Skisprünge in den frühen Zeiten des Skisports. © ÖNB

Es war einmal der Wiener Wintersport

Eine Stadt im Wintersportrausch: Die Donaumetropole ist seit jeher ein beliebter Wintersport-Schauplatz, von internationalen Ski-Derbys bis hin zu Eiskunstlaufturnieren. Doch auch die WienerInnen selbst sind begeisterte WintersportlerInnen.

Der Wintersport hat in Wien eine lange Tradition. Noch bevor Skifahren richtig bekannt war, düsten die ersten Wienerinnen und Wiener auf ihren Skiern die Pisten im Wienerwald hinunter. Bereits 1892 wurde in Wien der erste Skiverein Österreichs gegründet. Der weltweit bekannte alpine Skilauf wurde maßgeblich von unserer Hauptstadt aus entwickelt. Skipionier und Gründer des Alpinen Skivereins in Wien, Matthias Zdarsky, erkannte, dass die aus Norwegen stammenden Skier nur für flaches, bestenfalls leicht hügeliges Gelände geeignet waren. Nicht jedoch für alpine Verhältnisse. Daraufhin kürzte er die Bretter, konstruierte verschiedene Bindungen und entwickelte so im Jahr 1986 die berühmte alpine Skilauf-Technik.

Die Stadt galt außerdem jahrzehntelang als Zentrum des Eiskunstlaufs. Mehrere Weltmeistertitel und Olympiamedaillen zeugen davon, wie etwa die zwei Goldmedaillen, die der Eiskunstläufer Karl Schäfer für Österreich gewann. Langlaufloipen sind bei Schnee ebenfalls in Wien zu finden. Und sobald die Temperaturen unter den Nullpunkt sinken, werden die ersten Schlittschuhe ausgepackt. Doch wie kam es dazu? Gemeinsam mit dem Wiener Stadt- und Landesarchiv begibt sich CLUB WIEN auf eine Reise in die Vergangenheit des Wiener Wintersports.

Einer der ersten Sprünge mit den Skibrettern © ÖNB Lichtbildstelle

Skifahren in der Donaumetropole

Die Karawanken im Süden, die Ötztaler Alpen im Westen, der Großglockner inmitten Österreichs: Gebirgsgruppen über 3.500 Meter, so weit das Auge reicht. Österreich hat einiges zu bieten an hohen Bergen. Doch nicht überall im Land ragt ein Gipfel neben dem nächsten empor. Im Nordosten Österreichs ist es vielmehr hügelig. Hin und wieder ist ein kleiner Berg inmitten der flachen Ebenen zu sehen. Der größte unter ihnen, der Schöpfl im Wienerwald, schafft es gerade einmal auf eine Höhe von 893 Metern. Dennoch lieben die Wienerinnen und Wiener ihre Berge und Hügel, und ausgerechnet im Flachland der Donaumetropole hat die österreichische Skigeschichte ihren Ausgang gefunden.

Im späten 18. Jahrhundert eroberte die für damalige Zeiten ungewöhnliche Sportart aus dem hohen Norden Österreich. In Norwegen war das Fahren auf den hölzernen Brettern bereits seit Langem Teil der Kultur. Es dauerte nicht lange, und das Skifahren wurde auch in Österreich zu einem festen Bestandteil der Freizeitgestaltung.

Drei Meter lange Schneeschuhe

Es waren wohlsituierte Mitglieder der Wiener Gesellschaft, die als erste die neuartigen Skischuhe aus dem Norden bestellten. Als die ersten Skibretter dann in Wien ankamen, staunte man nicht schlecht. Was man sich als Wanderschneeschuhe vorgestellt hatte, entpuppte sich als knapp drei Meter lange Skier. Die ersten Abfahrten damit wurden im Wienerwald unternommen.

