sind in die 117 Wohnungen eingezogen. Ziel des Projekts war die Realisierung von kostengünstigen, qualitätsvollen, innovativen und ökologischen Wohnbauten. Unter Generationenwohnen versteht man die Bedürfnisse von allen Bewohnerinnen und Bewohnern, junge wie alte, zu berücksichtigen. So wird ein Zuhause geschaffen, in dem man nicht nur nebeneinander wohnt, sondern miteinander. Das Projekt umfasst 41 Smart-Wohnungen mit Superförderung sowie sechs Wohngemeinschaften mit 24 Heimplätzen und 76 geförderte Mietwohnungen. Im 3. Stockwerk sind die vier Gebäudeteile durch Brücken beziehungsweise einer Dachterrasse miteinander verbunden. Doch was genau kann man sich unter dem Generationenband vorstellen?

Das Projekt "Generationenband"

Gelebte Nachbarschaft, Solidarität und sozialer Zusammenhalt sind die wesentlichen Ziele des Generationenbands. Jedes der vier Gebäudeteile hat einen Schwerpunkt und alle Gebäudeteile interagieren miteinander. "Es gibt ein junges Wohnen, es gibt ein gemischtes Wohnen, ein Wohnen 55+ und ein Familien-Wohnen", erzählt Micha Poszvek von realitylab. Je nach Alter und Bedürfnis konnte man sich im Vorfeld für eine Wohnform bewerben:

So richtet sich das junge Wohnen vor allem an junge Erwachsene, die in einer Wohngemeinschaft oder einer kleinen Startwohnung wohnen möchten. Wohngemeinschaften mit bis zu vier Personen sind möglich. Das Wohnen 55+ ist für ältere Personen, die alleine und selbstständig wohnen, aber im engen Kontakt mit älteren Nachbarinnen und Nachbarn stehen möchten, um sich gegenseitig zu unterstützen. Beim Wohnen 55+ teilen sich jeweils vier Wohnungen einen gemeinsamen Bonusraum. Dieser kann von den Bewohnerinnen und Bewohnern frei gestaltet und genutzt werden. Familien oder Menschen, die es gewohnt sind, sowohl mit jungen als auch alten Menschen zusammenzuleben, haben sich vorwiegend für die Familien-Wohnform oder das gemischte Wohnen entschieden. Bewerberinnen und Bewerber sollten sich zuerst für das Projekt und erst im nächsten Schritt für eine konkrete Wohnung entscheiden können. Daher wurden alle Interessentinnen und Interessenten auf einer Vormerkliste der Eisenhof vermerkt und zu Informationsveranstaltungen eingeladen, um das Projekt und die Menschen, die sich dafür interessieren, näher kennenzulernen. Ein anschließendes Vergabegespräch entschied, ob und welche Wohnung man erhalten wird. "Wir wollten, dass sich die Personen bewusst für das Projekt entscheiden, deshalb war das Aufnahmeverfahren etwas umfangreicher", so Poszvek.

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein/-e Generationenband-MitgestalterIn

"Ein Jahr, bevor die Bewohnerinnen und Bewohner in ihre Wohnungen einziehen konnten, haben wir uns regelmäßig zu Informationsveranstaltungen getroffen. Bei den Treffen konnten die Nachbarinnen und Nachbarn einander kennenlernen und gemeinsame Interessen finden, die zur Nachbarschaft positiv beitragen können", erklärt Poszvek.

Während der gesamten Vorarbeit wurden die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner von den realitylab-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern Petra Hendrich, Gudrun Peller, Micha Poszvek begleitet.

realitylab hat den Prozess einer sozialen Nachhaltigkeit im Rahmen eines Bauträgerwettbewerbes für die Eisenhof umgesetzt. Ziel ist, in Absprache mit dem Bauträger, individuelle Leistungsangebote zu erstellen. Diese sollen von den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam erarbeitet werden. "Bei unseren Treffen sind wir gemeinsam das Bauprojekt durchgegangen und haben geschaut, wo wir was verbessern oder ändern können. So kam beispielsweise der Wunsch nach einem Gemeinschaftsbeet auf oder nach frei verstellbaren Terrassenmöbeln", erzählt Poszvek. Auch ein Jahr nach dem Einzug kommt Micha Poszvek regelmäßig zu den Treffen der Bewohnerinnen und Bewohner und unterstützt sie bei Konfliktlösungen, beim Organisatieren von Feiern und bei vielen weiteren Initiativen und Aktivitäten der Nachbarschaft.

Ob garteln, Rad fahren oder feiern …

Das gemeinschaftliche Gemüsebeet befindet sich auf der großen Terrasse. Betreut wird es von den Generationenband-Bewohnerinnen und -Bewohnern. "Wer Zeit und Lust hat, gießt das Gemüse und die Kräuter. Wir teilen uns das einfach alle auf", so Elisabeth. Elisabeth wohnt im Wohnhaus für gemischtes Wohnen und engagiert sich gerne in den gemeinschaftlichen Gruppen. "Ich wohne sehr gerne im Generationenband. Das Besondere hier ist die Idee des Generationenwohnens generell. Es ist super mit so vielen offenen Menschen zusammenzuleben, denen der Gemeinschaftssinn auch sehr wichtig ist", so Elisabeth. Gemeinsam mit ein paar weiteren Bewohnerinnen und Bewohnern gründete sie die WhatsApp-Gruppe "Hallo Nachbar". Hier tauschen sie sich untereinander aus. "Wenn wir Fahrrad fahren wollen oder wandern, wenn wir Yoga machen oder so, dann schreiben wir in die Gruppe. Doch hauptsächlich bereden wir alle Dinge bei unseren Treffen. Wir haben unterschiedliche Thementreffen wie die Activity-Themengruppe oder die Gruppe Wissensdurst. Alle können kommen, die sich für das Thema interessieren oder sich gerne engagieren möchten", so Elisabeth. So treffen sich die Gruppenmitglieder regelmäßig, besprechen allfällige Themen oder planen schon die nächsten Aktionen wie das erste Generationenband-Sommerfest. Elisabeth sieht das Generationenband auch als einen Ort, an dem Jung und Alt voneinander lernen und auch profitieren können. "Ich bin zum Beispiel keine Oma, aber ich würde mich sehr gerne ab und zu als Oma zur Verfügung stellen. Das habe ich bei den Treffen mitgeteilt und mittlerweile hat sich hier auch schon wer gemeldet", erzählt die Bewohnerin mit großer Freude.

Ob hin und wieder ein Nachbarschaftsfest organisieren, gemeinsam einen Kuchen backen, am Computer weiterhelfen oder einfach ein bisschen Zeit miteinander verbringen - im Generationenband wird Nachbarschaft aktiv gelebt. Denn hier gilt: Gemeinsam lebt man besser als einsam.