test 360-Grad-Video: Circus Roncalli in Wien

40 Jahre Circus Roncalli

Ein schöneres Platzerl für ein Zirkuszelt gibt es nicht. Das weiß auch Bernhard Paul, dessen Circus Roncalli bis zum 16. Oktober am Rathausplatz gastiert. Zum 40-jährigen Jubiläum teilte er seine Erinnerungen an Wien.

Bernhard Paul träumte schon als kleiner Bub davon, eines Tages Zirkusdirektor zu werden. Aufgewachsen in Wilhelmburg, Niederösterreich, war der Besuch des Circus Rebernigg in seinem Heimatort prägend. Bereits mit sechs Jahren stand für ihn fest: Ich mache Zirkus, ich möchte Clown werden. 40 Jahre später beweisen das schmucke Zirkuszelt, die Artisten aus aller Welt und die vielen Besucher am Rathausplatz, dass er mit dem Circus Roncalli seine Ziele vollends erreicht hat. 

Gründung in Wien

Bevor Bernhard Paul seinen Traum vom eigenen Zirkus verwirklichen konnte, erwarb er nützliche Fähigkeiten in Schule und Beruf. Zuerst besuchte er eine HTL mit Schwerpunkt Hoch- und Tiefbau und schließlich die "Graphische" in Wien. Er spielte als Berufsmusiker mit Lukas Resetarits und avancierte zum gut bezahlten Artdirector. Seinem großen Vorhaben blieb er stets treu. 1976 warf er alles hin und gründete den Circus Roncalli. Ein ausrangierter alter Zirkuswohnwagen bildete damals den Grundstock. In einem ebenso schön renovierten trafen wir den Direktor, Clown und passionierten Zirkushistoriker anlässlich seiner "40 Jahre Jubiläumstournee".

Bernhard Paul besitzt eine der größten Sammlungen von Zirkusgegenständen in Europa. © Circus Roncalli / Horst Ossinger

Inwien.at: Die Siebzigerjahre sind nach heutiger Betrachtung nicht gerade das Jahrzehnt für eine Zirkusgründung. Warum wollten Sie das machen?

Bernhard Paul: Ich bin in Wilhelmsburg aufgewachsen, das ist nahe bei St. Pölten, und dort machte eines Tages der Circus Rebernigg Halt. Das war der Österreichische Nationalzirkus damals. Den habe ich gesehen und war hin und weg. Ich war sechs Jahre alt und habe nachher zu meinen Eltern gesagt: "Ich mache einen Zirkus, ich werde einmal ein Clown". Die haben gesagt "Wenn du nichts Gescheites lernst, landest eh einmal im Zirkus" und solche Sprüche. Die Jahre vergingen und der Gedanke ging mir nie aus dem Kopf. Mit 28 war ich dann Artdirector der größten Werbeagentur und habe mir gedacht: "War's das jetzt, bleibt das jetzt das ganze Leben so?" Die Siebzigerjahre waren die Zeit, wo andere nach Indien ausgestiegen sind. Ich habe beschlossen, das zu tun, was ich immer schon wollte: einen kleinen Zirkus. Ich bin der Idee immer treu geblieben. 

Schon Mitte der 1970er-Jahre Jahre schlüpfte Bernhard Paul in die Rolle des Clowns. © Circus Roncalli

Warum sind Sie ein Jahr nach dem Start in Wien mit Sack und Pack nach Deutschland gezogen?

Als ich die Idee hatte den Zirkus zu machen, stand im Profil, unser Artdirector ist verrückt geworden, der macht jetzt einen Zirkus. Dann kam André Heller hinzu und es stand wieder in der Zeitung. Darauf meldete sich der Intendant eines Bonner Kulturfestivals und lud uns ein, die Welturaufführung auszurichten. Das war unser erstes Gastspiel und es folgten weitere Termine in Deutschland. Die letzte Station war München, wo der Heller und ich uns zerstritten haben. Im Oktober 1976 spielten wir zum ersten Mal in Wien, und zwar auf der Wiese beim Arsenal vor dem Museum des 20. Jahrhunderts. Im Folgejahr bekamen wir einen Vertrag für mehrere Vorstellungen im Rahmen der Wiener Festwochen. Nach den Aufführungen in St. Marx, Favoriten und Kagran gab es am Ende Streitereien ums Geld. Bei Vertragsunterzeichnung habe ich einen Teil gekriegt, aber als wir fertig waren, hieß es plötzlich, das Budget wurde gekürzt, es gibt jetzt nur mehr die Hälfte der ausständigen Gage. Ich habe gesagt: "Das kann es jetzt aber nicht sein." Wir haben den ganzen Vertrag erfüllt und ich brauchte das Geld, um die Artisten bezahlen zu können. Für mich blieb sowieso nichts übrig. Ich war so zornig und beschloss deshalb, Österreich und Wien zu verlassen. 

