Installationsansicht: How To Live Together, Kunsthalle Wien 2017. © Jorit Aust

Kunsthalle Wien: Die Kunst der Dramaturgie

Gegenwartskunst und zeitgenössische Diskurse treffen auf Kunstbegeisterte und die, die es werden wollen. Kunst ist jedoch nicht immer leicht zu verstehen, deshalb entstand in der Kunsthalle Wien die Abteilung der Dramaturgie.

Zeitgenössische Kunst kann oft sperrig und widerständig sein. Thematiken werden in komplexen Darstellungsformen, Projektionen oder auch Installationen dargestellt. Für Laien ist das schwer verständlich und viele meiden deshalb oft Ausstellungen oder Galerien. Doch spricht gerade zeitgenössische Kunst von gegenwärtigen und gesellschaftsrelevanten Themen, die jedem vertraut sind. Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung "Death to Pigs" von Ydessa Hendeles, die ab 1. Februar in der Kunsthalle Wien zu sehen ist. Hendeles' Werk ist eng verbunden mit ihrer eigenen Biografie als Tochter von Holocaust-Überlebenden. Mit einer streng choreografierten Sammlung von Kunst, Artefakten, Fotografien und audiovisuellen Bildern ist "Death to Pigs" eine provokante, psychologisch aufgeladene Meditation über die menschliche Natur.

Um das Verständnis für Kunst zu fördern, entstand in der Kunsthalle Wien die Dramaturgie-Abteilung. Diese Abteilung hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Schnittstelle zwischen den internen Abteilungen zu fungieren, Verständnis von Kunst zu vermitteln und die Lust auf Kunst zu steigern. Doch was ist darunter genau zu verstehen?

CLUB WIEN besuchte die Kunsthalle Wien und sprach mit Vanessa Joan Müller, der Leiterin der Dramaturgie-Abteilung. Sie erzählte von ihren Tätigkeiten in der Kunsthalle Wien und von der Wichtigkeit einer Dramaturgie-Abteilung in einer Kunstinstitution.

Was ist Dramaturgie?

Das Wort Dramaturgie stammt aus dem Griechischen, "dramaturgéin" bedeutet übersetzt "ein Drama verfassen", also die Komposition von Dramen. Ein Drama ist ein Text mit verteilten Rollen, wie etwa Theaterstücke, Opern, Ballettszenarien, Hörspielmanuskripte oder Drehbücher. Kurz gesagt, Drama ist Theater mit Textgrundlage, und Dramaturgie ist das Verfassen dieser Textgrundlage.

Beim Theater oder beim Film bezeichnet Dramaturgie auch den Arbeitsbereich der Dramaturginnen und Dramaturgen. Ihr Aufgabenbereich umfasst die Koordination zwischen Kunstprozess, Administration und Öffentlichkeit. Das kann die Auswahl von geeigneten Werken, Autorenförderung, Suche nach Regisseurinnen und Regisseuren, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder auch Publikumsgespräche beinhalten. Genau an dieser Stelle knüpft die Dramaturgie-Abteilung der Kunsthalle Wien an, die auch bis dato weltweit die einzige Abteilung dieser Art in einer Kunstinstitution ist.

Ziel der Dramaturgie-Abteilung ist, Menschen zeitgenössische Kunst näherzubringen, Kunstverständnis zu schaffen und mittels Workshops, Veranstaltungen oder Seminaren die Freude an Kunst zu wecken. "Das sind für mich immer die schönsten Momente, wenn wir es geschafft haben, Menschen in unsere Ausstellung zu bekommen, die vorher noch nicht hier waren und es sehr spannend und interessant finden", so Frau Müller.

Vanessa Joan Müller ist seit 2013 Leiterin der Dramaturgie-Abteilung. © Bohmann Verlag

Die Entstehung der Dramaturgie in der Kunsthalle Wien

Im Jahr 2012 übernahm der deutsche Kurator und Kunstmanager Nicolaus Schafhausen die Stelle des Direktors der Kunsthalle Wien. Mit ihm kamen neue Konzepte, Ideen und unterstützende Wegbegleiterinnen und -begleiter. So auch die deutsche Kuratorin Vanessa Joan Müller. Gemeinsam erarbeiteten sie das Konzept der Dramaturgie-Abteilung. Die Idee war, eine Abteilung zu gestalten, die sowohl als Schnitt- und Anlaufstelle zwischen den internen Abteilungen fungiert als auch die Kommunikation nach außen vereinfacht.

