Füchse haben sich in den letzten Jahren zu erfolgreichen Bewohnern des Wiener Stadtgebiets entwickelt. © Wiener Wildnis

 

Wenn Füchse die Stadt erobern

Füchse besiedeln zusehends den urbanen Raum. Dank der Beobachtungen der Wiener Bevölkerung haben ForscherInnen nun Daten zu den roten Vierbeinern zusammentragen können. Mit erstaunlichen Ergebnissen, wie CLUB WIEN in Erfahrung gebracht hat.

In Wien wimmelt es von Tieren. Gemeint sind allerdings nicht nur Hunde, Katzen, andere vierbeinige Lieblinge oder Tauben und Enten. Denn immer mehr Wildtiere haben sich die Großstadt als Lebensraum auserkoren. Auch Füchse haben sich in den letzten Jahren zu erfolgreichen Bewohnern von Stadtgebieten entwickelt. Das Projekt StadtWildTiere hat sich damit näher auseinandergesetzt und nun erste Ergebnisse präsentiert. Initiiert wurde es von Forscherinnen und Forschern der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed).

Wissenschaft und Bevölkerung arbeiten zusammen

Keine unerhebliche Rolle spielte bei den Untersuchungen die Wiener Bevölkerung. Sie wurde Ende Mai 2015 dazu aufgerufen, Fuchsbeobachtungen zu melden, quer durch alle Gemeindebezirke. Diese Vorgehensweise nennt sich "Citizen Science", auf Deutsch also etwa Bürgerwissenschaft. Dabei arbeiten interessierte Laien gemeinsam mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zumindest für die Dauer eines Projekts zusammen. In diesem Fall konnten 1.100 Fuchssichtungen von Wiener Bürgerinnen und Bürgern analysiert werden, übrigens die erste Untersuchung ihrer Art im deutschen Sprachraum.

 

Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung hat sich jedenfalls gelohnt. "Unser Wissen über das Vorkommen, die Verteilung und den Zusammenhang mit der Landnutzung städtischer Füchse ist marginal. Viele der bevorzugten Lebensräume befinden sich auf Privatbesitz und sind daher für Wissenschafterinnen und Wissenschafter kaum zugänglich", erläutert Theresa Walter vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmed. Da die Wienerinnen und Wiener ihre Sichtungen auch aus Privatgärten meldeten, konnte diese Wissenslücke geschlossen werden.

Füchse in allen Bezirken

Beobachtet wurden die Rotfüchse zu allen Tageszeiten in allen Wiener Gemeindebezirken. Dabei hat sich der kleine Wildhund nicht nur dort, wo es erwartet wird, gut eingerichtet. Neben dem Wienerwald-nahen Westen der Donaumetropole oder in den weitläufigen Flächenbezirken Transdanubiens leben Füchse auch in innerstädtischen Gebieten. Am wahrscheinlichsten trifft man Füchse der Studie zufolge also in Floridsdorf und Donaustadt, in Gebieten nahe des Wienerwalds, aber auch in zentral gelegenen Parkanlagen. Dabei teilt sich die Stadt wie für den Menschen auch für Wildtiere in verschiedene Bereiche auf, sogenannte Landnutzungsklassen. Dazu gehören öffentliche Parks, private Gärten und Straßen.

Dabei stellten die Forscherinnen und Forscher anhand der Beobachtungen aus der Bevölkerung Erstaunliches fest: In Gärten, wenig bebauten Gebieten, Parks oder auf Plätzen war die Wahrscheinlichkeit höher, einem Fuchs zu begegnen als in landwirtschaftlichen Gebieten, Industriegebieten oder Wäldern. "Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, da Füchse ja auch im Wald oder auf Feldern leben", erklärt Florian Heigl vom Institut für Zoologie der BOKU. "Es ist allerdings so, dass man einen Fuchs in einem Wald mit starkem Unterwuchs oder in einem Weizenfeld nicht so gut beobachten kann wie einen Fuchs, der durch die Stadt spaziert." Außerdem wird die Begegnung mit Füchsen in der Stadt von der Bevölkerung als außergewöhnlicher wahrgenommen als beispielsweise im Wienerwald.

Ausbildungsgrad hat Einfluss auf Meldungen

Im Zuge der Analyse wurde auch die menschliche Seite beleuchtet, denn zu einer Beobachtung gehören immer zwei: jene, die beobachten, und jene, die beobachtet werden. In diesem Fall also Mensch und Fuchs. Dabei zeigte sich, dass auch der Ausbildungsgrad Einfluss auf die Meldungen von Sichtungen hatte. Je mehr Menschen mit höherer Ausbildung in einem Bezirk lebten, desto mehr Fuchsbeobachtungen wurden gemeldet. Für die Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist das insofern aufschlussreich, als so sichtbar wird, wie Beobachtungsdaten überhaupt entstehen.

Auch für städtisches Wildtiermanagement können die Ergebnisse gut verwendet werden, so Theresa Walter: "Es gibt Krankheiten, die von Wildtieren auf Haustiere oder auf den Menschen übertragen werden können. Wenn wir wissen, wo Mensch und Wildtier in der Stadt aufeinandertreffen, können punktgenau Maßnahmen getroffen werden." Die Augen offen zu halten, führt nicht nur zu wunderschönen Begegnungen mit der Natur mitten in der Großstadt. Auch der Wissenschaft und letztlich uns allen kann damit geholfen werden.