Gerlinde Seitner: "Die Wiener Filmförderung unterstütze auch Michael Hanekes Film 'Happy End'". Links ein Ausschnitt aus dem Film, rechts Gerlinde Seitner, Geschäftsführerin des Filmfonds Wien. © Wega Film © Filmfonds Wien

Wien in Szene gesetzt

Oscars, Goldene Palmen und Bären für heimische Spielfilme: Diese internationalen Auszeichnungen illustrieren die Erfolgsgeschichte der Wiener Filmförderung. Der CLUB WIEN verrät Ihnen, warum sie Kunstschaffenden hilft und was die Viennale heuer plant.

Gerlinde Seitner ist Geschäftsführerin des Filmfonds Wien, der im Jahr 2016 mit über 10,5 Millionen Euro Fördermittel insgesamt 152 Förderzusagen verzeichnete. "Mit zwei Dritteln des Budgets wurde die Produktion von Kinofilmen unterstützt, sowohl Spielfilme als auch Dokumentarfilme", sagt die Expertin. "Der dritte Anteil wurde zur Hälfte für die Unterstützung von TV-Produktionen verwendet und zur Hälfte für andere Förderbereiche." Darunter fällt zum Beispiel die Förderung von Entwicklungen zukünftiger Filmprojekte.

In der "wilden Maus" geht es rasant zu. Josef Hader erklärt: Er hat´s im Kopf © Wega Film

Der meist gesehene österreichische Film der letzten Zeit war Josef Haders Komödie "Wilde Maus". Der Spielfilm, der die Wiener Filmförderung erhielt, hat den besten deutschen Kinostart eines österreichischen Films jemals hingelegt. Auch der Dokumentarfilm "Bauer unser" und die österreichisch-deutsche Koproduktion "Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft" waren sehr erfolgreich. Gerlinde Seitner: "Aktuell hat sich 'Die Migrantigen' zum österreichischen Überraschungshit entwickelt." Der Film läuft seit 9. Juni.

Zwei Freunde, eine Mission: ein ordentlicher Job! © Golden Girls Film

Schräge Story punktet

Der Spielfilm von Arman T. Riahi, der damit den Max Ophüls Preis gewann, begeistert vor allem mit seiner schrägen Story. Marko und Fadi, zwei charmante Wiener mit sogenanntem Migrationshintergrund, täuschen für eine TV-Doku-Serie erfolgreich vor, arbeitslose ehemalige Kleinkriminelle aus den "Ausländerbezirken" Wiens zu sein, bis sich das Blatt wendet und die von ihnen erfundene Wirklichkeit sie einholt.

Bei "Baumschlag" lassen viele die Waffen sprechen. © Dor Film

Die Wiener Filmförderung unterstützte auch "Baumschlager" von Harald Sicheritz (Kinostart 22. September), "Happy End" von Michael Haneke (Kinostart 6. Oktober) und "Hexe Lilli rettet Weihnachten" (Kinostart 10. November). Ein Abenteuer der Hexe Lilli verfilmte auch Stefan Ruzowitzky. Der weltbekannte Regisseur erhielt 2008 den Auslandsoscar für "Die Fälscher", der übrigens auch die Wiener Filmförderung erhielt.

Erfolge nicht überraschend

Österreichische Filme holten noch mehr Preise. Michael Haneke gewann mit "Das weiße Band" (2009) und "Liebe" (2012) die Goldene Palme. Das erhöhte die Aufmerksamkeit bei Filmkritikerinnen, Filmkritikern und Publikum weltweit.

Für Gerlinde Seitner vom Filmfonds Wien kommen die Erfolge nicht so überraschend: "Das ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Aufbaus von Talenten, zu dem die Filmförderung einen großen Teil beiträgt. Wir sind um eine stetige und genaue Unterstützung der österreichischen Filmschaffenden und ihrer Projekte bemüht. So können Talent und Handwerk zu einer Meisterschaft gelangen, die im internationalen Vergleich besteht und hochkarätige Jurys überzeugt."

