Tanztrainerin und Obfrau Hana Zanin: "Das Tanztraining fördert Kondition, Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Kreativität." © Bernhard Kummer

Ich bin O. K.

Das "Ich bin O.K."-Tanzstudio bietet Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit zu tanzen und bindet sie in das kulturelle Leben mit ein. CLUB WIEN war bei einer Tanzstunde dabei.

Donnerstagnachmittag, 15 Uhr. Im Verein "Ich bin O.K." startet die Kindertanzstunde. Trainerin Hana Zanin begrüßt die Kinder und beginnt mit der ersten Aufwärmübung. Sie klatscht die Silbe ihres Namens und verbindet das Geräusch mit einer Bewegung. Dann fordert sie die Kinder auf, es ihr gleichzutun. Anschließend kommen die Namen der Kinder an die Reihe, gemeinsam wird geklatscht und getanzt. "Komm, Andi", motiviert Hana, "streck die Hände aus, das hilft dir, die Balance zu halten."

Hana Zanin gibt nicht nur Tanzunterricht, sie führt auch gemeinsam mit ihrem Mann Attila den "Ich bin O.K. - Kultur- und Bildungsverein der Menschen mit und ohne Behinderung". Er wurde vor 38 Jahren von Attilas Mutter Katalin Zanin gegründet. Hana ist ausgebildete Tänzerin, Attila ausgebildeter Tänzer. Beide geben Tanzstunden vor allem in zeitgenössischem Tanz beziehungsweise Hip-Hop. "Wir bieten Kurse ab sechs Jahren an, der älteste Teilnehmer ist sechzig Jahre alt", meint Hana Zanin. Nach wie vor gibt es für Menschen mit Lernschwierigkeiten nur wenige Sportmöglichkeiten. "Es kommt sehr auf die Einrichtung beziehungsweise auf die Menschen, die dort arbeiten, an, ob Menschen mit Lernschwierigkeiten aufgenommen werden." Daher sind Eltern oft froh, im Verein eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für ihre Kinder gefunden zu haben.

Auch Betreuerinnen und Betreuer von Wohngemeinschaften bringen ihre Schützlinge vorbei. Andere Gründe für den Kursbesuch sind das Gemeinschaftserlebnis und die Möglichkeit, andere Menschen mit Lernschwierigkeiten zu treffen und Freundinnen und Freunde zu finden. Manche interessieren sich aber einfach fürs Tanzen und tanzen auch zuhause viel. Insgesamt bietet der Verein 16 verschiedene Kurse mit unterschiedlichen Tanzrichtungen, meist zeitgenössischer Tanz. "Zeitgenössischer Tanz ist eine gute Möglichkeit des Ausdrucks. Mit ihm kann ich Gefühle ausdrücken und Geschichten erzählen", erklärt Hana.

An der Produktion "Über'n Zaun schaun", haben 110 Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderung mitgearbeitet. © Martin Zigler

Bühnenluft schnuppern

Alle zwei Jahre bringt der Verein eine große Produktion auf die Bühne, an der sich alle Gruppen beteiligen. Dieses Jahr hieß die Produktion "Über'n Zaun schaun", dabei wurden die Themen Flüchtlingsbewegung und Grenzen behandelt. Über 110 Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderung standen im April und Anfang Mai gemeinsam auf der Bühne des Theaters Akzent. Das Stück besteht aus zwölf Szenen, wobei jede Szene von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Studiogruppe gestaltet wurde. Es wurde von Hana und Attila Zanin entwickelt und entstand in Kooperation mit der Tanzausbildung Wien, dem Gymnasium Theresianum Wien, Studentinnen und Studenten der Musik und Kunst Privatuniversität Wien und der Vitalakademie Wien. Auch mit den Musikschulen Wien wird zusammengearbeitet.

"Wir haben Kinder für unsere Produktion gesucht und einen Abend in den Musikschulen Wien gestaltet. Dort haben uns die Eltern kennengelernt und sechs Kinder haben sich gemeldet. Manche von ihnen wollen bleiben und weiter die Tanzstunden besuchen", erzählt Hana. "Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer genießen es sehr, auf der Bühne zu stehen. Sie sind stolz darauf zu zeigen, was sie gelernt haben. Es ist eine ganz besondere Atmosphäre und ein tolles Erlebnis."

