Mehrere Jahrhunderte alt, aber immer noch gut in Schuss: Die Wachsmodelle des Josephinums werden regelmäßig überprüft und sind gut konserviert. © Karina Hurnaus

"Wie Wachs in meinen Händen": Konservierung und Restaurierung im Josephinum

Das Josephinum im 9. Bezirk ist ein bauliches Schmuckstück des Klassizismus. Und auch im Inneren beherbergt es einen wahren Schatz: eine Wachsmodell-Sammlung des menschlichen Körpers aus dem 18. Jahrhundert.

Relativ bescheiden der Eingang, umso größer die Faszination, die sich anschließend einstellt. Das Josephinum wurde einst von Kaiser Joseph II. gegründet. Ursprünglich als Ausbildungsstätte für Chirurgen des Militärs gedacht, taucht man heute in die Geschichte der Medizin ein, die hier ihre Heimat gefunden hat. In Form von Sammlungen, Ausstellungen und Veranstaltungen, die sich im thematischen Grenzbereich zwischen Medizin, Wissenschaft und Kunst befinden.

Es geht wenige massive Steinstufen hinauf, bevor eine große Altbautür sprichwörtlich den Weg ins Innere des Menschen weist. Ein langer verwinkelter Gang, der Geruch von altem Rosenholz und die Gewissheit, dass man für den folgenden Anblick nicht allzu zart besaitet sein sollte. Schon steht man inmitten von Vitrinen aus mundgeblasenem Glas und sieht sich Auge in Auge mit verschieden großen Wachsmodellen des menschlichen Körpers.

Hier zählen die inneren Werte

Die ausgestellten Modelle stammen ursprünglich aus Florenz. Bei einem Besuch bei seinem Bruder in der Toskana entdeckte Joseph II. die aufwendig gearbeiteten Modelle und war sogleich daran interessiert. Unter großem Aufwand wurden diese per Schiff und Esel zu ihm gebracht. Seitdem befindet sich die Sammlung im Josephinum. "Sie ist trotz ihrer knapp 235 Jahre noch gut erhalten. Das liegt vor allem an der hervorragenden Arbeit unserer Restauratorinnen", erzählt Direktorin Christiane Druml, während sie auf den angrenzenden Raum verweist.

Die Oberfläche des Modells wird von Martina Peters mit einem weichen Pinsel von Staub befreit. © Karina Hurnaus

Hier beugt sich Martina Peters gerade konzentriert über den täuschend echt aussehenden Skelettfuß eines stehenden Ganzkörpermodells. Die ausgebildete Restauratorin ist mit Leidenschaft bei der Arbeit. Das spürt und sieht man auch. Behutsam nimmt sie einen großen Pinsel mit feinen weichen Borsten in die rechte Hand. Ganz sacht streicht sie damit über die Oberfläche des Modells. Die Ehrfurcht vor der aufwendig hergestellten Figur spiegelt sich in ihren Augen. "Für mich ist die ganz besondere Technik, mit der die Modelle gefertigt wurden, faszinierend. Die Objekte sind sehr komplex aufgebaut. Sie wurden von Anatomen und Künstlern geschaffen. Diese Handfertigkeit und Detailgenauigkeit ist etwas ganz Besonderes für mich und beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue."

Vielfalt der Modelle

Vom Herzen über eine Lunge bis hin zum Ganzkörpermodell reicht die 995 Objekte umfassende Sammlung, die noch heute anatomischen Anschauungszwecken dient. Über allem schwebt jedoch der Zeitgeist des 18. Jahrhunderts, in dem viele noch nicht wussten, wie der Mensch im Inneren aussieht. Die Modelle entstanden zwischen 1785 und 1786 und stellen bis ins kleinste Detail Organe, Muskeln, Sehnen, Adern, Gefäße und den Knochenaufbau dar.

Doch der Zahn der Zeit nagt unaufhörlich an ihnen. "Ich habe eine Liste, welche Stelle an welchem Modell bearbeitet werden muss. Zudem gehe ich beinahe täglich durch die Abteilung und schaue mir die Modelle auf Beschädigungen wie etwa Risse an." Große wie kleine Objekte - das Restaurieren und Konservieren benötigt seine Zeit und birgt viele Herausforderungen. "Das spannendste Objekt, das ich je bearbeiten durfte, ist das Ganzkörpermodell, vor dem ich gerade stehe. Das ist vor allem deshalb eine Herausforderung, weil sich das Modell aufgrund seiner Größe nicht so leicht verschieben lässt. Zudem ist es wichtig, bei der Restaurierung so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu machen. Damit die Figur so, wie sie gearbeitet wurde, lange erhalten bleibt." Spricht Martina Peters und widmet sich sogleich wieder dem Entstauben des Modells.

