Auch wer wenig Geld zur Verfügung hat, kann in Österreich Familienurlaub machen. © WIJUG

 

Familienurlaub in Österreich für alle

Im Sommer fahren Familien traditionell gemeinsam auf Urlaub. Doch nach einem Blick ins Geldbörsel fragen sich manche, ob sich das ausgeht. Um Sommerfrische muss jedoch niemand bangen: Wien bietet seit Langem geförderten Familienurlaub in Österreich.

Was gibt es im Sommer Schöneres als ein paar Tage Erholung mit der Familie? Ob in der Steiermark, in Oberösterreich, in Salzburg oder in Tirol: Hier kann man vortrefflich die Seele baumeln lassen, die Natur bei ausgiebigen Wanderungen genießen, in Seen baden und vieles mehr. Urlaube kosten aber nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Beides wertvolle Güter, die oft knapp sind. Vorläufer zur Wiener Jugenderholung, kurz WIJUG, in ihrer heutigen Form gab es bereits vor fast hundert Jahren. Seit 1984 werden nicht nur Kindern mit einkommensschwachem Hintergrund schöne, erholsame Ferien in Österreich ermöglicht, sondern auch geförderter, betreuter Urlaub für die ganze Familie angeboten. Mittlerweile nehmen rund 750 Familien im Jahr das Angebot in Anspruch.

Um in den Genuss eines geförderten Urlaubs zu kommen, muss man in Wien hauptgemeldet sein und darf gewisse Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Wie diese im Detail aussehen, erfahren interessierte Eltern in der Kanzlei der für ihren Bezirk zuständigen Regionalstelle - Soziale Arbeit mit Familie, bei der auch gebucht wird. Faktoren, die hier eine Rolle spielen, sind etwa die Anzahl der Kinder, ob es sich um Alleinerziehende handelt oder ob beide Elternteile involviert sind, ob jemand Alimente bezieht oder nicht und einige weitere.

Menschen mit großem Herz

Zur Auswahl stehen 20 Quartiere über ganz Österreich verteilt. "Wir wählen die Urlaubsziele anhand der Unterkunftgeberinnen und -geber", erklärt Susanne Pauer, Geschäftsführerin der WIJUG. "Es müssen Menschen sein, die ein großes Herz haben und unsere Familien besonders herzlich willkommen heißen. Die Häuser sind, was Lage und Stil betrifft, sehr unterschiedlich. Dieses breite Spektrum wollen wir den Kundinnen und Kunden auch als vielfältiges Angebot bieten. Denn was gefällt, ist schließlich sehr individuell und unterschiedlich."

 

Für die Kosten des Urlaubs kommt zum Großteil die Kinder- und Jugendhilfe (MAG ELF) auf. Die Eltern zahlen einen kleinen Beitrag: pro Erwachsener beziehungsweise Erwachsenem und Urlaubstag 13,70 Euro. Für Kinder und Jugendliche, die jünger als 18 Jahre alt sind, muss nichts bezahlt werden. Mit diesem Gesamtbetrag werden Hin- und Rückfahrt via Bahn und/oder Reisebus, Vollpension, also Frühstück, Mittagessen und Abendessen, die Unterkunft und die Reiseleitung bezahlt. Am jeweiligen Ort müssen die Eltern nur noch für Ausflüge extra aufkommen, Kinder dürfen kostenlos daran teilnehmen.

Auch Familien mit acht, neun Kindern

Je Familie können höchstens zwei Erwachsene mitfahren. Was die Anzahl der Kinder anbelangt, gibt es laut Susanne Pauer keine Beschränkung: "Manchmal fahren auch Eltern mit acht, neun Kindern mit. Wir bitten bei so großen Familien um einen Anruf, da wir in solchen Fällen mehrere Zimmer belegen müssen und darauf achten möchten, dass die Zimmer nebeneinander liegen." Geurlaubt wird in Gruppen aus rund 40 Personen, die von zwei Reiseleiterinnen und -leitern ab der Abfahrt in Wien betreut werden. Je nach Familiengröße sind das dann neun bis 14 Familien, die gemeinsam Urlaub in Österreich machen. Wer will, kann auch auf eigene Kosten im eigenen Auto oder in einem Mietwagen an- und abreisen.