Himmelhofschanze in Hietzing © Josef Holzapfel

Der Startschuss zum professionellen Skiwettkampf

In den Anfangszeiten hatten nur wenige das Glück, den Skisport selbst ausprobieren zu können. Der neue Sport war teuer und dadurch für die breite Masse kaum zugänglich. Im Jahr 1892 schlossen sich einige Pioniere des Skisports mit dem Ziel das Skifahren zu professionalisieren zusammen. Das war der Startschuss zu Skisportwettbewerben und einem öffentlichen Zugang. Kurze Zeit später wurde am 26. Jänner 1893 der erste "Österreichische Skiverein" in Wien gründet. Bevor es mit den Wettkämpfen ernst wurde, veranstaltete der Österreichische Skiverein ein Schaulaufen mit Pistenabfahrten und Sprüngen vor geladenen Gästen. Dieses fand auf der Michaelerwiese im Schlosspark Pötzleinsdorf statt. Die ersten Sprünge wurden von einer zwölf Meter hohen Schanze gemacht und versetzten die Zuschauerinnen und Zuschauer in Staunen. Bis dato war das Springen auf Skibrettern natürlich noch völlig unbekannt und zudem äußerst beängstigend. Umso lauter war der Jubel, als die ersten Sprünge durchgeführt wurden.  

Der erste Alpine Skilauf wurde in Wien 1901 auf der steilen Hackenbergwiese im Rahmen eines Schaulaufens durchgeführt. Aber auch in Kaltenleutgeben und auf der Hohe-Wand-Wiese trug man Rennen aus.

Mit zunehmender Beliebtheit wurden weitere Skisprungschanzen errichtet und Veranstaltungen abgehalten. Der Arbeiterturnverein veranstaltete 1931 auf der Sprunganlage am Cobenzl ein internationales Springen. Mehr als 20.000 Zuseherinnen und Zuseher bejubelten die bis zu 38 Meter langen Sprünge. Im Jänner 1938 eröffnete die Wienerwaldschanze in Hadersdorf-Weidlingau. Knapp 70 Meter weit konnte man hier bereits springen. Im Jahr 1948 wurde schließlich die dritte Sprunganlage Wiens erbaut. Auf der Sprungschanze Himmelhofwiese in Hietzing konnte bis zu 45 Meter weit gesprungen werden. In den Achtzigerjahren wurde die Himmelhofpiste mutwillig angezündet und dermaßen schwer beschädigt, dass man sie nicht wieder aufbaute. Die Schließung der Sprungschanze war auch das Ende des Wiener Skispringens.

Hohe-Wand-Wiese, Skipiste mit künstlichem Schnee, 1968 © Wiener Stadt- und Landesarchiv, PID

Austragungsort Hohe-Wand-Wiese

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Wien zu einer Wintersportstadt und einem beliebten Ausflugsort für begeisterte Sportfans und Fans des Skiportwettbewerbs. Was zuerst als reiner Sport für Adelige und gut betuchte Geschäftsleute galt, wurde zu einem Sport für alle. Im Jahr 1957 kaufte die Wiener Stadtverwaltung die Hohe-Wand-Wiese als grünes Erholungsgebiet und 1966 eröffnete der damalige Bürgermeister Bruno Marek auf der Wiese eine neue Skipiste. Ein Highlight der Piste war die künstliche Schneeerzeugungsanlage. Zudem gab es einen Skilift und eine Flutlichtanlage. Die Skipiste im 14. Wiener Gemeindebezirk war leicht erreichbar, weshalb sie sich schnell zu einem beliebten Wochenendausflugsziel etablierte. Aber auch international erregte die Skipiste viel Aufmerksamkeit, denn kaum eine andere Stadt konnte eine derart zentral gelegene Skianlage vorweisen. Das lockte natürlich viele Besucherinnen und Besucher an. Bereits ein Jahr nach der Eröffnung im Jahr 1967 veranstaltete man auf der Hohen-Wand-Skipiste den ersten Parallelslalom der Skigeschichte. Trotz strömenden Regens kamen über 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauer, um die spannenden Zweikämpfe mitzuverfolgen.

