27.APRIL 2020 
Freizeit
Gemüse, Kräuter und sogar manche Obstsorten lassen sich auch auf dem Fensterbrett ziehen. © DIE UMWELTBERATUNG/Manfred Pendl

Garteln im trauten Heim

Nicht alle haben einen Balkon oder Garten, wollen aber trotzdem nicht auf Kräuter oder Gemüse aus eigenem Anbau verzichten. All das lässt sich auch in der Küche oder in Balkonkisterln am Fenster ziehen. Wie, das hat CLUB WIEN in Erfahrung gebracht.

Petersilie, Schnittlauch, Rosmarin, Thymian: Allesamt Kräuter, die in keiner Küche und in keinem Kochbuch fehlen dürfen. Und allesamt Kräuter, die gut selbst gezogen werden können, auch wenn man weder Garten, noch Balkon, Loggia oder Terrasse sein Eigen nennt. "Kräuter sind Sonnenanbeter und wachsen gut am Fensterbrett und im Balkonkisterl", erklärt Sophie Jäger-Katzmann, Gartenexpertin von DIE UMWELTBERATUNG. "Sie können selbst ausgesät oder als Jungpflanzen gekauft werden. Selbst angebaute sind erfahrungsgemäß oftmals robuster als künstlich hochgezogene, die dann verpflanzt werden."

Allgemein gilt: Arten mit ähnlichem Wasserbedarf sollten kombiniert werden. In der Praxis bedeutet das: Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Liebstöckel brauchen viel Wasser und können gemeinsam angesetzt werden. Mediterrane Kräuter wie Oregano, Rosmarin, Thymian, Salbei wiederum haben es gerne trocken und können sich ruhig ein Kisterl teilen. Kräuter haben prinzipiell keinen hohen Nährstoffbedarf. "Zu viel Dünger lässt die Pflanzen zwar schneller wachsen, das geht aber auf Kosten des Geschmacks", so Jäger-Katzmann. "Lässt man die Kräuter am Fenster blühen, haben auch Insekten etwas davon und man kann eigene Samen fürs Folgejahr ernten."

Radieschen, Rucola und Erdbeeren im Blumenkisterl

Auch andere Pflanzen können in Kisterln und Töpfen gezogen werden, und da vor allem kleinwüchsige und kompakte Sorten. "Paprika, Chili, Balkontomaten, kleinfruchtige Zucchini, kleinfruchtige Gurken passen in Balkonkästen oder größere Pflanzgefäße", weiß Sophie Jäger-Katzmann. "Stangen- und Feuerbohnen sowie Klettergurken wachsen auch an Klettergerüsten in Trögen. Sie haben schöne Blüten und bieten mit ihren dichten Blättern einen guten Sichtschutz und spenden Schatten. Radieschen wachsen super im Balkonkisterl und können je nach Sorte schon ab März angebaut werden."

Auch für Asiasalate, Pflücksalate oder Rucola reicht ein Blumenkisterl am Fensterbrett vollkommen. Sie können leicht selbst angebaut werden, sind sehr keimfreudig und wachsen schnell. Wer Angst hat, keinen sprichwörtlichen grünen Daumen zu haben: Die Salate sind auch für Neulinge in Sachen Garteln geeignet, auch Anfängerinnen und Anfänger können sich das zutrauen. Wer sich hingegen an selbst angebautem Obst versuchen will, kann Erdbeeren verschiedener Art ansetzen. "Als Naschobst sind Monatserdbeeren besonders gut geeignet, da sie bis zum Spätherbst immer wieder neue, köstliche Früchte tragen. Aber auch große Erdbeersorten wachsen sehr gut in Blumenkästen", so Jäger-Katzmann.

Fenster als Extremstandorte

Natürlich unterscheidet sich das Anbauen und Ziehen von Pflanzen am Fensterbrett vom Garteln im Freien. "Blumenkisterl am Fenster sind Extremstandorte, oftmals trocken und windig. Durch das geringere Substrat, also den weniger ergiebigen Nährböden, können Trockenheit, aber auch Staunässe nach Regenfällen problematisch sein", erklärt Gartenexpertin Jäger-Katzmann. Deshalb ist es wichtig, Abzugslöcher in Töpfen und Kisterln zu haben. Auf diese Art und Weise lässt sich vermeiden, dass Blumenkästen oder Töpfe im Extremfall tagelang unter Wasser stehen.

Außerdem sollte eine Mischung aus Gartenerde und Kompost der vorhandenen, meist sterilen Erde beigemengt werden. Die Pflanzen können sich so über ihre Wurzeln wertvolle Nährstoffe holen. Auch gekaufte Mikroorganismen können den Boden beleben und die Pflanzen unterstützen. "Als Pflanzsubstrat eignet sich eine Mischung aus torffreier Blumenerde oder Gartenerde, Sand und Kompost zu gleichen Teilen", empfiehlt Jäger-Katzmann. "Eine Schicht Tonscherben, Schotter oder Kies am Boden des Topfes verhindert Staunässe. Im Handel gibt es auch Blumenkästen zur Anstaubewässerung mit einem Wasserreservoir."