Tanzend Suppe kochen

Im Kinderkurs wird in der Zwischenzeit Suppe gekocht. Die Tänzerinnen und Tänzer sitzen mit gestreckten Beinen im Kreis. Hana fragt: "Was geben wir in die Suppe?" "Karotten", "Petersilie", schlagen die Kinder vor. Diese werden geschnitten, indem sie mit ihren Händen die Beine entlang hacken beziehungsweise die Beine hin- und herschieben. Der Topf wird geöffnet, dabei werden die Beine in die Höhe gestreckt, und wieder zugemacht, dabei kommen die Beine wieder nach unten. Die Tanzstunden haben immer denselben Ablauf. Zu Beginn steht das Ankommen, sich begrüßen, wahrnehmen und austauschen. Dann folgen Körper- und Muskeltraining, wobei es immer thematische Schwerpunkte wie derzeit Rücken- und Gleichgewichtsübungen gibt.

Nach dem Tanztraining folgt als Abschluss freies Tanzen. Hana Zanin erklärt: "Die Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten hat ein ganz anderes Tempo, es braucht alles viel mehr Zeit und die dazupassenden Trainings- und Tanzabläufe." Die Abläufe sind langsamer, es gibt mehr Wiederholungen und es wird nicht sofort mit allen Körperteilen gearbeitet. Menschen mit Lernschwierigkeiten haben oft keine so gute Körperwahrnehmung und zu wenig Körperspannung. Außerdem ist die Art der Kommunikation eine andere. Hana: "Die Kommunikation ist sehr individuell, sie erfolgt oft nonverbal über Berührung oder auch Lautstärke, manchmal gleicht sie mehr einer Animation." Das Tanztraining fördert Kondition, Körperwahrnehmung, Gleichgewicht und Kreativität.

Auch das Selbstbewusstsein wird gestärkt, weil jeder in der Gruppe einen Beitrag leistet. "Tanzen trägt zur Entwicklung der Persönlichkeit bei", sagt Hana, "unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer üben Ausdauer und Konzentration, sie entwickeln Kompetenzen, die es ihnen erleichtern, sich in die Arbeitswelt einzugliedern." Bestätigung für ihre Arbeit erhält Hana von den Eltern. "Wir erhalten sehr viel tolles Feedback", freut sie sich. Die Kinder haben in der Zwischenzeit verschiedene Übungen zur Muskelspannung absolviert und die Choreografie für ihren Auftritt noch einmal geübt. Zum Abschluss steht noch freies Tanzen auf dem Programm. "Wer mag beginnen?", fragt Hana.

Lisa meldet sich und beginnt, zur Musik zu tanzen. Einige Minuten später fordert Hana sie dazu auf, ein anderes Kind zum Tanzen einzuladen. Lisa wählt Elena und eine Zeitlang tanzen die beiden gemeinsam, dann setzt sich Lisa und der Raum gehört Elena allein. Die Kinder wirken sehr konzentriert beim Tanzen, sie folgen dem Rhythmus der Musik und genießen es merklich, den Raum für sich zu haben. Später erzählen sowohl Lisa als auch Elena, wie sehr ihnen das freie Tanzen gefällt.

Tänzerinnen und Tänzer der Dance Company bei der letzten Company-Produktion "Kein Stück Liebe". © Laurent Ziegler

Eigene Dance-Company

Um Tänzerinnen und Tänzer noch intensiver und zielgerichteter zu fördern, wurde 2010 die "Ich bin O.K."-Dance-Company gegründet. Gemeinsam mit professionellen Tanz-Künstlerinnen und Künstlern werden anspruchsvolle Techniken geübt und Choreografien einstudiert. Hana Zanin: "Wer hier mitmachen möchte, muss nicht nur Talent mitbringen, sondern auch sehr motiviert und ehrgeizig sein. Es bedarf viel Ausdauer und der Unterstützung der Eltern." Die Tänzerinnen und Tänzer trainieren zwei Tage die Woche jeweils dreieinhalb Stunden, vor Auftritten auch mehr. Hana erklärt: "Derzeit arbeiten wir daran, dass unsere Tänzerinnen und Tänzer als Profis arbeiten können und dafür auch etwas bezahlt bekommen. In Deutschland ist das bereits möglich."

Kultur- und Bildungsverein der Menschen mit und ohne Behinderung
1., Goethegasse 1, Hof 3 / Stiege 8 / 1. Stock / Top 1A

Telefon: 01/5124306
E-Mail: infoatichbinok.at
Bürozeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr
Infos: www.ichbinok.at und www.facebook.com/ichbin.ok/

Video: Theater ohne Barrieren: Ich bin ok

Gemeinsam tanzen steht beim Verein "Ich bin O.K." im Mittelpunkt. Menschen mit und ohne Behinderung haben ihren Auftritt im Theater Akzent. Im Porträt - Hauptdarstellerin Cathi.

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