Traude Kossatz, 78, ist künstlerische Leiterin und Gründerin des Lilarums. Direktor des Hauses ist ihr Sohn Paul Kossatz. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Kleine Puppen machen großes Theater

1980 hat Traude Kossatz das Figurentheater LILARUM gegründet. Was zu dieser Zeit noch als kleine Wanderbühne durch Österreich tourte, ist heute eine der erfolgreichsten Kinderkulturstätten des Landes mit Sitz im 3. Bezirk.

Traude Kossatz, künstlerische Leiterin des Figurentheaters LILARUM im Bezirk Landstraße, begutachtet mit ihrem Kollegen Andreas Moritz eine Requisite. Es ist ein kleiner weißer Rettungswagen mit aufgemaltem roten Kreuz, der an der Spitze eines langen Holzstabs thront. Den braucht es, da die stadtbekannte Puppenbühne von "unten" bespielt wird. Demnach also die fünf Puppenspielerinnen und Puppenspieler die Puppen und Requisiten hochhalten können müssen, ohne vom Publikum gesehen zu werden. 

Der Werkstättenbereich und das Lager im Keller haben 300 Quadratmeter. © Bohmann/Andrew Rinkhy

"Da müssen wir den Einsatzwagen nachbessern", Kossatz zeigt auf einige schmutzig-graue Flecken an Heck und Kotflügel. Zwei Minuten später strahlt das Auto dank Pinsel und Farbe wieder weiß wie Kaffeeobers und wird zum Trocknen auf einen der Werkstische gelegt.

Der schlafende Mond, der gerade eingelagert ist, stammt aus dem Märchen "Mausi und Klausi fahren nach Afrika". © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Werkstatt des Lilarums befindet sich im Keller eines typischen, weit verwinkelten Wiener Altbauhauses. Dicke silberglänzende Rohre winden sich die Decken entlang, graue Backsteine oder Grobverputztes bilden die Wände, die hohen Holzregalen bis zur Decke hinauf Halt bieten. Es gibt kleine Lagerräume für wohl sortierte Programmhefte oder technisches Equipment wie Scheinwerfer und Filterrollen in allen Farben. In einem Kammerl mit Nähmaschine wird ausgebessert, geflickt und gestopft, was gerade einer kleinen Reparatur bedarf. In weiteren zwei Zimmern stapeln sich hauptsächlich Puppen in schiffskoffergroßen Kisten und jene Requisiten, die gerade nicht in Gebrauch sind. In einer Ecke lehnt der Mond aus dem Stück "Mausi und Klausi fahren nach Afrika", die großen Bäume des Märchens "Der kleine Vogel Tikidu" sind eingeschlichtet. Eines ist allen gemein: Alles ist gut beschriftet und wartet ordentlich verstaut auf den nächsten großen Auftritt. Und das ist wichtig, denn hier im Keller lagert die Ausstattung von 30 Märchenstücken.

Es gibt auch eigene Bereiche zum Schweißen und Tischlern. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Neben diesen vielen kleineren Räumen steht den rund 18 Angestellten schließlich noch der große Hauptraum zur Verfügung, dem sich eine kleine Schweißer- und Tischlerwerkstatt anschließt. Kalt und düster ist es in diesen tiefen Räumlichkeiten unter der Erde erstaunlicherweise aber gar nicht. Auch nicht feucht oder muffig. "Unsere Lüftungs- und Heizanlage ist von der neuesten Generation. Aber das muss auch so sein. Hier wird organisches Material untergebracht. Zudem verbringen wir viel Zeit da unten. Ein stickiger Arbeitsplatz wäre unzumutbar für die Angestellten", erklärt Kossatz. "Immerhin wird hier alles selbst hergestellt."

Die Puppenspielerinnen und -spieler stehen auf der anderen Seite der Bühne. Das Bühnenfenster beginnt in einer Höhe von 1,80 Meter. Daher dürfen die Angestellten auch nicht groß gewachsen sein, sonst sähe man ihre Köpfe. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Doch vor dem eigentlichen "Herstellen" der Requisiten stehen natürlich viel Kopfarbeit und die große, alles entscheidende Frage: Welche Geschichte soll als Nächstes neu auf die Bühne kommen? "Bei uns gibt es keinen Kasperl und keine klassischen Märchen wie die von den Gebrüdern Grimm. Ich zeige gerne Geschichten aus weit entfernten Ländern, dem Orient oder, wie letztens ernst, aus Syrien. Oder lasse mich in der Kinderbuchabteilung im Buchgeschäft inspirieren", sagt Kossatz. Hinter dem allerersten Stück, "Die verzauberte Schneemühle" 1980, stand ein Werbeprospekt, den die Leiterin in einem Supermarkt aufgelesen hat.

