Raus ins Grüne. Familien mit kleinen Kindern haben die meisten Anträge für ein gefördertes Transportfahrrad eingereicht. © Wolfgang Zajc

 

Dank Muskelkraft mit Sack und Pack von A nach B

Steigen die Temperaturen, steigt auch die Nachfrage nach Lastenfahrrädern. Mit ihnen lassen sich Wochenendeinkäufe oder Kinder leicht transportieren. Mehr als 440 wurden bereits gefördert.

Fahrradfahren ist nicht nur gesund, es schont auch die Umwelt. Der einzige Ausstoß ist der je nach Kondition mal mehr, mal weniger schwere Atem derjenigen, die in die Pedale treten. Besonders gut für Klima und Waden sind Transportfahrräder, auch als Lastenfahrräder oder Cargo-Bikes bekannt. "Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Raum- und Luftfahrt könnten in den Städten 23 Prozent aller Lkw-Fahrten pro Tag durch Transportfahrräder ersetzt werden", erklärt Kathrin Ivancsits von der Mobilitätsagentur Wien. "Die Umweltbelastung könnte so bedeutend gesenkt werden."

Schadstoffe reduzieren

Dazu ein paar Zahlen: Stickstoff könnte durch Transportfahrräder um 450 bis 2.000 Tonnen pro Jahr gesenkt werden, Feinstaub um 20 bis 100 Tonnen pro Jahr. Die CO2-Reduktion im deutschen Wirtschaftsverkehr würde sich auf 150.000 bis 700.000 Tonnen pro Jahr belaufen. Das lässt sich freilich auch auf Österreich umlegen.

Grund genug für die Stadt Wien, Lastenfahrräder mit bis zu 1.000 Euro zu fördern. Letztes Jahr kamen bereits 300 Menschen in den Genuss einer Förderung, der Andrang war groß. Im Herbst wurde der Topf mit weiteren 300.000 Euro befüllt. Die finanzielle Geldspritze richtet sich dabei an Privatpersonen mit Hauptwohnsitz in Wien. Gefördert wird die Anschaffung von neuen Lastenfahrrädern, aber auch von Elektro-Transportfahrrädern. Die Summe fällt unterschiedlich aus, maximal sollen 50 Prozent des Kaufpreises bis zu einer Höhe von 800 Euro zurückerstattet werden. Beim E-Lastenfahrrad können es maximal 1.000 Euro sein. Beantragen kann man die Förderung immer noch, und zwar hier.

Familien mit kleinen Kindern

Nicht nur für den Transport sperriger Güter sind die Lastenfahrräder geeignet, auch Familien mit kleinen Kindern machen von ihnen gerne Gebrauch. Sie waren es auch, die bisher die meisten Anträge einreichten. "Transportfahrräder sind Fahrräder mit Mehrwert und können den Alltag erleichtern. Der wöchentliche Großeinkauf, die benötigten Sachen für einen Badeausflug oder Kinder finden darin Platz. Durch die Förderung schafft die Stadt Wien einen wichtigen Anreiz zur Förderung umweltverträglicher Mobilität", sagt Wiens Radverkehrsbeauftragter Martin Blum.

 

Die Vorteile liegen auf der Hand. Transportfahrräder sind schnelle, kostengünstige und vor allem umweltfreundliche Verkehrsmittel - vom gesundheitlichen Aspekt ganz zu schweigen. Dabei nimmt ihr Einsatz in Städten weltweit rasant zu. In Kopenhagen oder Amsterdam gehören die Lastenfahrräder längst zum Stadtbild. "Das bringt neben Vorteilen für die Umwelt auch ökonomische Vorteile für Betriebe", so Ivancsits. "Die Anschaffungs- und Erhaltungskosten von Transporträdern sind geringer als die eines Lieferwagens. Und im urbanen verkehrsberuhigten Bereich bewährt sich das Lastenrad als schnelles, zuverlässiges und kostengünstiges Transportmittel."

Erweiterte Grätzlrad-Flotte

Im Zuge dessen wurde auch die Flotte der Grätzlräder um zehn Lastenfahrräder aufgestockt. Das Transportfahrrad-Sharing der Stadt Wien wurde 2017 ins Leben gerufen und von den Wienerinnen und Wienern gut angenommen, wie eine Auswertung der TU Wien zeigt. Mittlerweile stehen 24 Grätzlräder in 16 Bezirken zum kostenlosen Ausleihen zur Verfügung. "Für Wien ist wichtig, dass die Wienerinnen und Wiener von den Vorteilen eines Transportfahrrads profitieren können, ohne gleich eines kaufen zu müssen", erklärt Martin Blum die Hintergründe der Grätzlrad-Förderschiene. Das Grätzlrad vereint letztlich Klimaschutz, Mobilität und die Förderung der Nachbarschaft. Blum betont auch den nachhaltigen Aspekt des Projekts: "Das Grätzlrad bewirkt, dass der klimaschonende Transport mit Lastenrädern Teil des städtischen Alltags wird. Einerseits sind die Transportfahrräder in der Stadt sichtbar, andererseits werden Menschen motiviert, auf Cargo-Bikes umzusteigen."

Verwendet werden die Grätzlräder überwiegend für private Zwecke. Damit wird alles Mögliche durch die Gegend kutschiert: eben vom bereits erwähnten Wochenendeinkauf über Möbel bis zum Surfbrett. "Auch Hunde sind schon in Grätzlrädern mitgefahren. Hauptsächlich borgen sich die Leute Grätzlräder aus, um Kinder oder Lebensmittel zu transportieren", sagt Kathrin Ivancsits. Einziger Wermutstropfen derzeit: Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Maßnahmen kann es zu Einschränkungen bei ausgewählten Rädern kommen. Die Informationen dazu findet man aber auf der Website beim jeweiligen Grätzlrad. Also beim nächsten anstehenden Transport oder wenn die Kinder in den Kindergarten gebracht werden müssen: nicht gleich ins Auto steigen, sondern schauen, wo das nächste freie Grätzlrad zu finden ist. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, wird durch die Förderungen der Stadt Wien beim Kauf eines Transportfahrrads auch finanziell unterstützt. Gute Fahrt!