Käfig League-Trio: Vertrauenstrainer und Leiter Philipp "Pipo" Trojer flankiert von den Trainern Christian "Chris" Schneider (links) und Nojimu "Jimmy" Salau (rechts). © Bohmann/Andrew Rinkhy

Straßenfußball auf Wienerisch

Die "Käfig League" der youngCaritas ist ein interkulturelles Straßenfußballprojekt. Kinder und Jugendliche lernen beim Fußball auch Fair Play fürs Leben. inwien begibt sich auf Lokalaugenschein.

Schauplatz Ordeltpark in Breitensee, ein warmer Spätsommernachmittag. Auf dem Spielplatz tummeln sich Eltern mit ihren Kindern. Neben Kindergeschrei hört man auch ein Scheppern. Es kommt vom Käfig nebenan. Das Geräusch, das der Ball macht, wenn er gegen den Metallzaun knallt. Immer und immer wieder. Hier wird gekickt. Gepasst, gegaberlt, geschossen. Eine Handvoll Burschen ist da und wärmt sich auf. Denn in Kürze beginnt wie jede Woche das Training der "youngCaritas Käfig League". Unschwer zu erkennen, dreht sich hier alles um das runde Leder.

Mehr als nur kicken

Der Ball kullert zum Gitter. Dort steht Philipp Trojer. Er stoppt ihn und passt zurück. Philipp ist der Sozialpädagogische Leiter und Vertrauenstrainer der "Käfig League". Seit mehreren Jahren schon ist er bei dem spannenden Projekt dabei: "Die 'Käfig League' gibt es seit 2010", erklärt er, während ihn die jungen Burschen begrüßen. Es werden immer mehr, zum Trainingsstart sind es circa 20. Mittlerweile sind die zwei Trainer auch da. Jimmy und Chris arbeiten beide ehrenamtlich für die youngCaritas. Sie bringen die Hütchen in Position und teilen die Anwesenden ein. Nach ein paar Passübungen werden Kopfbälle trainiert.

Doch was ist das Projekt "Käfig League" eigentlich genau? Ein Fußballtraining? "Wir betreuen Fußball spielende Kinder und Jugendliche in den klassischen Wiener Ballspielkäfigen. Ziel ist, Freude an der Bewegung zu vermitteln", sagt Philipp. Aber auch die sozialen Kompetenzen der Kinder sollen gestärkt werden. So wird über das gemeinsame Spiel versucht, Aggressionen und Vorurteile abzubauen.

Derzeit werden wöchentlich in 21 Fußballkäfigen wienweit kostenlos professionell angeleitete Fußballtrainings veranstaltet. Die einzige Bedingung: Jede und jeder muss mit jeder und jedem zusammenspielen können. Das niederschwellige Angebot läuft grundsätzlich von April bis Juni und September bis Oktober. Im Winter weicht man in Hallen aus. Zielgruppe sind Mädchen und Buben im Alter von sechs bis 14 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund. "Wir stehen derzeit bei rund 800 Anmeldungen. Sechs Prozent davon sind Mädchen. Rund 600 Kids spielen regelmäßig", weiß Philipp. Es gibt eigene Mädchenmannschaften, aber auch gemischte Teams funktionieren oft gut. Die Trainerinnen und Trainer, derzeit rund 30 Männer und sieben Frauen, arbeiten ehrenamtlich. Sie bringen meist eine soziale, psychologische oder Sportausbildung mit.

Schusstraining: Jeder versucht, den Goalie zu überwinden. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Gemeinsam spielen, gemeinsam leben

Mit Flyern wird in der Umgebung der Parks und in Schulen für die "Käfig League" geworben. Das Angebot der youngCaritas dockt genau dort an, wo es soziale Brennpunkte gibt. "Käfige und Parks sind häufig Konfliktzonen", weiß der Vertrauenstrainer. Die unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründe der Kinder sind oft Grund dafür. "Deshalb versuchen wir, ein friedliches, gewaltfreies und wertschätzendes Zusammenleben zu fördern." Inklusion und Integration heißt das Motto.

Gerade wird es etwas lauter in einem Eck des Käfigs. Der Ball ist der Streitpunkt. Trainer Jimmy nimmt die beiden Burschen zur Seite und redet ruhig mit ihnen. Bei Problemen wirken die Trainerinnen und Trainer deeskalierend. "Solche Situationen kommen im Käfig immer wieder einmal vor", sagt Philipp. "Fußball ist eine körperbetonte Sportart. Es kann schon passieren, dass es da zu Reibereien kommt." Doch diese werden noch während des Trainings besprochen, gelöst und sind meist schnell vergessen.

Respekt erlernen

Auch wenn sich das Angebot an alle Sechs- bis 14-Jährigen in Wien wendet, haben die meisten Jugendlichen, die in der "Käfig League" spielen, einen Migrationshintergrund. Auch ein paar Flüchtlinge sind dabei. "Die Sprache ist aber kein Problem. Denn entweder können die Kinder sowieso alle Deutsch oder sie sprechen einfach die Sprache des Fußballs, die verbindet", so Philipp Trojer. In der Runde wird während des Trainings auch über die unterschiedlichen Herkunftsländer der Jugendlichen gesprochen. So lernen diese einander besser kennen und begegnen den Teamkolleginnen und -kollegen mit mehr Respekt.

Über das Spiel lernen die Jugendlichen, wie sie mit Rassismus und Vorurteilen umgehen können. Außerdem werden Probleme gewaltfrei gelöst und Werte wie Fairness, Toleranz und Respekt vermittelt. Philipp Trojer weiß: "Im Endeffekt ist Fußball ja ein Mannschaftssport und das Team ist nur gemeinsam erfolgreich."

Turniere und Kooperationen

Wie gut sie sind, können die Jugendlichen bei regelmäßigen Turnieren zeigen. Ungefähr ein Mal pro Monat wird zusätzlich zum Training ein Turnier organisiert. Dabei spielen die einzelnen Park-Teams gegeneinander. In den Ferienmonaten gibt es sogar ein einwöchiges Sommer-Camp. Ganz besonders beweisen wollen sich die meisten, wenn die echten Fußballstars in den Käfig zu Besuch kommen: Im Rahmen einer Kooperation schauen beispielsweise Spieler des SK Rapid an mehreren Terminen im Herbst im Käfig vorbei. Gestartet im Frühjahr 2015, hat diese Zusammenarbeit zu noch mehr Bekanntheit des youngCaritas-Projekts geführt. "Natürlich gibt es dabei auch wieder Autogramme sowie die Möglichkeit von Fotos mit den Rapid-Kickern", verrät Philipp.

Du spielst gerne Fußball und bist zwischen sechs und 14 Jahre alt? Dann bist du bei der youngCaritas Käfig League genau richtig! © Bohmann/Andrew Rinkhy

Einfach vorbeikommen

Wer in der "Käfig League" mitkicken möchte, kann übrigens jederzeit zum Schnuppern in einem der 21 Käfige vorbeikommen. "Es funktioniert ganz easy", sagt Philipp. "Die Eltern oder Erziehungsberechtigten bringen ihr Kind vorbei, füllen einen Zettel aus und schon kann die oder der Kleine mitspielen." Das Training ist kostenlos. Neue Gesichter und Talente sind immer gern gesehen. Und schließlich haben Fußballprofis wie David Alaba oder Marko Arnautovic ihre Karriere auch in den Wiener Käfigen begonnen.

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