Die Urlaube finden im Juli und August statt und dauern acht, elf oder zwölf Tage. Schon bei der Buchung bekommen die Eltern eine Packliste zugeschickt und den Treffpunkt für die Anreise mitgeteilt. Aufgrund von COVID-19 unterscheidet sich der Ablauf heuer ein wenig. Bei der Abreise wird Fieber gemessen, im Bus und in der Bahn müssen alle ab sechs Jahren einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch sonst wird das Angebot ein wenig abgeändert. "Statt zum Beispiel einer Kinderdisco gibt es Lagerfeuer oder Nachtwanderungen am Abend. Wir werden besonders viel in der freien Natur machen", so Susanne Pauer. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Abwechslungsreiches Programm

Das Programm mit jeder Menge Ausflügen wird von den Reiseleiterinnen und -leitern geplant und unterscheidet sich je nach Reiseziel: Das können Wanderungen, Besuche von Frei- und Hallenbädern, Sommerrodelbahnen, Motorikparks und Museen sein. Auf der Tagesordnung können aber auch Besichtigungen von Burgen, Ruinen, Schlössern und Naturdenkmälern, Besuche bei Imkereien und Bauernhöfen sein. Go-Kart fahren Tischtennis, Lagerfeuer, eine Fahrt mit einer Bergbahn, Sternwarten, Bootsfahrten über Seen können ebenso auf dem Programm stehen. Für Abwechslung ist jedenfalls gesorgt, und das wissen auch die teilnehmenden Familien zu schätzen.

Sabine aus Wien-Penzing ist alleinerziehende Mutter und war mit ihren beiden Kindern im Alter von einem und drei Jahren das erste Mal auf gefördertem Familienurlaub. "Ich bin mit einigen Bedenken dort hingefahren. Aber ich muss sagen, ich wurde extrem positiv überrascht", sagt sie. "Die Pension war total familienfreundlich, das Essen wunderbar. Außerdem gilt mein Lob den Betreuerinnen vor Ort. Zwei so junge und doch so herzliche Menschen trifft man selten. Sie haben ihr Programm an jede Altersgruppe angepasst und damit den Urlaub für meine Kinder und mich unvergesslich gemacht."

Erinnerungen als Souvenir

Toni aus der Brigittenau ist mit seinen drei Kindern gewissermaßen Stammkunde und immer wieder aufs Neue begeistert. "Die erste Freude kommt bei uns schon auf, wenn wir das Urlaubsziel erfahren. Wir geben ja nie ein Wunschziel bei der Anmeldung an, sondern überlassen die Auswahl den verantwortlichen Damen", erzählt er. "Ich muss mich für jeden Urlaub von der WIJUG bedanken, denn sie hat mir jedes Mal die Gelegenheit geboten, meinen Kindern eine österreichische Region zu zeigen und zu erklären. Und ich freue mich immer sehr, wenn die Kinder vor dem Fernseher aufschreien, weil sie eine Stadt, ein Bauwerk oder eine Sehenswürdigkeit erkennen, die sie dank der WIJUG bereits live erleben durften: 'Dort waren wir schon einmal, das haben wir schon richtig selbst gesehen!'"

Wer seinen Urlaub aufgrund der Corona-Krise schon aufbrauchen musste und vor der Herausforderung der Kinderbetreuung steht, findet ebenfalls ein Angebot der WIJUG. Seit jeher gibt es kostengünstige Kinderurlaube für Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren, die in Wien gemeldet sind. Der volle Elternbeitrag beläuft sich dabei auf 29 Euro pro Tag und Kind, es gibt aber auch Förderungen je nach Einkommen der Eltern. "Ein Beispiel: Bei einem monatlichen Familiennettoeinkommen bis 1.750 Euro zahlen die Eltern 23 Euro pro Urlaub und Kind", so Susanne Pauer. Pro Kind können zwei Urlaube im Sommer gebucht werden. Und: Man kann sowohl Kinderurlaub als auch geförderten Familienurlaub buchen. Plätze sind jedenfalls in beiden Fällen noch frei. In diesem Sinne: Gute Reise und schönen Urlaub!