Die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne agieren beim Improtheater ohne Vorgaben. © Bohmann

Improvisationstheater: Kunstform und Freizeittrend

Bei einer Improvisation erwartet Sie das Unerwartete. Aus dem Nichts entstehen Szenen und Geschichten, ohne Drehbuch, frei und kreativ. Das Theater an der Gumpendorfer Straße ist Wiens Impro-Hotspot. Wir waren hinter den Kulissen.

"Improvisation ist die Kunst, aus der eigenen und der gemeinsamen Kreativität etwas Unvorhersehbares entstehen zu lassen. Ein Improtheater-Spieler ist Autor, Regisseur und Schauspieler in einem. Er denkt sich jede Szene im Moment aus und spielt sie."

Das ist nur ein Erklärungsversuch von vielen, wenn es darum geht, was Improvisationstheater ist. Schwierig zu beschreiben, einfacher es zu erleben. Will man in Wien Improvisationskunst auf höchstem Niveau sehen, geht man am besten ins TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße im sechsten Bezirk. Hier hat Improtheater eine lange Tradition.

Das TAG ist ein Theater der Stadt Wien. Und es ist die erste Adresse, wenn man Lust auf eine freie Form des Schauspiels hat. "Improvisationstheater hat es immer in Wellen gegeben. Besonders in den 90er-Jahren war es sehr präsent in Wien. Das sogenannte 'Urtheater', eine freie Gruppe von Schauspielerinnen und Schauspielern, hat dann dafür gesorgt, dass die Improvisationskunst als fester Bestandteil ins TAG eingezogen ist", erzählt Gernot Plass, künstlerischer Leiter des TAG.

Eine improvisierte Meisterschaft

Seit 17 Jahren finden im Bereich der Improvisationskunst in Österreich Meisterschaften statt. Dabei treten mehrere Mannschaften gegeneinander an. In Vorausscheidungsrunden entscheidet sich, wer zum Finale fahren darf. Seit 2013 gibt es spezielle Bundesländer-Qualifikationen. Die vier besten Mannschaften treffen im Finale auf jene vier Gruppen, die im Vorjahr das Halbfinale erreicht haben. Von 30. November bis 3. Dezember 2016, ist es wieder soweit.

Wir waren bei der letzten Vorausscheidungsrunde in Wien dabei und haben erfahren, was es heißt, im Publikum eines Improtheaterspiels zu sitzen.

Das Publikum entscheidet

Mit den verschiedenfarbigen Karten bewertet das Publikum die Darbietungen der Gruppen. © Bohmann

Das Licht im Saal wird schwächer, Stille legt sich über den Raum. Im Zuschauerbereich herrscht erwartungsvolle Spannung. Drei Improgruppen, der Moderator und der Pianist betreten die Bühne. Tosender Applaus! Nach einer kurzen Einführung durch den Moderator geht es auch schon los. In einer ersten kurzen Runde spielt jede der drei Gruppen, bestehend aus drei Mitwirkenden, eine einminütige Szene. Danach bewertet das Publikum, welche Darbietung am besten gefallen hat. Dafür liegen bunte Wertungskarten auf den Sitzen bereit.

Danach geht´s in die Battle-Runden. Eine Gruppe wird von einer anderen herausgefordert. Ein echter Kampf. Vor allem für die Lachmuskeln der Zuseherinnen und Zuseher. Sie dürfen den Darstellerinnen und Darstellern Begriffe vorgeben, die sie in die Szene integrieren müssen. Das können ein Ort oder eine Zeitepoche, ein Ereignis wie zum Beispiel eine Hochzeit, aber auch Gegenstände oder eine Emotion sein. Oft kommen dann lustige Kombinationen heraus. Da kann es schon mal passieren, dass beim stattlichen Herrn auf der Bühne die Tränen fließen, weil ihn seine Frau wegen des Gurkensalats verlässt.

Wann eine Impro-Szene endet, ist nicht genau festgelegt. Es gibt hierbei verschiedene Techniken. "Manchmal ist es relativ klar, wann eine Szene endet. Ansonsten gibt es Handzeichen, die den Lichttechnikerinnen und Lichttechnikern gegeben werden. Sie dunkeln dann die Bühne ab", sagt Improspieler Stefan Fuchs.

Die Entscheidung fällt denkbar knapp aus. Die bekannte Wiener Impro-Gruppe 12vor Fuchs und die Gruppe Allerdings aus Graz fahren zum Finale nach Linz.