40 Kilogramm Nassgewicht

Je größer das jeweilige Gefäß - sei es Blumenkisterl oder Topf -, desto besser. Natürlich stehen der jeweiligen Pflanze in einem größeren mehr Nährstoffe und Feuchtigkeit zur Verfügung als in einem kleinen. Außerdem sollte der Nährstoffgehalt der Erde an die jeweilige Pflanze angepasst sein. Zum Bepflanzen eignen sich Behälter wie Balkonkisterln, Töpfe aus Recyclingkunststoff, Ton und anderen Materialien. Dass dabei auf Standfestigkeit, Gewicht und Witterungsbeständigkeit geachtet werden sollte, versteht sich von selbst.

Ein Tipp von Sophie Jäger-Katzmann: "Sorgen Sie für stabile und windsichere Befestigung, da mit bis zu 40 Kilogramm Nassgewicht pro Meter Blumenkisterl zu rechnen ist. Dafür muss die Zustimmung der Vermieterin oder des Vermieters eingeholt beziehungsweise die Hausverwaltung informiert werden." Denn für alles, was außerhalb des Mauerwerks, also etwa an der Außenseite des Balkongeländes, befestigt wird, haftet im Schadensfall zwar die Hauseigentümerin oder der Hauseigentümer. Fällt aber zum Beispiel ein Blumenkisterl direkt vom Fensterbrett auf ein Auto und verursacht Sachschaden, muss dafür die Mieterin oder der Mieter aufkommen. In den meisten Mietverträgen befinden sich aber ohnehin betreffende Abschnitte, in denen das ausführlich geklärt ist.

Pflanzen bei den Wiener Gärtnerinnen und Gärtnern

Die dazu passenden Pflanzen kann man in einem der von DIE UMWELTBERATUNG empfohlenen Online-Shops mit biologischen Gartenprodukten kaufen. Oder aber bei den Wiener Gärtnerinnen und Gärtnern. Diese kommen wie jedes Jahr zu den Wienerinnen und Wienern und bieten ihre Ware ein Monat lang jeweils von 9 bis 17 Uhr an diversen Blumenmärkten feil. Ob Gemüsepflanzen, Kräuter oder Sommerblumen: Für das traute Heim findet sich bestimmt etwas. Noch bis 14. Mai können an 39 Standorten in ganz Wien Pflanzen aus eigener Produktion erworben werden.

Angeboten wir Gemüse wie Tomaten, Gurken, Salatpflanzen, Melanzani, Pfefferoni und Kürbisse ebenso wie Kräuter wie Rosmarin, Lavendel, Majoran oder Oregano. Fehlen dürfen bei einem Blumenmarkt aber auch nicht sogenannte Sommerblüher wie Aztekengold, Dahlien, Fuchsien oder Pelargonien. Letztere ist übrigens jene Zierpflanze, die sich am besten an die Bedingungen im Stadtgebiet angepasst hat: hitzeresistent, pflegeleicht und somit ideal für das städtische Klima. Kein Wunder, dass man sie in Wien besonders oft in allen möglichen Farben von Fensterbänken, Balkonen und Terrassen leuchten sieht.

Blumenmärkte 2020

  • Montag, 27. April 2020
  • 13. Am Platz (Hietzing)
  • 18. Czartoryskigasse/Moritz-Mayer-Park
  • Dienstag, 28. April 2020
  • 9. Bauernfeldplatz
  • 12. Gatterhölzl Kirche vis-à-vis der Kirche
  • 17. Rupertusplatz
  • Mittwoch, 29. April 2020
  • 13. Hietzinger Hauptstraße/Sommerergasse
  • 18. Gersthofer Straße 120
  • Donnerstag, 30. April 2020
  • 12. U6-Station Am Schöpfwerk
  • Samstag, 2. Mai 2020
  • 7. Lerchenfelder Straße 103-109 (bei der Kirche)
  • Montag, 4. Mai 2020
  • 13. Am Platz (Hietzing)
  • 19. Gatterburggasse beim Amtshaus
  • Dienstag 5. Mai 2020
  • 16. Karl Kantner Park
  • 18. Czartoryskigasse/Moritz-Mayer-Park
  • Mittwoch 6. Mai 2020
  • 13. Hietzinger Hauptstraße/Sommerergasse
  • 18. Gersthofer Straße 120
  • Donnerstag, 7. Mai 2020
  • 23. Kalksburger Kirchenplatz
  • Samstag, 9. Mai 2020
  • 7. Lerchenfelder Straße 103-109 (bei der Kirche)
  • Montag, 11. Mai 2020
  • 13. Am Platz (Hietzing)
  • Dienstag, 12. Mai 2020
  • 19. Strauss-Lanner-Park
  • Mittwoch, 13. Mai 2020
  • 13. Hietzinger Hauptstraße/Sommerergasse
  • Donnerstag, 14. Mai 2020
  • 21. Gerasdorfer Straße/Holetschekgasse