Es dauerte 15 Jahre bis zu ihrer Rückkehr nach Wien. Wie kam es zum Comeback?

Als ich dann nach Deutschland ging, wurde ich wieder vom Profil interviewt und ich wurde gefragt: "Wann kommst du wieder nach Wien?" Ich habe gesagt: "Ich komme erst wieder, wenn ich am Rathausplatz spielen darf und die Hertha Firnberg das Nummerngirl macht." Daraufhin war lange nichts. Eines Tages, Ursula Pasterk war die Festwochenintendantin, kam sie im Auftrag von Helmut Zilk zu mir nach Deutschland und fragte: "Du hast doch einmal gesagt, du kommst wieder nach Wien, wenn du am Rathausplatz spielen darfst und die Firnberg das Nummerngirl macht. Stehst du noch dazu?". Ich habe geantwortet: "Ich stehe immer zu dem, was ich sage." Darauf sagt die Pasterk: "Also die Firnberg geht nimmer, aber ich mach das Nummerngirl, wenn du willst." Daraufhin sind wir 1993 mit dem Circus Roncalli auf den Rathausplatz gekommen. Ich habe dann sogar im Zirkuszelt geheiratet und Helmut Zilk war mein Trauzeuge.

Das Ensemble des Circus Roncalli wird mittlerweile durch seine erwachsenen Kinder verstärkt. © Circus Roncalli

Wie wird Ihr Zirkus wahrgenommen? Als Wiener Zirkus, als deutscher Zirkus oder ist das fürs Publikum unerheblich?

Nein, nein. Es kommt immer die Zeile vor, der Zirkus, der aus Wien kommt, der Wiener Bernhard Paul, der Wiener Charme und so weiter. Ich gelte ja als Wiener, was kein Nachteil ist. Ab 13 Jahren war ich eh immer in Wien. Natürlich war ich jahrelang in Deutschland unterwegs und wurde gefeiert. Johannes Rau, der damalige Bundespräsident, hat mir das deutsche Bundesverdienstkreuz gegeben und mich als deutschen Beitrag nach Sevilla zur Weltausstellung geschickt. Wir waren in Kultur-Mission als deutscher Beitrag in Moskau bei Gorbatschow. Also, der Rau hat uns überall hingeschickt in deutschem Namen. Und er hat immer wieder gesagt: "Du kriegst die Staatsbürgerschaft." Sagte ich: "Nein, ich bin ein Österreicher und ich bleib ein Österreicher." Ich bin ja dagegen, dass es zwei Staatsbürgerschaften gibt. Ich habe mich immer als Österreicher gefühlt und ich habe immer Heimweh gehabt. Ein Leben lang. Speziell nach Wien, weil das für mich die wichtigsten Jahre waren. Und ich habe eine Geschichte als Wiener. Mein Urgroßvater war der Librettist von Johann Strauss und hat den Originaltext vom Donauwalzer geschrieben. 

Was hat sich am Geschmack des Publikums in den letzten 40 Jahren Zirkus geändert?

Ein Zirkus hat ein Konzept. Wichtig ist, dass das Kleinkind und der Intellektuelle an derselben Stelle lachen und staunen. Weil das soll sehr demokratisch sein. Es soll sich nicht nur an Minderheiten oder elitäre Schichten richten. Der Zirkus ist für alle da. Natürlich stellt sich die Frage, was ist eigentlich ein Zirkus. Also, all die Dinge, die nicht jeder kann: die Exotik, die Erotik, die Akrobatik. Ich habe immer außerhalb des Üblichen Dinge gesucht. Beispielsweise die Seifenblasennummer ab den 1980er-Jahren. Seitdem gibt's im Zirkus Seifenblasen. Das hat es vorher nicht gegeben. Oder ein Pantomime, der im Theater gespielt hat. Den habe ich genauso in den Zirkus geholt wie Pariser Straßenkünstler. Das ist heute ein Zirkuselement auf der ganzen Welt, das Improvisieren mit Publikum. Und Beatboxen ist vorher auch nie im Zirkus gewesen. Das hatte dort nichts verloren. Ich habe den gesehen und mir gedacht, das könnte man ausprobieren.  Und siehe da, unser Beatboxer ist nun Publikumsliebling. Man muss immer neue Wege gehen, aber es darf kein Fremdkörper sein. 