Österreich ist ein kleines Land und hat trotzdem eine unglaubliche Vielfalt an Filmschaffenden und einen Reichtum an Talenten. Für die Expertin liegt das nicht zuletzt an der österreichischen Förderstruktur, die ihren Schwerpunkt auf Vielfalt und Talententwicklung legt. Gerlinde Seitner: " Zum Beispiel sind weit über ein Drittelder vom Filmfonds Wien geförderten Projekte Nachwuchsfilme. Mit dieser bewusst gesetzten Förderung junger Talente gelingt es, dass sich der Nachwuchs schnell und zugleich nachhaltig in der Branche etabliert. In Sachen Vielfalt setzen wir aktiv Maßnahmen. Als wir beispielsweise vor zwei Jahren Handlungsbedarf beim Frauenanteil der TV-Förderung gesehen haben, wurden die Regularien geändert und so dieser Anteil im Folgejahr verdoppelt. Das Resultat ist unter anderem, dass mehr Themen die Chance haben, aus weiblicher Perspektive erzählt zu werden."

Der Kinder-Weihnachtshit: "Hexe Lilli". Die kleine Hexe, Hedda Erlebach an der Seite von Jürgen Vogel. © Dor Film

Förderung für Infrastruktur und Ressourcen

Jeder geförderte Euro in die ansässige Infrastruktur und die Ressourcen der Wiener Filmbranche ist auch eine Investition in die Zunft. Gerlinde Seitner bringt es auf den Punkt: "Der sogenannte Wien-Effekt war 2016 bei den Kinoproduktionen 373 Prozent hoch. Das heißt, für jeden geförderten Euro sind über 3,70 Euro in die hiesige Struktur geflossen. Bei den TV-Produktionen waren es sogar 7,50 Euro pro gefördertem Euro."

Wir waren am Set von Soko Donau mit dabei. Die Produktion der erfolgreichen Serie wurde von der Wiener Filmförderung unterstützt. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Ein gutes Beispiel dafür ist "Soko Donau". Die Serie entsteht hauptsächlich in Wien. Das bedeutet mehrere Monate Dreharbeiten pro Jahr. Hinzu kommen noch die Produktionsvorbereitung und die Postproduktion. Der Film ist ein wichtiges Medium, das Einfluss auf das Image von Wien hat. "Wenn 'Soko Donau' oder ,Das Sacher. In bester Gesellschaft‘ im deutschen Fernsehen Quotensiege davontragen, wie es letztes Jahr der Fall war, dann werden Film- und Fernsehproduktionen zu hervorragenden Visitenkarten für eine geschichtsträchtige und gleichzeitig moderne Metropole wie Wien."

Der neue Film von Astrid Johanna Ofner "Abschied von den Eltern" ist bei der Viennale zu sehen. © Viennale

Filme abseits aller Trends

Werbung für die Filmstadt Wien macht auch die Viennale. Das internationale Filmfestival lädt von 19. Oktober bis 2. November zum besonderen Kinoerlebnis. Zu sehen sind in 15 Tagen rund 200 abendfüllende Spiel- und Dokumentarfilme. Auch Retrospektiven sowie Tributes zu Persönlichkeiten, Genres und Themen stehen am Programm.

Dem erst vor Kurzem verstorbene Langzeitdirektor Hans Hurch widmet das Festival die Hommage "14 Freunde, 14 Filme". Filmschaffende wie Schauspielerin Tilda Swinton oder Kameramann Ed Lachmann wurden eingeladen, einen Streifen auszuwählen, den sie Hurch widmen wollen.

Die Viennale zeigt den neuen Spielfilm des russischen Regisseurs Andrey Zvyagintsev, die letzte Arbeit des 2016 verstorbenen iranischen Filmautors Abbas Kiarostami sowie das Aidsdrama "120 battements par minute". Es wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Zu sehen sind auch die jüngsten Dokumentarfilmarbeiten von James Benning und Amos Gitai. Österreichische Filme sind zum Beispiel Barbara Alberts "Licht" und Astrid Johanna Ofners "Abschied von den Eltern". Ein Schwerpunkt ist dem neapolitanischen Kino gewidmet. Die gemeinsame Retrospektive mit dem Filmmuseum hat das sowjetische Kino im Fokus. Spielorte sind Metro Kinokulturhaus, Gartenbau, Künstlerhaus, Urania, Filmmuseum und auch die Alte Post als Festivalzentrale.

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