Physiker Werner Gruber übernahm vor rund drei Jahren die Leitung des Planetariums sowie der Kuffner und Urania Sternwarte. Montage: ©Felicitas Matern (Werner Gruber) Montage: ©Felicitas Matern (Werner Gruber), © Planetarium Wien (Hintergrund)

Meister der Alltagsphysik

Werner Gruber ist überzeugt davon, dass Wissenschaft das Leben angenehmer, sinnvoller und lebenswerter macht. inwien.at hat der Planetariums- und Sternwarten-Chef verraten, warum.

Egal ob Weihnachtsgans, Gehirn oder Adventkalender: Für Werner Gruber geht im Alltag nichts ohne Physik. Der umtriebige Oberösterreicher hat Wien schon lange mit seiner unkonventionellen Art, Wissenschaft zu erklären, erobert. Als Science Buster. Als Autor und vor allem als experimentierfreudiger Vortragender im Planetarium. Auch die Astronomie- und Naturwissenschaftsschiene der Wiener Volkshochschulen, für die Gruber als Chef des Planetariums und der Sternwarten zuständig ist, erfreuen sich regen Zulaufs. Für den Meister der Alltagsphysik Grund genug, über weitere Angebote nachzudenken.

inwien.at: Herr Direktor Gruber, was gibt es im Herbst Neues im Planetarium?

Werner Gruber: Zunächst freuen wir uns, dass jetzt alle Shows an das neue Projektorsystem angepasst sind. Das heißt, wir können nun sowohl digital als auch analog projizieren. Der Vorteil: Die analogen Sterne sind so schön wie die echten. In Wien haben wir damit eines der größten und schönsten Planetarien von Zentraleuropa. Die meisten Planetarien haben heute zum Großteil nur mehr digitale Sterne und das sind richtige Patzen am Firmament.

Ab Herbst bieten wir auch Experimentiershows an. Physikalische Experimente können sehr teuer sein und nicht jede Schule kann oder muss sich das leisten. Die Schulen können ihren Unterricht bei uns machen, mit tollen und teilweise sehr teuren Experimenten. Wir hatten das schon im Sommersemester als Probebetrieb, jetzt geht es richtig los: Wärmebildkamera, Nebelkammer, Pendel des Todes, Teslatransformator usw.

Sie sind seit rund drei Jahren Chef der Wiener Sternwarten. Was hat sich unter Ihrer Leitung verändert?

Die Zahl der Besucherinnen und Besucher. Ich habe das Haus mit 62.500 Gästen pro Jahr übernommen, nun bieten wir über 108.000 Gästen pro Jahr unsere Dienste an. Das SCIENCE-Programm an den Volkshochschulen, wo wir die Leitung haben, bietet für 29,90 Euro pro Semester über 200 Top-Vortragende aus der Wissenschaft an, jeden Abend ein bis zwei Vorträge aus den unterschiedlichsten Gebieten.

Mittlerweile sind wir in der Volksbildung auch nicht mehr ausschließlich auf Astronomie spezialisiert. Wir haben unser Angebot auf Physik, Biologie und Chemie erweitert. Als zum Beispiel die Gravitationswellen entdeckt wurden, gab es bei uns Vorträge mit Warteschlangen von mehr als 50 Metern vor dem Planetarium. Jugendliche haben auf einen populärwissenschaftlichen Vortrag gewartet, bei leichtem Nieselregen. WAHNSINN!!!

Bei Ihrem Antritt haben Sie gesagt, Ihr Ziel sei, "dass man in Wien weiß, wie die Sterne stehen". Haben Sie dieses Ziel schon erreicht?

Ja. Zum Teil funktioniert das schon ganz gut. Wir haben ein paar Gratis-Angebote, wie den Tag der offenen Tür am 1. Mai oder die Perseidenparty im August. Da kommen die Wienerinnen und Wiener sehr gerne. Ein Problem haben wir leider immer wieder: Der Unterschied zwischen Sternwarte und Planetarium ist noch nicht in allen Bevölkerungsschichten angekommen.

Vielleicht erklären Sie den Unterschied noch einmal.

Also: Im Planetarium werden die Sterne und die Planeten in eine Kuppel hineinprojiziert. Das funktioniert bei jedem Wetter und bei jeder Uhrzeit. Bei einer Sternwarte beobachtet man in der Nacht oder am Abend echte Sterne und Planeten. Das Planetarium liegt entlang der Hauptallee im Prater, die Urania Sternwarte ist in der Urania und die Kuffner Sternwarte ist gegenüber dem Ottakringer Bad.

