Katharina Süsz machte als eine der ersten TeilnehmerInnen das Freiwillige Sozialjahr der AWZ Soziales Wien. Ganze 10 Monate war sie dafür im Tageszentrum Obdach Ester. © Bohmann/Tanja Hofer

 

Freiwillig im Einsatz

Für Berufe im Sozialbereich braucht man neben einem großen Herz viel Geduld, Verantwortungsbewusstsein und das notwendige Fachwissen. Im Freiwilligen Sozialjahr der AWZ Soziales Wien können junge Erwachsene erstmals in den Berufsalltag hineinschnuppern.

Das Freiwillige Sozialjahr (FSJ) der AWZ Soziales Wien GmbH bietet jungen Menschen ab 17 Jahren die Möglichkeit, sich in einem spannenden Umfeld sozial zu engagieren und gleichzeitig ihre persönlichen Kompetenzen zu erweitern. Darüber hinaus kann ein freiwilliges soziales Jahr mit einer Dauer von zehn Monaten den Zivildienst ersetzen. Wie läuft das Jahr ab und wo kann man sich dafür anmelden? CLUB WIEN hat mit Katharina Süsz gesprochen. Sie ist eine der ersten Absolventinnen des Freiwilligen Sozialjahres des AWZ Soziales Wien GmbH. Absolviert hat sie ihr soziales Jahr im Obdach Ester, einem Tageszentrum für obdachlose Frauen. Wie es ihr erging und welche Voraussetzungen man braucht, erfahren Sie hier.

Wohin mit mir?

Gerade einmal mit der Pflichtschule fertig, muss man sich für einen Beruf entscheiden, der einen die nächsten Jahrzehnte glücklich machen soll. Für viele junge Menschen eine recht utopische Vorstellung. Denn woher weiß man, ob die gewählte Ausbildung auch die richtige für einen ist?

Um erste Erfahrungen sammeln zu können und einen Eindruck vom Arbeitsalltag im sozialen Bereich zu bekommen, gibt es seit 2018 das Freiwillige Sozialjahr der AWZ Soziales Wien. Das FSJ bietet die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren und die abwechslungsreiche Arbeit im Sozial- und Gesundheitsbereich der Stadt Wien kennenzulernen. Jährlich ab Herbst können junge Menschen in den Einrichtungen von Obdach Wien und in den FSW-Tageszentren für Seniorinnen und Senioren mitwirken. So fällt die Entscheidung, welchen Beruf man ausüben möchte, am Ende des Jahres doch ein wenig leichter. Doch was passiert während des freiwillige Sozialjahres genau?

Freiwilliges Sozialjahr – Der Ablauf

Rund zehn Monate, mit einer wöchentlichen Einsatzzeit von 34 Stunden, dauert das FSJ der AWZ Soziales Wien. In dieser Zeit bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer monatlich ein kleines Taschengeld in der Höhe von 250 Euro. Sie sind versichert und erhalten nach positiver Teilnahme am Ende ein Abschlusszertifikat. Zudem wird ein praxisorientiertes Bildungsprogramm im Ausmaß von mindestens 150 Stunden absolviert. Dieses enthält unter anderem Fachseminare, Elemente der Berufsorientierung und persönlichkeitsentwickelnde Workshops zu Themen wie Diversität oder Zivilcourage und soll die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Praxisarbeit unterstützen.

Je nach Interesse und Verfügbarkeit können Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den verschiedenen Einrichtungen von Obdach Wien und in den FSW-Tageszentren für Seniorinnen und Senioren ihr Jahr absolvieren. Während dieser Zeit werden sie pädagogisch betreut.

 

Mein Jahr im Obdach Ester

Katharina Süsz verbrachte ihr freiwilliges Jahr im Tageszentrum Obdach Ester. Die Tageszentren von Obdach Wien sind für viele obdachlose Menschen die erste Anlaufstelle. Hier können sie sich untertags aufwärmen, ausruhen, duschen und kochen. Sozialarbeiterinnen und -arbeiter beraten sie und zeigen Wege aus der Obdachlosigkeit auf. Im Obdach Ester arbeiten ausschließlich Frauen, weil viele der Besucherinnen aufgrund von Gewalt- und anderen leidvollen Erfahrungen den Umgang mit Männern scheuen. "Zu Beginn war ich mir im Umgang mit den Frauen, die das Obdach Ester besuchen, noch sehr unsicher. Ich hatte zwar bereits Erfahrung im sozialen Bereich, doch wusste ich noch nicht genau, wie ich mit ihnen umgehen soll", erzählt Süsz.

Während ihrer Zeit wurde sie von Teamleiterin Kibar Dogan und ihren Kolleginnen vor Ort betreut und unterstützt und lernte so bereits nach kurzer Zeit viel dazu. "Ich merkte, dass ich schon nach wenigen Wochen immer mehr und besser mit den verschiedenen Situationen im Tageszentrum zurechtgekommen bin und mich auch sehr gut an ihren Tagesrhythmus anpassen konnte." Die Absolventin kümmerte sich im Tageszentrum unter anderem um die Essenausgabe, schaute, dass überall Ordnung herrscht, sprach mit den Frauen oder hörte ihnen einfach zu.

Ein Jahr voller Erfahrungen

Ende Juni 2019 endete ihr soziales Jahr. Ihre Erfahrungen sind sehr positiv. "Ich habe sehr viel dazugelernt und mich auch weiterentwickelt. In erster Linie lernte ich, wie man am besten mit psychisch kranken Frauen umgeht. Da konnte ich durch die Unterstützung meiner Kolleginnen in der Einsatzstelle über die Monate vieles lernen. Außerdem durfte ich mich in Sachen Rhetorik und Gesprächsführung sehr weiterentwickeln. Ich achte jetzt sehr darauf, was man sagt und wie man etwas sagt. Auch meine Weltanschauung hat sich durch das FSJ ein Stück weit verändert. So sehe ich jetzt viele alltägliche Dinge aus einem anderen Blickwinkel und viele Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens sind für mich nicht mehr selbstverständlich", erzählt die Absolventin, die sich aufgrund der Arbeit im Obdach Ester für eine Ausbildung im Gesundheits- und Sozialbereich entschlossen hat. Nach der Frage, ob sie das Freiwillige Sozialjahr weiterempfehlen würde, antwortete sie: "Definitiv. Ich würde das FSJ allen jungen Menschen empfehlen, weil man vor allem als junger Mensch durch ein FSJ sehr viel dazulernen und man auch wirklich in den Berufsalltag hineinschnuppern kann."

Hier geht's zur Anmeldung

Sie sind älter als 17 Jahre und wollen sich weiterentwickeln oder in den Alltag des Gesundheits- und Sozialbereichs hineinschnuppern? In den folgenden Bereichen sind Einsatzstellen möglich: Betreuung älterer Menschen, Betreuung von geflüchteten und vertriebenen Menschen sowie Betreuung von obdachlosen Menschen.

Holen Sie sich gleich hier mehr Informationen zum Freiwilligen Sozialjahr. Anmeldungen für den kommenden Jahrgang 2020 sind ab jetzt möglich. Die Aufnahmetagefür den kommenden Jahrgang (Start September oder Oktober 2020) finden ab März 2020 statt.