Elisabeth Oberzaucher ist IG-Nobelpreisträgerin und als Science Buster bekannt aus Funk und Fernsehen. © Marin Gazzari

Frauen in der Forschung: Die Anti-Nobelpreisträgerin

Vom Sex im Harem bis zum gemeinsamen Garteln: Das Forschungsfeld von Elisabeth Oberzaucher ist breit und brachte der Wiener Wissenschafterin den IG-Nobelpreis ein. Dass Wissenschaft und Witz kein Widerspruch sind, beweist sie auch bei den Science Busters.

Elisabeth Oberzaucher (LINK) ist Verhaltensbiologin. Sind Freundinnen und Freunde wichtiger als Beziehungen? Bekommen attraktive Frauen mehr Kinder? Warum wirkt eine Stimme attraktiv? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich die Forscherin bereits seit 2000. Die gemeinsame Klammer über den unterschiedlichen Projekten: wie sehr menschliches Verhalten evolutionsgeschichtlich geprägt ist und unser Denken, Fühlen und Handeln bis heute beeinflusst. Ein abwechslungsreicher Job, sagt sie. "Weil es viele Überlappungen mit anderen Disziplinen gibt. In der Verhaltensbiologie läuft alles zusammen, von der Psychologie bis zur Physiologie. Es gibt nichts, was man nicht miteinbeziehen muss, wenn man verstehen will, warum der Mensch tut, was er tut."

Wechselwirkung Umwelt Mensch

Neben ihrem langjährigen Lehrauftrag an der Universität Wien übernahm Oberzaucher im Vorjahr auch die wissenschaftliche Leitung von "Urban Human". Das Forschungszentrum untersucht das Verhalten von Menschen im urbanen Raum. "An sich sind wir ja nicht darauf angelegt, in Städten zu leben", erklärt sie. Dennoch wachsen Metropolen immer schneller. "Evolutionsbiologisch stellt uns das vor völlig neue Herausforderungen." Die schwierige Aufgabe dabei: Wie bringt man unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut? Im Verkehr, im Park, in ganzen Wohnvierteln. So, dass sich auf begrenztem Raum alle wohlfühlen. Helfen könnten wissenschaftliche Erkenntnisse, etwa aus Stadtforschung, Umweltpsychologie, Soziologie, Verhaltensbiologie, und damit verbundene Lösungsvorschläge. Ein Ansatz, der Oberzaucher wichtig ist. "Diesen Bogen von der Grundlagenforschung zur angewandten Forschung möchte ich in meiner Arbeit nie verlieren."

Baumscheiben verbessern soziales Klima

Ein Beispiel dafür ist das Bedürfnis der Menschen nach Nachbarschaft und Nähe. Oberzaucher: "Untersuchungen zeigen, dass sich das soziale Klima durch gemeinsames Garteln verbessert. Wenn man auf freien Plätzen Baumscheiben aufstellt, die von Anrainerinnen und Anrainern bepflanzt und gepflegt werden, kommt man wieder mehr ins Gespräch", erklärt die Forscherin. "Das ist im Prinzip, wie wenn man mit einem Hund spazieren geht. Man findet einfach leichter Anknüpfungspunkte." Die Folge ist, dass man nicht mehr anonym nebeneinanderwohnt, sondern besser aufeinander aufpasst.

Wien stellt die richtigen Fragen

Das Ziel ist, Städte wieder lebenswerter zu machen. "In Wien ein durchaus schwieriges Unterfangen", gibt Oberzaucher gerne zu. "Schließlich sind wir wiederholt zur lebenswertesten Stadt weltweit gewählt worden." Dennoch könne man auch hier noch etwas verbessern. "Weil die Stadt bereit ist, die richtigen Fragen zu stellen, und mit Forscherinnen und Forschern gut zusammenarbeitet. Auch was deren Förderungen betrifft." Sie selbst hat sich in der Anfangsphase Unterstützung von der Wirtschaftsagentur Wien und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, WWTF, geholt. "Diese Initiativen sind hilfreich, auch um Kooperationsmöglichkeiten für die eigene Arbeit zu finden", sagt sie.

Wissenschaft mit Witz

Dass seriöse Forschung nicht humorlos sein muss, bewies Oberzaucher mit ihrem wohl aufsehenerregendsten Projekt. Darin befasste sie sich mit Moulay Ismail und seiner legendären Manneskraft. Der marokkanische Sultan soll in 32 Jahren 1.171 Kinder gezeugt haben. Oberzaucher erstellte gemeinsam mit dem Wiener Anthropologen Karl Grammer ein Computermodell und errechnete, wie oft der Mann Sex haben musste, damit sich das ausgeht. Dabei wurden Faktoren wie Fruchtbarkeit und Eisprung ebenso berücksichtigt, wie die Tatsache, dass 500 Frauen im Harem des Herrschers lebten. Das Ergebnis: "Es ist harte Arbeit, aber mit zwei Mal Sex am Tag machbar", versichert sie.

IG-Nobelpreis

Für die ungewöhnliche Untersuchung erhielt Oberzaucher 2014 den IG-Nobelpreis. Diese Satireauszeichnung wird seit 1991 an kuriose, aber ernsthaft durchgeführte Forschung vergeben. Von einem Komitee, in dem Oberzaucher mittlerweile selbst sitzt. Auf die Frage, was ihr der Preis gebracht hat, antwortet sie dennoch nüchtern: "Mehr Interviewanfragen. Natürlich habe ich mich darüber gefreut. Aber auf meine Arbeit als Wissenschafterin wirkt es sich nicht aus. Im Gegenteil, es kostet viel Zeit, die mir dann für meine Arbeit fehlt."

Die Neue bei den Science Busters

Mit der Zeit könnte es demnächst noch knapper werden. Oberzaucher ist seit Anfang des Jahres auch Mitglied bei den Science Busters. Die erste Staffel des neu besetzten Wissenschaftskabaretts wird derzeit aufgezeichnet und ist ab April im ORF zu sehen. Eine große Herausforderung. Für Wissenschafterinnen und Wissenschafter soll es ja angeblich nicht so leicht sein, ihre Forschung einfach, unterhaltsam und mediengerecht zu präsentieren. Oberzaucher sieht das nicht so: "Man sollte immer in der Lage sein, die eigene Arbeit verständlich zu kommunizieren."

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