Eislaufen auf der zugefrorenen Donau © ÖNB

Ein Traum, der Eistraum

Man könnte sagen, die Wienerinnen und Wiener waren "ganz narrisch" nach dem Skisport. Doch auch das Eislaufen zählt in der Donaumetropole zu einer der beliebtesten winterlichen Beschäftigungen.

Bereits im frühen 14. Jahrhundert zogen die ersten Holländerinnen und Holländer auf hölzernen Schlittschuhen ihre Bahnen. Im späten 17. Jahrhundert kam das Eislaufen auch nach Wien. Richtig in Mode kam es aber erst durch die Eröffnung des Wiener Neustädter Kanalhafens im Jahr 1803. Sobald das Wasser gefroren war, fanden sich dort Schlittschuhläuferinnen und -läufer ein. Auch in den Stadtgräben wurde fleißig Schlittschuh gefahren. Beliebte Eislaufplätze waren der gestaute Wienfluss bei der Stubentorbrücke, der Stadtgraben, der Belvedereteich oder auch die Praterauen. Gefahren wurde auf Schlittschuhen, deren Kufen aus Rinderknochen bestanden. Erst später wurden diese durch Metallkufen ersetzt.

Eislauf-Nachwuchs in der Engelmann-Arena © Lothar Rübelt, ÖNB

Wiener Eislauf

Der erste Wiener Eislaufverein wurde im Jahr 1867 gegründet. In den folgenden Jahren richtete der Eislaufverein mehrere Veranstaltungen aus. Ein besonderes Ereignis war die Aufführung des berühmten Eistänzers Jackson Haines am 16. Jänner 1868, die sogar von Kaiser Franz Josef I. besucht wurde. Unter den Zuschauerinnen und Zuschauern befand sich auch der Wachstuchfabrikant Eduard Engelmann. Engelmann war von der Eislaufkunst derart begeistert, dass er eine Kunsteisbahn in Hernals gründete. "Durch Kunsteis zur Eiskunst" war das Motto des Erfinders. Er entwickelte eine Eishalle, die mit künstlichem Eis ausgelegt wurde und so auch bei höheren Temperaturen genutzt werden konnte. Aus diesem Verein entstand die berühmte Eissportdynastie Engelmann. Diese Eisportdynastie errang zwischen 1892 und 1936 siebzehn Weltmeistertitel, elf Europameistertitel und vier Olympiasiege. Helene Engelmann, Tochter von Eduard Engelmann, und ihr Eiskunstlaufpartner Alfred Berger sowie Herma Szabó und Karl Schäfer brachten im Namen von Engelmann die vier Olympiamedaillen nach Hause. Im Jahr 1869 veranstaltete der Wiener Eislaufverein das erste Eisschnelllaufen und 1882 das erste internationale Preis-, Figuren- und Wetteislaufen.

Heute gibt es in Wien sieben Eislaufplätze für Jung und Alt. Auch bei etwas höheren Temperaturen muss auf das Eislaufen nicht verzichtet werden. Der Wiener Eistraum mit einer Fläche von über 8.500 Quadratmetern lockt seit 1996 jedes Jahr unzählige Fans des Schlittschuhlaufens auf die Eislaufbahn des Rathausplatzes. 

Auf der Jesuitenwiese im Prater gibt es eine seit jeher beliebte Piste für Rodelfans, 1962 © Wiener Stadt- und Landesarchiv, PID

Rauf auf den Schlitten

Auch das Rodeln erfreut sich in Wien traditionell großer Beliebtheit. Da ist es auch kein Wunder, dass es in Wien für Freizeitrodlerinnen und -rodler jede Menge Angebote gibt. Rodelpisten wie die Rodelwiesen am Schafberg, am Wolfsberg oder am Roten Berg laden bei genügend Schneelage zum Rodelspaß ein. Eine beliebte Rodelpiste für Kinder gibt es auf der Jesuitenwiese im Wiener Prater. Dort wartet eine bis zu 60 Meter lange Abfahrt auf die kleinen Rodelfans.

Jetzt heißt es nur noch auf den Schnee zu warten, und der Wintersport in der Donaumetropole kann beginnen!

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