Martina Reichl-Roßbacher, Leiterin des Referats für Adoptiv- und Pflegekinder, das Teil der MAG ELF, dem Amt für Jugend und Familie, ist.
Martina Reichl-Roßbacher ist Leiterin des Referats für Adoptiv- und Pflegekinder der MAG ELF, Amt für Jugend und Familie: "Es ist unbedingt notwendig, dass Pflegeeltern tolerant und verständnisvoll sind." © privat © privat

Wollen Sie ein Kind in Pflege nehmen?

In unserer Serie „Pflegemama oder Pflegepapa werden“ haben wir zum Auftakt bei der MAG ELF nachgefragt: Wer darf ein Kind in Pflegschaft nehmen?

In Wien gibt es derzeit 782 Pflegekinder. Sie haben neben ihren leiblichen Eltern nun auch soziale. Wer sich dafür entscheidet Pflegemama oder -papa zu werden, hat einen wundervollen Auftrag zu erfüllen. Einen Auftrag, der Freude bringt und Arbeit bedeutet.

Interview zu Pflegschaft

Welche Eigenschaften etwaige Pflegeltern mitbringen müssen, was eine Pflegschaft ausschließt und wo es alle Informationen für Interessierte gibt, weiß Martina Reichl-Roßbacher. Sie ist Leiterin des Referats für Adoptiv- und Pflegekinder, das Teil der MAG ELF, dem Amt für Jugend und Familie, ist. In drei Artikeln stellen wir Ihnen die Fragestellungen und Antworten rund um das Thema Pflegschaft vor. Außerdem haben wir eine Pflegemama besucht und berichten in der Folge aus dem Alltag einer Pflegschaft.

inwien.at: Wer darf ein Kind in Pflegschaft nehmen?

Martina Reichl-Roßbacher: Das Familienbild der Pflegefamilie ist nachranging. Die sexuelle Orientierung, die Religion, das Geschlecht spielen keine Rolle. Und auch für Alleinerziehende besteht die Möglichkeit ein Kind zu betreuen. Alle, die geeignet sind, können sich bewerben. Bei uns sind willige Pflegemamas und -papas immer herzlichst willkommen.

Was bedeutet es für ein Kind in eine Pflegefamilie zu kommen?

Dort erhalten sie das, was ihre eigene Familie ihnen nicht zu geben vermochte. Das, worauf sie ein Recht haben: Zuwendung, Fürsorge, Zuspruch, Liebe, Aufmerksamkeit, Schutz.

Womit haben die Ursprungsfamilien häufig zu kämpfen, so dass eine Pflegschaft ihrer Kinder der einzige Ausweg zu sein scheint?

Die Gründe sind mannigfaltig. Es können psychische Erkrankungen der Eltern sein, Alkohol- oder Drogenmissbrauch kann im Raum stehen. Häufig sind die leiblichen Mütter und Väter selbst in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, suchen nach Liebe und denken, ein eigenes Kind kann sie ihnen geben. Und dann, wenn das Kleine da ist, sind sie komplett überfordert und schaffen es nicht. Nicht, weil sie nicht wollten, sondern, weil sie nicht können. Meist haben sie auch kein soziales Netz, keine Oma, keinen Opa, kaum Freundinnen oder Freunde, die sie in schwierigen Momenten auffangen, niemanden zum Sprechen. Durch die Pflegschaft verliert das Kind seine ursprünglichen Eltern aber nicht, es erhält zusätzliche.

Welche Eigenschaften muss ich als Pflegemutter oder -vater mitbringen?

Wir haben eher mit Kindern zu tun, denen schon viel passiert ist, die einen schweren „Rucksack“ mitbringen. Das heißt, es ist unbedingt notwendig, dass Pflegeeltern tolerant und verständnisvoll sind. Außerdem muss eine Bereitschaft gegeben sein, Hilfe von außen annehmen zu können. Auch Pflegeeltern müssen nicht perfekt sein. Sie dürfen keine Scheu haben, auch mal auf uns zuzukommen, sie müssen gut mit uns zusammenarbeiten.

Die neuen, sozialen Eltern sollten Verständnis für die Herkunft der Kinder haben und akzeptieren, dass die leiblichen Eltern weiterhin Kontakt zu ihrem Kind haben werden und haben sollen. Offenheit im breitesten Sinne des Wortes ist unerlässlich.

Folgeartikel

Lesen Sie im nächsten Artikel weiter: Krisenpflegeeltern, Aufwandsentschädigung und Schwangerschaft.

Kontakt zum Referat für Adoptiv- und Pflegekinder 

  • Wo: 9., Schlagergasse 8
  • Telefonnummer: 01 4000-90770 
  • Öffis: U6, 40, 41, 42, 40A bis Volksoper

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