Die Wirtschaftsagentur Wien unterstützt Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und ermutigt sie Schlüsselpositionen in Wirtschaft und Politik anzunehmen. © iStockPhoto

Frauen in der Wirtschaft

Von der Wiener Wirtschaftsagentur werden Unternehmen und Projekte, die von Frauen geführt oder umgesetzt werden, gefördert. Wie sieht diese Unterstützung aus und welche Rolle spielen Frauen in der Wirtschaft?

Laut einer Statistik der Magistratsabteilung für Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23) gehen in Wien deutlich mehr Männer einer selbstständigen Beschäftigung nach als Frauen. So arbeiten in Wien 2017 insgesamt 7.442 Personen in einem selbstständigen Beschäftigungsverhältnis, davon sind 4.410 Männer und 3.032 Frauen. Doch immer mehr Frauen wagen den Schritt in die Unabhängigkeit. Das Netzwerk "Frau in der Wirtschaft" veröffentlichte in einer Studie, dass 2017 über 30 Prozent der Wiener Einzelhandelsunternehmen von einer Frau geleitet werden, auch mehr als jedes dritte Unternehmen in Österreich, hier liegen wir bei 37 Prozent, wird von einer Frau geleitet. Rund 44,5 Prozent aller in Österreich 2017 gegründeten Unternehmen wurden von Frauen gegründet - Tendenz steigend. Die Wirtschaftsagentur Wien unterstützt Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und vergibt spezielle Förderungen für Forscherinnen. CLUB WIEN sprach mit der Wirtschaftsagentur über Förderungen und Frauen in der Wirtschaft.

Was tut die Wirtschaftsagentur Wien?

Die Wirtschaftsagentur Wien bietet einen 360-Grad-Service für alle Wirtschaftstreibende in Wien: Förderungen und Beratungen, Workshops und weiterführende Coachings bei der Gründung, Hilfe bei der Suche nach Betriebs- und Büroflächen, Kontakte zu möglichen Partnerinnen und Partnern in der Technologieszene oder Kreativwirtschaft. Um Frauen bei Gründungsthemen ganz gezielt zu unterstützen, bietet die Wirtschaftsagentur eine eigene Anlaufstelle.

Bei der Anlaufstelle können sich Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen lassen. Das in Wien einzigartige Angebot reicht von der ausführlichen, individuellen Erstberatung über Hilfe bei der Erstellung von Unternehmensstrategien bis zur kompetenten Beratung zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten für ihr geplantes Vorhaben. Die Gründerinnen können die eigene Geschäftsidee reflektieren sowie sich über die Umsetzbarkeit und Marktchancen informieren.

Frauen in der Forschung

Seit 2004 beschäftigt sich die Wirtschaftsagentur Wien zudem mit der Frage, wie der Frauenanteil in der betrieblichen Forschung erhöht werden kann. Eine stärkere Einbindung von Frauen in Innovations- und Forschungsprojekte eröffnet nicht nur den einzelnen Frauen neue Karrieremöglichkeiten, sondern steigert die Qualität der Projekte, stärkt die Unternehmen und stellt damit einen Wettbewerbsvorteil für Wien dar.

Was ist der FemPower-Call?

Um eine gezielte Frauenförderung zu ermöglichen, entwickelte die Wirtschaftsagentur Wien eigene Förderwettbewerbe, die sogenannten "FemPower-Calls". Mit diesen Förderwettbewerben unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien gezielt Frauen in der betrieblichen Forschung. Unter betrieblicher Forschung versteht man Unternehmen, die an neuen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen arbeiten. Seit 2004 führte die Wirtschaftsagentur Wien sechs dieser Förderwettbewerbe durch und konnte so insgesamt 57 Projekte mit 10,2 Millionen Euro unterstützen. Beim diesjährigen Förderwettbewerb "FemPower IKT 2018" wurden Forscherinnen mit bis zu 500.000 Euro gefördert, die Projekte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik entwickeln. Für den Förderwettbewerb standen insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung, von 29 Einreichungen erhielten neun Projekte eine Förderzusage.

Zusätzlich vergibt die Wirtschaftsagentur Wien bei vielen Förderprogrammen einen sogenannten Frauen-Bonus von bis zu 10.000 Euro an geförderte Projekte, die von einer Frau geleitet oder umgesetzt werden. Damit setzt die Wirtschaftsagentur gezielt einen Anreiz für Unternehmen, Frauen verantwortungsvolle Positionen in der betrieblichen Forschung und Entwicklung zu übertragen.

Die Förderwettbewerbe zeigen Wirkung

Der überwiegende Teil der Frauen, die durch den Förderwettbewerb erstmalig eine Projektleitung bekommen haben, erhielten weitere Projektleitungsaufgaben und/oder Führungsfunktionen. Frauen, die bereits in leitender Funktion waren, konnten ihre Abteilungen vergrößern und ihre Entwicklungsaktivitäten ausbauen. 

Zahlen, Fakten und Daten aus der Wirtschaftsagentur Wien

  • 2017 erhielten 55 von der Wirtschaftsagentur Wien geförderte Projekte zusätzlich zur Fördersumme einen Frauen-Bonus.
  • 2017 haben rund 440 Frauen an spezifischen Workshops für Gründerinnen teilgenommen. Hier lag der Frauenanteil bei 55 Prozent.
  • 2017 haben fast 400 Frauen ein individuelles Beratungsgespräch der Wirtschaftsagentur Wien für Gründerinnen in Anspruch genommen.

Ein Beispiel eines Projekts, das im Zuge der FemPower-Calls gefördert wird, ist der denkende Kopfhörer von Austrian Audio GmbH.

Austrian Audio 

Das junge Tech-Start-up-Unternehmen Austrian Audio nahm mit seinem neuen Projekt 'Smart Acoutics', dem denkenden Kopfhörer, am FemPower-Förderwettbewerb teil. Dieser unterdrückt Geräusche für Menschen, die großem Lärm ausgesetzt sind, und reagiert selbstständig auf die sich verändernde Geräuschkulisse im Umfeld.

Das Projekt, das von Aline Seebacher von Austrian Audio geleitet wird, erhielt von der Wirtschaftsagentur Wien eine Förderzusage von über 500.000 Euro. "Durch die Förderung können wir unser innovatives Forschungs- und Produktentwicklungsprojekt 'Smart Acoustics' realisieren. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir noch ein sehr junges, sich im Wachstum befindliches Unternehmen sind, ist dies eine willkommene Unterstützung. Gleichzeitig sehen wir es als eine großartige Würdigung der Kompetenz unseres Teams", so Aline Seebacher, Projektleiterin von Smart Acoustics.

Aufbauend auf ein innovatives Akustikkonzept will Aline Seebacher und ihr Team eine mechanische Plattform schaffen, die die Entwicklung von Kopfhörern mit und ohne aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) revolutioniert. Ziel ist, Kopfhörer zu entwickeln, die im Bereich aktive Geräuschunterdrückung und der Sound Performance optimale Werte erreichen. "Dank der Förderung der Wirtschaftsagentur können wir dieses Ziel noch effizienter in die Tat umsetzen und auch am internationalen Markt auf hohem Niveau mitwirken", erklärt Seebacher.