Erhalten des Alten

Was lange währt, bleibt hoffentlich auch gut. Bei den Wachsmodellen hängt das ganz entscheidend von der Pflege und den klimatischen Bedingungen ab. "Hier im Josephinum haben wir historische Räumlichkeiten und historische Vitrinen. Weder die Räumlichkeiten noch die Vitrinen sind dicht. Deswegen ist die Staubbelastung relativ groß. Das ist ein Problem, da der Staub an der Oberfläche der Modelle leicht kleben bleibt. Dieser Staub kann nach längerer Zeit oder durch Temperaturschwankungen ins Wachs hineinsinken und Schäden verursachen. Wir nennen die Modelle Wachsmodelle, aber eigentlich sind sie eine komplizierte Mischung aus Wachs, Harz und verschiedenen Pigmenten. Durch die Zufuhr von Harz wurde das Wachs ein bisschen unempfindlicher gegenüber Wärme und Kälte gemacht. Allerdings ist die Alterung von Harz nicht so gut wie die von Wachs. Deshalb sind die Modelle nun sehr spröde und gar nicht flexibel. Wenn es also zu Vibrationen im Raum kommt, ist die Gefahr von Mikrorissen in den Modellen sehr groß. Somit ist es wichtig, dass man die Modelle rechtzeitig stabilisiert, damit diese Risse erst gar nicht entstehen können."

Der zweite Schritt ist eine Reinigung mit destilliertem Wasser. Dafür werden mikroporöse Schwämme verwendet. © Karina Hurnaus

Reinigen und kitten

Ist bereits ein Riss entstanden, hilft nur mehr festigen. Nach dem Entstauben steht eine Reinigung mit destilliertem Wasser an. Martina Peters verwendet dafür kleine mikroporöse Schwämme. Sie sind sehr fein und können viel Wasser aufnehmen, müssen aber dennoch gut ausgedrückt werden. Denn ein wohltemperiertes Bad in einer Wasserlache würde langfristig gesehen das Ende eines jeden Wachsmodells bedeuten.

Damit nicht zu viel Wasser an das Modell gelangt, werden die Schwämme gut ausgedrückt. Martina Peters: "Wir sagen dazu auch nebelfeuchte Reinigung." © Karina Hurnaus

Nach der Reinigung sind eventuelle Risse noch besser sichtbar. Diese werden im nächsten Schritt von Martina Peters mit einem speziellen Leim bestrichen. "Wir verwenden hier Leim, der aus der Blase des Störs gewonnen wird. Er hält gut genug und ist reversibel, also auch wieder entfernbar. So lassen sich die offenen Stellen optimal wieder zusammenkleben." Ist der Leim vollständig getrocknet, kommt Farbe ins Spiel. Für die Retusche werden Aquarellfarben benutzt. "Zum Schluss trage ich noch eine Schutzschicht, den sogenannten Firnis, auf." Quasi die Anti-Aging-Creme der Wachsmodelle.

Zum Kleben der Risse wird sogenannter Störleim verwendet. Die Restauratorin streicht ihn mit einem dünnen Pinsel auf die betreffenden Stellen. © Karina Hurnaus

Im Takt des Herzens

Wohin man sich im Josephinum auch dreht und wendet, in allen Bereichen schlägt das Herz für die Medizin. Im ersten Stock aktuell ganz besonders stark: Hier gibt es noch bis Ende Februar 2018 die Ausstellung "Künstliche Herzen". "1967 wurde der Grundstein zu dieser Forschung und technischen Entwicklung gelegt. Das österreichische AKH war damals maßgeblich mit seiner Hightech-Medizin an der Entwicklung eines künstlichen Herzens beteiligt. Damals war ein künstliches Herz nur als Überbrückung für die Patientinnen und Patienten gedacht, die auf ein Spenderherz warteten. Heute ist es durchaus möglich, mit einem künstlichen Herzen ein gesundes Leben zu führen", so Christiane Druml. Im Rahmen der Ausstellung wird einerseits Medizin des AKH gezeigt, andererseits zeitgenössische Kunst sowie Objekte des Josephinums aus den vergangenen Jahrhunderten.

Exklusiv für Mitglieder

Gewinnspiel
Bild zum Gewinnspiel

23. Oktober 2017 - 06. Dezember 2017

Wir verlosen: 10 x 2 Eintrittskarten für die Ausstellung "künstliche Herzen" im Josephinum

Hinweis: Sie müssen eingeloggt sein, um am Gewinnspiel teilnehmen zu können!

Zum Login

Video zur Ausstellung "künstliche Herzen" und über die Funktion alter Instrumente

Das Josephinum wurde 1785 von Josef II. eröffnet und diente in erster Linie der Lehre. Wir besuchen den Vorteilspartner von CLUB WIEN, werfen einen Blick auf "Künstliche Herzen" und lassen uns alte Instrumente zeigen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Vorteilspartner CLUB WIEN

MUK Privatuniversität der Stadt Wien

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten einen ermäßigten Kartenpreis auf ausgewählte Veranstaltungen an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.

Erfahren Sie mehr 31137

SEGWAY Touren – SEGWAY to go

Schweben Sie mit dem SEGWAY durch Wien!

Erfahren Sie mehr 43950

Natürliche Körperpflege aus Österreich

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf den Einkauf im Webshop.

Erfahren Sie mehr 44418

Hochwertige Pflege für Bart, Haut und Seele

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf den Einkauf im Webshop.

Alle Vorteilspartner