Die ganze Familie Fürst freut sich über den Zuwachs. © Petra Rautenstrauch © Petra Rautenstrauch

„Livia macht unsere Familie komplett“

Pflegemama Michaela Fürst erzählt inwien.at in einem zweiteiligen Interview, warum sie sich für eine Pflegschaft entschied und wie sich der gemeinsame Alltag gestaltet.

In Wien besteht sowohl für Pärchen wie auch für gleichgeschlechtliche Paare oder Alleinerziehende die Möglichkeit, ein Pflegekind aufzunehmen. Das kann vor allem für Frauen oder Männer mit unerfülltem oder nicht erfüllbarem Kinderwunsch eine Möglichkeit sein, dennoch „Familie zu leben“.

Referat für Adoptiv- und Pflegekinder

Familie Fürst ist eine von rund 600 Pflegefamilien in Wien. Sie „beherbergt“ drei Kinder: die leiblichen Töchter Melanie, 18, sowie Cathrin, 15, und seit 18 Monaten auch Pflegekind Livia. Unterstützung bekommen sie im Referat für Adoptiv- und Pflegekinder, das Teil der MAG ELF, dem Amt für Jugend und Familie, ist. Mutter Michaela Fürst: „Wir haben eine eigene Betreuerin zur Seite. Die können wir jederzeit kontaktieren. Wir blicken zu fünft in eine freudvolle, spannende Zukunft.“

inwien.at: Seit wann ist Livia Teil Ihrer Familie?

Michaela Fürst: Sie wurde am 2. März 2013 geboren. Am 10. März durften wir sie zu uns nehmen. Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben. Ein Traum wurde wahr. Livia ist unser Traumkind.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, ein Pflegekind aufzunehmen?

Ich habe zwei Kinder, meine 18-jährige Melanie und meine 15-jährige Cathrin, aus erster Ehe. Nach der Scheidung hatte ich dann das Glück, auf einen neuen Lebenspartner zu treffen. Klaus und ich sind jetzt seit 2008 verheiratet und wir waren stets eine wundervolle, funktionierende Fleckerlteppich-Familie. Das wollten wir mit einem gemeinsamen Kind abrunden. Und wie soll ich sagen: Auf natürlichem Weg hat es nicht geklappt.

Warum nicht Adoption?

Das war natürlich das Erste, an das wir gedacht haben, nachdem ich einfach nicht schwanger wurde. Doch das geht nicht. Eltern, die bereits leibliche Kinder haben, dürfen kein fremdes Kind adoptieren. Aber eine Mitarbeiterin des Referats für Adoptiv- und Pflegekinder erzählte uns von der Möglichkeit, ein Kind zur Pflege aufzunehmen.

Kam das von Anfang an für Sie in Frage?

Der erste Gedanke war: Das machen wir nicht. Wie sollten wir damit umgehen, wenn man uns das Kind wieder wegnähme? Aber schließlich hat man uns über den Unterschied zwischen Krisenpflegeeltern und Pflegeeltern aufgeklärt. Der Großteil der Pflegekinder bleibt nämlich in der Pflegefamilie. Und sollte es so kommen, dass das Kind zu seiner leiblichen Mutter zurückkehrt, hätten wir weiterhin das Kontaktrecht. Das ist gesetzlich verankert.

Eine Frau und ein Mädchen schauen aus einem Puppentheater hervor
Familie, Freundinnen und Freude oder auch Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen reagierten ganz unterschiedlich auf den Wunsch nach einer Pflegschaft. © Petra Rautenstrauch

Was haben Ihre Töchter und Ihr Umfeld dazu gesagt, als Sie sich ernsthaft mit der Idee, ein Pflegekind aufzunehmen, anfreundeten?

Meine Freundinnen und Freunde oder die Kollegenschaft, ich bin ja Krankenschwester in der Abteilung Kinderpsychiatrie, waren zwiegespalten. Die meinten nur, ich sei verrückt, weil es doch gerade mit den kleinen, bedürftigen Kinderseelen schwierig werden könne. Aber davor haben mein Mann und ich uns nie gefürchtet. Meine Mädels waren hin und her gerissen. Sie fanden es einerseits ganz toll, so ein Kleines in ihrer Nähe aufwachsen zu sehen, waren aber auch etwas verschreckt. Vor allem Melanie war es auch wichtig zu wissen, was mit einem Pflegekind passieren würde, wenn mit uns sozialen Eltern etwas geschehen würde!

Und was wäre dann?

Die Mädchen hätten die Möglichkeit, Livia zu übernehmen. Es würde natürlich geprüft werden. Aber generell eben nichts dagegen sprechen. Melanie und Cathrin würden ihre Schwester also nicht einfach wieder verlieren.

War es Ihnen gleich, welches Kind Sie in Pflege nehmen?

Jein. Man füllt ja bei der Antragstellung auf ein Pflegekind einen Fragenkatalog aus. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen. Da geht es nicht um einen Wunschkatalog. Da geht es darum, dass man sich eventuell nicht jedes Kind zutraut. Uns war es etwa wichtig, ein sehr kleines Kind zu bekommen. Da ist der „Rucksack“, die Vergangenheit des Kindes, noch nicht so schwer und belastend. Außerdem hat ja mein Mann noch kein eigenes Kind aufwachsen sehen. Und das war einer seiner sehnlichsten Wünsche. Nicht unbedeutend war uns auch, dass das Kind in unsere Familie hineinpasst, sodass wir und das Kleine nicht ständig mit Fragen von außen konfrontiert werden.

Hätten Sie auch ein behindertes Kind übernommen?

Mir war klar, dass ich früher oder später wieder arbeiten möchte. Ich liebe meinen Beruf. Das heißt, eine Behinderung wäre soweit kein Problem, solange ich nach der Karenz wieder ins Spital gehen könnte. Unsere Wohnung ist zum Beispiel nicht rollstuhlgerecht. Aber da hätte man vielleicht eine Lösung gefunden. 

Folgeartikel

Im zweiten Teil des Interviews spricht Frau Fürst mit inwien.at auch über den Antrag für eine Pflegschaft, den Vorbereitungskurs und ihren ganz persönlichen Alltag.

Kontakt zum Referat für Adoptiv- und Pflegekinder 

  • Wo: 9., Schlagergasse 8
  • Telefonnummer: 01 4000-90770 
  • Öffis: U6, 40, 41, 42, 40A bis Volksoper

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