Improvisation im Alltag

Nicht nur auf der Bühne, auch im Lebensalltag ist es gut, die Kunst der Improvisation zu beherrschen. Das weiß Stefan Fuchs genau. Er ist Gründer der Impro-Gruppe 12vorFuchs und im Hauptberuf Lehrer in Wien. "Im Prinzip sind es sehr viele Skills, die beim Improspiel trainiert werden. Das eine ist auf alle Fälle, Mut zu haben in Situationen, die ungewohnt sind. Nicht gleich aufzugeben und durch Fehler zu lernen. Ich als Lehrer brauche diese Fähigkeiten jeden Tag. Wichtig ist auch, aufeinander einzugehen. Und auch Flexibilität ist etwas, was man durch das Training des Improspiels sehr gut im Alltag gebrauchen kann. Die Bühne des Lebens ist der des Improvisationstheaters nicht ganz unähnlich", fasst Stefan Fuchs zusammen.

Workshops: Selbst improvisieren

Wer sich gerne selbst einmal in der Kunst des Improvisationstheaters ausprobieren möchte, kann einen Workshop im TAG besuchen. Aktuell gibt es noch Plätze im Wochenend-Impro-Workshop für Einsteigerinnen und Einsteiger. Dieser findet am Samstag und Sonntag, den 26. und 27. November 2016, statt. Das TAG ist übrigens seit Kurzem barrierefrei zugänglich und problemlos mit dem Rollstuhl über den ebenerdigen Haupteingang zu erreichen.

Und was braucht man, um Impro-Schauspielerin oder -Schauspieler zu werden? Laut Improvisations-Trainer Stefan Fuchs sind Mut und Offenheit die Schlüssel zum Impro-Erfolg. "Wenn man erfolgreich auf der Bühne stehen und ein Publikum gut unterhalten möchte, ist regelmäßiges Training, im Idealfall mit erfahrenen Coaches, wichtig. Wenn ich Kurse gebe, dann mache ich relativ viele Vorgaben. Denn diese Vorgaben machen das Improvisationsspiel leichter. Man kann sich an etwas halten. Aus einer Fülle an Möglichkeiten ist man überfordert. Eine der schwierigsten Sachen, die man Impro-Spielerinnen und -Spielern sagen kann, ist 'Spiel mal! Und am besten etwas Lustiges!'. Wenn man ihnen jedoch sagt 'In der folgenden Szene darf der Buchstabe 'S' nicht vorkommen', dann ist das für sie im Endeffekt leichter", so Stefan Fuchs. Im Gegensatz zum Stehgreif gibt es nichts, was vorher ausgemacht ist. Es gibt keinen Handlungsplot, sondern nur die reine Improvisation.

Am Anfang steht immer ein Spielangebot. Es kommt eine Spielerin oder ein Spieler auf die Idee für eine Szene. Entweder durch eine Handlung, einen Satz oder einen Ort. Die anderen werden davon angesteckt. Sie machen aus dem Angebot etwas, was die Spielerin oder der Spieler, die oder der angefangen hat, vielleicht gar nicht intendiert hat. "Das ist das Wunderbare beim Improtheater. Je meisterlicher das gespielt wird, desto weniger sind diese Angebote definierend. Die große Kunst ist es, eine Geschichte gemeinsam zu erzählen, obwohl keiner den Inhalt kennt", erläutert Gernot Plass.

"Wenn man beispielsweise in einer Szene an die imaginäre Tür klopft und sagt 'Guten Tag, ich bin der Installateur, um den Wasserrohrbruch zu reparieren. Wo ist denn der Keller?', dann hat der Gegenspieler nicht mehr viele Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Wenn man aber an die Tür klopft und sagt 'Grüß Gott, hier bin ich', dann ist der weitere Verlauf der Geschichte völlig offen", so der künstlerische Leiter des TAG.

Wiener Vielfalt und Angebot

Die Wiener Kulturpolitik setzt auf eine Vielfalt an Angeboten. Es gibt Schauspielkunst auf allen Ebenen. Da darf Improvisationstheater natürlich nicht fehlen. "Diese Kunstform bereichert in ihrer Einzigartigkeit das kulturelle Angebot der Stadt. Anders als Kino oder klassisches Theater bietet Improtheater mit dem Risiko der eigenen momentanen Kreativität für die Darstellenden einen besonderen Reiz", schließt Gernot Plass.

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