Eine bessere Adresse für ein Zirkuszelt als den Rathausplatz gibt es nicht. © Bohmann

Es hat fünf Jahre gedauert, bis Sie heuer wieder in Wien ihre Zelte aufschlagen. Warum so lange?

Jedes Jahr geht nicht aus verschiedenen Gründen. Zwei bis drei Jahre sind der richtige Rhythmus, denn wir wollen nach Wien immer mit neuem Programm kommen. Die Sache ist die: Diesen Aufwand, den wir betreiben, mit großem Orchester, mit Ballett, mit den ganzen alten Zirkuswägen, das Material, was wir herumschleppen, da kann man nicht drei Tage in Gramatneusiedl und vier Tage in Stein an der Donau spielen. Das rechnet sich rein kaufmännisch nicht. Wir machen aber sehr viele soziale Sachen. Wir laden viele bedürftige Wiener ein, auch Waisenhäuser und tun alles Mögliche, ohne es an die große Glocke zu hängen. Ich habe das letzte Mal dem Bürgermeister 1.000 Karten gegeben, für die Sachen, die er noch hat für bedürftige Kinder. Da arbeiten wir immer zusammen.  Der Herr Häupl hat gesagt: "Ihr habt Vorbildcharakter, und das ist gut. Ihr kostet nichts und bringt's was für die Wiener Familien." 

Ehrungen für Bernhard Paul

Der Zirkusdirektor hat in den Jahren seiner künstlerischen Erfolgslaufbahn bereits mehrere hochkarätige Auszeichnungen erhalten. 1994 erhielt Bernhard Paul das Verdienstkreuz des Landes Wien in Gold vom damaligen Bürgermeister Helmut Zilk. Das deutsche Bundesverdienstkreuz bekam er 1996 verliehen. 2008 wurde er als "Auslandsösterreicher des Jahres" gewählt. Am 22. September 2016 überreichte Michael Häupl dem großen Künstler und Menschenfreund den Goldenen Rathausmann. Selbstverständlich auf dem Rathausplatz, um den er so lange kämpfen musste. 

360-Grad-Video vom Circus Roncalli

Die neue Video-Technologie im 360-Grad-Format gewährt ungewöhnliche Perspektiven und lässt Sie die Steuerung in die Hand nehmen. Mit dem Mauszeiger oder per Fingerbewegung lassen sich die Blickwinkel im Video individuell und einfach verändern. Diese innovative Technik funktioniert auf folgenden Browsern und Geräten in deren aktuellster Version:

  • Desktop (PC & Mac): die letzte Version von Mozilla Firefox, Google Chrome, Internet Explorer & Opera
  • Mobile (Android & iOS): die letzte Version der YouTube-App

Hinweis für Smartphone-UserInnen: 

Klicken Sie hier um das Video direkt via YouTube zu öffnen oder auf die Titelzeile im Videofenster.

Alle 360-Grad-Videos auf inwien.at

Vorteilspartner CLUB WIEN

Floridofilm - Volles Service rund ums Bild

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Mitglieder zwischen 5 und 12 Prozent Ermäßigung auf die Dienstleistungen der Firma Floridofilm.

Erfahren Sie mehr 31048

Seniorencolleg

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf alle Computerkurse im Seniorencolleg!

Erfahren Sie mehr 31058

Stadtsaal

CLUB WIEN-Mitglieder können Karten bis zum Spieltag reservieren und erhalten am Spieltag den Vorverkaufspreis (10 Prozent Rabatt).

Erfahren Sie mehr 31169

MFT Core Disc

Mit der MFT Core Disc werden Liegestütze nun anspruchsvoller. CLUB WIEN-Mitglieder erhalten die MFT Core Disc ermäßigt.

Alle Vorteilspartner