Aus diesem Konzept entwickelte sich 2013 die Dramaturgie-Abteilung der Kunsthalle Wien. Leiterin ist seither Vanessa Joan Müller. "Die Idee der Dramaturgie-Abteilung ist wirklich noch sehr neu. Im Laufe der letzten Jahre haben wir versucht herauszufinden, welche Arbeitsinhalte in die Abteilung passen und wie alles funktionieren könnte. Das musste erst erprobt werden, da es weltweit noch kein vergleichbares Vorbild gibt."

Ein Blick hinter die Kunstkulissen: Tätigkeiten der Dramaturgie-Abteilung

"Bei so einer großen Institution wie der Kunsthalle Wien haben wir uns gedacht, dass es sinnvoll wäre, eine Abteilung zu schaffen, die als Schnittstelle zwischen Marketing, Kunstvermittlung, Kuratorinnen und Kuratoren fungiert und diese Segmente miteinander vernetzt", erklärt Vanessa Joan Müller. Adaptiert von der klassischen Dramaturgie des Theaters, hat die Dramaturgie-Abteilung ähnliche Funktionen: Es wird Vermittlungsarbeit betrieben, mit den Kuratorinnen und Kuratoren werden Ideen für Veranstaltungen besprochen und umgesetzt, Ausstellungsbooklets werden gestaltet und Workshops veranstaltet.

Darüber hinaus nimmt die Dramaturgie-Abteilung eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung des Kunstverständnisses bei den Besucherinnen und Besuchern ein. Das heißt, dass alle Texte, Publikationen oder auch Booklets vor Veröffentlichung in der Abteilung von Frau Müller landen.

"Kuratorinnen und Kuratoren haben oft ihre ganz eigenen Ideen, wie der Inhalt einer Ausstellung kommuniziert werden soll. Auf der anderen Seite versucht die Presseabteilung, die Inhalte möglichst medienwirksam zu gestalten. Da kann es zwischen den Abteilungen schon manchmal rappeln", erzählt die Leiterin. In so einer Situation fungiert die Dramaturgie-Abteilung als Schnittstelle, aber auch als Vermittlerin. Gemeinsam mit dem Team werden die Texte bearbeitet und an das Gesamtkonzept der Kunsthalle Wien angepasst.

Eröffnung des Kunstprojekts "Gäste / Gosti / Misafirler" am Skulpturenplatz der Kunsthalle Wien © Kunsthalle Wien 2017

Kunstprojekt "Gäste / Gosti / Misafirler"

Wie die Arbeit der Dramaturgie-Abteilung in der Praxis ausschauen kann, zeigt das Kunstprojekt "Gäste / Gosti / Misafirler". Initiiert wurde das Projekt von der Vermittlungsabteilung, mit Unterstützung der Dramaturgie-Abteilung, in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien und der Berufsschule für Baugewerbe. Gemeinsam mit Künstler Karsten Födinger entwickelten Lehrlinge der Berufsschule eine Skulptur, die ihre Interessen und Gefühle ausdrücken sollte.

"Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir in der Kunsthalle Wien versuchen, Menschen, vor allem junge Menschen, zeitgenössische Kunst näherzubringen." Die Skulptur war Teil der Ausstellung "Beton" und ist am Karlsplatz ausgestellt. "Nicolaus Schafhausen und ich haben die Ausstellung kuratiert. Die Lehrlinge haben dann während der Projektarbeit auch die Ausstellung besucht und einen Einblick in die Kunstinstitution bekommen." Durch die Ausstellung konnten sie selbst miterleben, wie ein Kunstprojekt entsteht, aber auch wie eine Ausstellung organisiert und umgesetzt wird.

Die Kunsthalle Wien lässt Dialog entstehen. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen sich aktiv an Ausstellung zu beteiligen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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