Silvia Wildmann war von Anfang an im Gemeinschaftsgarten mit dabei und baut heute noch mit viel Leidenschaft Gemüse an. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Ein grünes Juwel im Gemeindebau

Gemeinschaftsgärten machen Wien grüner. Sie sorgen nicht nur für mehr Lebensqualität, sondern auch für mehr Nachbarschaftssinn. CLUB WIEN hat den Garten im Robert-Uhlir-Hof besucht und den GärtnerInnen über die Schulter geschaut.

Es ist nur ein Schritt durch die Hecke und doch fast wie ein Sprung in eine grüne Gartenwelt. Der Gemeinschaftsgarten Sonnenblume im Robert-Uhlir-Hof zeigt, welches Potenzial im Gemeindebau schlummert. Die grüne Lunge ist vollbewachsen mit Gemüse, Blumen und Obst. In der Mitte steht eine Gartenlaube, die von Kletterpflanzen eingeschlossen und überdacht ist. Kurzum: ein kleines Paradies mitten in der Leopoldstadt.

Wenn Sie mehr über Gemeinschaftsgärten lernen möchten, haben Sie Glück! Am 4. September laden der Nachbarschaftsservice im Gemeindebau, wohnpartner, und Gartenbegeisterte aus Anlass des "Tags des Wiener Wohnbaus" zum Tag der offenen Gemeinschaftsgärten im Gemeindebau. Dort können Sie sich über Gartenarbeit austauschen und wunderschöne Gärten hautnah erleben. Mehr Infos dazu finden Sie auf der wohnpartner-Homepage.

 

Angefangen hat der Garten, wie so viele Dinge, mit ein bisschen Engagement. Zwei Mieterinnen hatten den Wunsch, im Gemeindebau zu garteln, und gingen mit der Idee zu wohnpartner. Dort waren sie an der richtigen Adresse, wie sich Rosemarie Untner, Teamleitern des wohnpartner-Teams für die Bezirke 1, 2, 8, 9 und 20 erinnert. „Wir unterstützen Initiativen von Mieterinnen und Mietern immer sehr gerne und haben für alle Ideen ein offenes Ohr. Wir konnten ziemlich schnell ein paar mobile Beete aufstellen, aber es war bald klar, dass hier das Engagement für mehr vorhanden ist. So kam es zum Gemeinschaftsgarten.“

Bunter Mix in den Beeten

Nach der Gründung eines Vereins war der Gemeinschaftsgarten Sonnenblume auf Schiene und wurde 2014 offiziell eröffnet. Gemeinsam mit wohnpartner wurden die Rahmenbedingungen gelegt, jetzt war es an den Bewohnerinnen und Bewohnern, ihr kleines Juwel mit Leben zu erfüllen. Jedes Beet hat zwölf Quadratmeter und die Pflanzen, die hier wuchsen und wachsen, sind so bunt und vielfältig wie die Einwohnerinnen und Einwohner im Gemeindebau. Tomaten, Kürbis und Gurkerl findet man hier ebenso wie die südostasiatische Bittergurke oder das Superfood aus Westafrika, Moringa, das ebenso gedeiht.

Eines wird schon beim ersten Blick auf den Garten klar: Die Pflanzen wachsen unglaublich gut. „Ich habe heuer erstmals Kartoffeln angepflanzt und gleich über zweieinhalb Kilo geerntet“, erzählt Helga Benda, die seit 2015 mitgartelt. Ihr Geheimrezept für erfolgreiche Gartenarbeit? „Es gibt keines, man muss nur viel Spaß haben. Am meisten Spaß haben wir, wenn wir alle zusammensitzen und uns durchkosten.“ Im Beet der Pensionistin sieht man Lavendel ebenso wie Paprika, Gurken, Hibiskus und Rosmarin, der besonders gut wächst. Einzig mit dem Salat gibt’s leichte Schwierigkeiten. „Den fressen uns jedes Mal die Vogerln weg“, sagt Benda. „Also, wie man sieht, verköstigen wir die Tierwelt gleich mit.“

Nicht nur die Flora, auch die Fauna jubiliert

Apropos Tierwelt: Der Garten freut nicht nur die menschlichen Bewohnerinnen und Bewohner. Auch die Fauna profitiert. Das ist besonders wichtig, da es für Tiere nicht immer leicht ist, Lebensraum in der Stadt zu finden. Vögel, Schmetterlinge, Insekten, Würmer: Jeder Garten kann eine rettende Insel sein. Im Gemeinschaftsgarten Sonnenblume wurden auch schon Igel gesichtet und sogar ein Fuchs soll sich spätabends in der Nähe herumgetrieben haben.

Im Gegensatz zum Fuchs sind die Gärtnerinnen und Gärtner im Robert-Uhlir-Hof aber keine Einzelkämpfer. Der Teamgeist ist sehr wichtig. „Wenn zum Beispiel mal jemand auf Urlaub fährt, ist das überhaupt kein Problem, dass wer anderer die Arbeit mitmacht“, sagt Benda, deren Mann auch viel mithilft und Hochbeete gebaut hat. Auch Silvia Wildmann, seit der ersten Stunde mit dabei, bekräftigt die Bedeutung der Gemeinschaft. „Man muss sich zusammenreden und an einem Strang ziehen. Je besser die Kommunikation ist, desto mehr Spaß macht auch die Arbeit.“

Nach Herzenslust pflanzen

Denn wer im Gemeinschaftsgarten mitmacht, muss über sein eigenes Beet hinausdenken. Man muss Sträucher schneiden, Rasen mähen und gießen, damit die Sträucher und Gräser allesamt gedeihen. Im eigenen Beet ist aber jede und jeder Königin und König. „Alle sollen pflanzen, was sie wollen. Das kann man niemandem vorschreiben, ich würde es mir auch nicht vorschreiben lassen“, sagt Wildmann. Die Gärtnerin baut in erster Linie Gemüse an. Zucchini, Kürbis, Radicchio, Rüben und Artischocken hat sie im Repertoire. Abgerundet wird das mit Brombeeren, Heidelbeeren und Lorbeer. „Die Sachen wachsen sehr gut, gerade um die Jahreszeit explodiert der Garten förmlich“, sagt Wildmann. Das Gemüse pflanzt sie im Frühling, mit Ausnahme der Artischocken. Der Rest, inklusive Artischocken, bleibt das ganze Jahr über im Garten.

Der Höhepunkt nach einem Tag voller Gartenarbeit ist, sich in der Laube niederzulassen und sich auszutauschen. Hier im Robert-Uhlir-Hof ist die Gemeinschaft mindestens genauso wichtig wie der Garten.

Mehr Infos zu wohnpartner und vielen weiteren Projekten finden Sie auf der wohnpartner-Homepage wohnpartner-wien.at.