Durch das Bullauge kann man einen Blick unter die Wasseroberfläche werfen. © Bohmann

Eingetaucht in Wiens größte Sportschwimmhalle

Badekleidung an, Schwimmbrille auf, das Handtuch griffbereit in Beckennähe. Im Stadthallenbad wird geschwommen statt geplanscht. Und auch wagemutige TurmspringerInnen kommen hier ganz auf ihre Kosten.

Die Schwimmerinnen und Schwimmer scheinen fast schwerelos im Becken zu schweben. Nur die sanften Wellen des Wassers lassen erkennen, dass hier eigentlich ordentlich Bewegung herrscht. Und das bereits seit 1974. Ursprünglich für die Durchführung der Schwimm-Europameisterschaften gebaut, war das Stadthallenbad danach auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich.

Als größte Sportschwimmhalle Wiens präsentiert sich das Bad im 15. Bezirk von außen jedoch eher unscheinbar. Und auch beim Betreten des Eingangsbereiches, der sich seit 2014 in der Hütteldorferstraße befindet, nimmt man außer einem leichtem Chlorgeruch noch nicht viel wahr. Erst die Glastür zur großen Schwimmhalle öffnet den Blick auf ein spezielles Architektenwerk.

Schräge und gerade Bahnen

Die eigenwillige Deckenkonstruktion ist das Werk des Architekten Roland Rainer. © Bohmann

Im Becken geradlinig, darüber gewollt ungleichmäßig. Die langen roten Stahlbalken ziehen sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Schließlich sieht man so eine Deckenkonstruktion nicht jeden Tag. Die Löcher in den Balken haben keine gleichmäßigen Abstände zueinander. Doch genau das war der Plan von Architekt Roland Rainer. Dafür geht es am Boden sehr exakt zu. Das große Sportbecken misst 50 mal 25 Meter und verfügt über acht Bahnen. Die sind übrigens alle im gleichen Abstand. Hier kann unter der Woche bis halb zehn am Abend zwar keine ruhige Kugel geschoben, dafür eine schnelle Bahn geschwommen werden.

Sprung in die Tiefe

Die ein und drei Meter hohen Sprungbretter sind auch für Hobbyspringerinnen und -springer geöffnet. © Bohmann

Wem Kraulen, Brust- und Rückenschwimmen und sogar der Delfinstil zu langweilig sind, der darf sich ans Ende des Sportbeckens begeben, wo - im wahrsten Sinn des Wortes - der riesige Sprungturm thront. Dort geht es wahlweise einen, drei, fünf, 7,5 oder sogar unfassbare zehn Meter in die Tiefe.

Video: Turmspringen

"Obwohl hier normalerweise Turmspringvereine trainieren, können das ein und das drei-Meter-Brett außerhalb der Trainingszeiten auch von der Öffentlichkeit genutzt werden. Es kommt aber auf die Badegastauslastung an. Befinden sich sehr viele Gäste im Bad, wäre eine Öffnung der Sprungbretter zu riskant", so die Betriebsleiterin.

Aus Alt mach Neu

Auch das große Sportbecken wurde im Zuge der letzten Renovierungsarbeiten in Stand gesetzt. © Bohmann

Im Lauf der Jahre wurden einige Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im Stadthallenbad notwendig - Anfang der 1990er-Jahre sowie zuletzt bis 2014. Das Gesamtkonzept des Bades blieb aber erhalten. Ohne Rutsche, Kinderbecken oder Wildwasserstrudel ist das Stadthallenbad den Schwimmvereinen, Schulen und Hobbyschwimmerinnen und -schwimmern vorbehalten. Aber auch wer Entspannung sucht, ist hier richtig. Im Zuge der Renovierung wurde die Saunalandschaft komplett modernisiert. Neben diversen Saunen und Dampfbädern kann man sich hier entweder eiskalt erfrischen oder wohlig warm im Wasser räkeln.

Für den reibungslosen Ablauf während des Badebetriebes und auch hinter den Kulissen sorgen rund 20 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darunter Technikfachleute, Bademeisterinnen und Bademeister sowie Reinigungspersonal und Kassenkräfte. "Die Anlagen und auch der Rest des Bades müssen regelmäßig überprüft und gewartet werden. Das ist unerlässlich", so die Betriebsleiterin. Schließlich bietet das Stadthallenbad knapp über 1.000 Besucherinnen und Besuchern Platz. Da muss für absolute Sicherheit gesorgt sein.

Flexible Standfestigkeit unter Wasser

Dank des flexiblen Hubbodens können auc Nicht-Schwimmerinnen und Nicht-Schwimmer das Sportbecken nutzen. © Bohmann

Eine der markantesten Besonderheiten des Bades ist der variable Boden im Sportbecken. An einer Seite des Beckens befindet sich unter Wasser eine Plattform, die hydraulisch nach oben gefahren werden kann. So lässt sich die Wassertiefe regulieren. "Dieser sogenannte Hubboden wird bei Schwimmbewerben auf die erforderliche Wassertiefe von zwei Metern abgesenkt. Üblicherweise befindet er sich auf 1,3 Metern Tiefe, sodass ein Nichtschwimmer-Bereich entsteht", erklärt die Betriebsleiterin.

Training unter Tage

Das Trainingsbecken befindet sich im Untergeschoss des Bades. Hier trainieren Schwimmvereine des Landesschwimmverband. © Bohmann

Das Stadthallenbad wird größtenteils von Schwimmvereinen genutzt. Im Untergeschoß befindet sich ein 50 mal zehn Meter großes Trainingsbecken. Der Landesschwimmverband vergibt die Trainingszeiten an die verschiedenen Vereine. So ist gesichert, dass alle trainieren können.

Training und Übung brauchen auch die Schwimmanfängerinnen und -anfänger. Oft finden die ersten Tempi im Rahmen des Schulschwimmunterrichts statt. Für diese Zwecke steht das Lehrschwimmbecken bereit. Es befindet sich neben dem großen Sportbecken und misst 15 mal sechs Meter.

Das Wiener Stadthallenbad ist also für große und kleine Schwimmfans, Sportbegeisterte und auch Saunaliebhaberinnen und -liebhaber die richtige Adresse.

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