Wie begeisterungsfähig sind denn die Wienerinnen und Wiener, wenn es um Naturwissenschaften und Astronomie geht?

Sehr. Es gibt viele Fragen, Sorgen und Ängste. Die Bevölkerung interessiert sich für mehr als Schweinsbraten, Sex und Pokémon.

In einigen europäischen Städten gibt es Science Center, wo man experimentieren kann. Fehlt so etwas in Wien?

Zum Teil. Es gibt schon Möglichkeiten, zum Beispiel im Technischen Museum, das ich übrigens nur jeder und jedem empfehlen kann. Aber es stimmt, da können wir in Wien noch besser werden. Allerdings haben wir hier im Planetarium schon einige Angebote in der Richtung. Einerseits werden Experimente durchgeführt, etwa im Rahmen des wiener ferienspiels. Andererseits bieten wir auch bei Vorträgen außerhalb des Planetariums etwa ein Astronautentraining an.

Warum ist es generell wichtig, für Wissenschaft zu begeistern?

Weil durch die Wissenschaft das Leben angenehmer, lebenswerter, sinnvoller wird. Natürlich kommen wir auch ohne Wissenschaft aus, aber damit steigen auch die Ängste. Denn wenn man sich nicht auskennt, fürchtet man sich vor Dingen, die eigentlich harmlos sind. Bei Wahlen müssen Entscheidungen getroffen werden, nicht nur über Kandidatinnen und Kandidaten, sondern auch über technische, biologische, chemische oder physikalische Konzepte. Ich sage nur TTIP und das Chlorhuhn oder wie giftig ist Cola wirklich? Viele glauben etwas, aber wie schaut es mit dem Wissen aus?

Steigern Hollywood-Blockbuster wie "Star Wars" das Interesse?

Ein ganz klares Ja. Kollege Heinz Oberhummer und ich haben schon vor Jahrzehnten Vorträge zu diesen Themen angeboten. Dadurch entstanden später die Science Busters! Mit Kinofilmen lockt man die Leute, mit Wissenschaft fasziniert man sie!

Welche Rolle spielt der Spaßfaktor in der Wissenschaft?

Müssen Wissenschafterinnen und Wissenschafter von heute auch Unterhaltungs- und Medienprofis sein? Nein, aber es schadet nicht. Ich habe Wissenschafterinnen und Wissenschafter kennengelernt, die den Nobelpreis bekommen oder ihn nur ganz knapp verpasst haben und alle haben für ihr Gebiet gebrannt. Sie haben also mit großer Leidenschaft von ihrer Arbeit erzählt. Sobald sich Leidenschaft und Wissen treffen, kommt der Rest von alleine. Medien interessieren sich nicht für fade Sachen. Aber zum Glück ist die Wissenschaft so spannend, dass sie sich praktisch schon von alleine "verkauft".

Sie selbst sind leidenschaftlicher Physiker und bekannt für ihre populärwissenschaftliche Aufbereitung von Alltagsphysik. Jetzt halten Sie auch Sprechstunden ab. Was passiert da?

Die Gäste bekommen ein Glas Wasser angeboten und schon geht's mit den Fragen und natürlich auch den Antworten los. Von persönlichen Problemen, die auch etwas mit Physik zu tun haben, bis zu einer netten Plauderei, über Patentfragen oder Fragen über das Universum ist alles dabei. Manchmal gibt es auch Fragen, wo man merkt, dass die Wienerinnen und Wiener Angst haben vor scheinbaren Gefahren. Mit ein paar Erklärungen kann man hier gerne weiterhelfen.

Was bringt der direkte Kontakt?

Ich glaube, es ist wichtig, dass eine so tolle Institution wie das Planetarium der Stadt Wien auch ein Gesicht hat. Am Tag der offenen Tür oder bei Spezialveranstaltungen stehe ich auch persönlich vor der Türe und begrüße unsere Gäste. Alleine dadurch fühlen sich viele Menschen willkommen. Sie verlieren die Angst zu fragen, zu hinterfragen und schon geht's los. So sollte es sein. Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb der Stadt Wien, wir fühlen uns den Wienerinnen und Wienern verpflichtet, egal ob den ganz Kleinen, die noch mit der Jausenbox im Kindergarten kämpfen, bis zur Letztwählerin, wo die Fragen nach dem Ende des Universums etwas konkreter werden.

Worauf sind Sie als Direktor besonders stolz?

Auf mein Team, denn ohne sie würde das alles so nicht funktionieren. Deshalb an der Stelle auch ein Dankeschön. 

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