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Ist dann einmal die Idee für eine grobe Rahmenhandlung da, muss selbige so lange dramaturgisch verfeinert werden, bis daraus ein schlüssiger Inhalt geworden ist. Auf Rückblenden oder komplexe Handlungsstränge wird dabei verzichtet, damit die Kinder einer geradlinigen Geschichte gut folgen können.

Die Requisiten werden vor der Herstellung in einem Modell zusammengestellt. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Im Anschluss überlegt sich Kossatz ein harmonisches Farbkonzept und bespricht mit den Puppenmacherinnen und -machern das Aussehen der Protagonistinnen und Protagonisten. Zudem fallen mit Hilfe einen Bühnenmodells Entscheidungen, welche Requisiten gefertigt werden müssen. "Anhand des Modells ist es einfacher, Größen- und Platzverhältnisse zu testen", sagt Kossatz. Als Nächstes finden die Licht-, Sprech- und Spielproben statt.

Wie lange es von der ersten Idee bis zum Premierenabend dauert, ist übrigens unterschiedlich. Doch in der Regel kann man mit neun Monaten rechnen.

Die Figuren haben in ihrem Inneren Schaumstoff. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Puppen etwa benötigen rund einen Monat Arbeit. Man bedenke: Manche Stücke sind mit bis zu 70 Figuren konzipiert. In ihrem Inneren steckt Schaumstoff, wie er in vielen klassischen Bettmatratzen zu finden ist. Der wird beschnitten und geformt, bis er das richtige Aussehen hat. "Liebreizende Gesichter sind dabei am schwierigsten zu schaffen. Da muss länger gefeilt, geschliffen und dem Gesicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die böse Hexe oder der hässliche Gnom sind einfacher", sagt Kossatz. Danach wird die Kleidung geschneidert und der Stecken montiert.

Requisiten und Figuren werden von den Puppenspielerinnen und -spielern geführt. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Theaterbühne und der Publikumssaal mit 120 Plätzen haben im Erdgeschoß des Gebäudes ihren Platz gefunden. Wie im Keller ebenfalls auf 300 Quadratmetern. "Die Kinder sitzen auf den mittleren Plätzen, Begleitpersonen auf den äußeren. Die Puppenspielerinnen und -spieler stehen auf der anderen Seite der Bühne, der sogenannten Hinterbühne, verrücken die Requisiten und hauchen den Figuren Leben ein", sagt Kossatz. Puppenspielerinnen und -spieler dürfen dabei nicht größer als 1,80 Meter sein. Sonst würden ihre Köpfe über die Bühne reichen oder sie müssten sich die ganze Zeit bücken. Haltungsschäden und Rückenschmerzen wären das Ergebnis.

In der Mitte des Stücks gibt es immer eine Pause. Das brauchen die Kinder zum Verschnaufen. Kossatz: "Zweimal 25 Minuten sind aus meiner Erfahrung ideal. Da können die Kleinen kurz was trinken, aufs Klo gehen und sind dann wieder voll konzentriert."

Die Stücke laufen stets einen Monat, in dem parallel schon die Proben für das kommende Stück passieren. Wurde soeben etwas für Dreijährige aufgeführt, folgt als Nächstes etwas für Vier- oder Fünfjährige. Oder wurde ein Stück lange nicht gezeigt, wird es wieder hervorgekramt und auf den Spielplan gesetzt. So kommt man auf zehn Stücke im Jahr. Zumindest eines von diesen ist eine Neuaufführung. Unter der Woche besuchen viele Kindergartengruppen den Schauplatz, am Wochenende vermehrt Kinder mit ihren Eltern. Manche davon kennen das Theater bereits aus ihrer eigenen Kindheit. Nur im Sommer und in den Weihnachtsferien kommt niemand. Da hat das Theater geschlossen.

Video: Erlebnis für die Sinne

Das Figurentheater Lilarum ist die größte ständig bespielte Puppenbühne Österreichs. Etwa 30 Eigenproduktionen für Kinder ab 4 Jahren sorgen für viel Abwechslung. Wir haben das Lilarum besucht. © Stadt Wien/Bohmann

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