Schöne Motive gibt es am Zentralfriedhof viele. Beim VHS-Fotospaziergang übt man gemeinsam, wie man das Beste aus diesen herauskitzelt. Dann sehen Ihre Fotos auch garantiert besser aus als unsere! © Bohmann

 

Fotografieren am Wiener Zentralfriedhof

FotografInnen schätzen den Zentralfriedhof für seine Stimmung. Doch wie klappt das perfekte Bild? Bei einem Fotospaziergang der VHS Wien können Sie Ihr Kamerawissen testen und verbessern.

Wien hat viele einzigartige Sehenswürdigkeiten. Der Wiener Zentralfriedhof ist eine davon. Mit einer Größe von fast zweieinhalb Quadratkilometern ist der Friedhof nicht einfach nur einer der größten in Europa. Die einmalige Mischung aus Natur, Jugendstil, Ehrengräbern und einem spirituellen Ambiente macht den Zentralfriedhof zu einem beliebten Ausflugsort. Auch Fotografinnen und Fotografen schätzen den Zentralfriedhof für die einmaligen Fotos, die man dort machen kann.

Von der einsamen Krähe, die ihre Runden durch den Friedhof dreht, über Jugendstil-Bauwerk wie die Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus bis hin zu den vielen kleinen Kunstwerken und Statuen, die über den Friedhof verteilt sind: Motive gibt es viele. Stellt sich nur noch die Frage, wie es gelingt, aus dieser Fülle an Fotooptionen wirklich gute Bilder herauszuholen. Wenn es Ihnen wie uns geht, dann klappt das nicht unbedingt immer.

Gemeinsam den Zentralfriedhof abbilden

Die ideale Möglichkeit, bessere Fotos zu machen, ist der Kurs „Fotografieren am Wiener Zentralfriedhof“ der Wiener Volkshochschulen. Ziel des Kurses ist, die mythische Stimmung einzufangen und sein Grundwissen über Fotos zu erweitern. Ausprobieren, tüfteln, austauschen: Der Fotospaziergang könnte Ihr Weg zum perfekten Schnappschuss sein. Die VHS bieten übrigens generell eine große Auswahl an spannenden Kursen zum Thema Fotografie an. Einen Überblick finden Sie auf der VHS-Homepage. Dort finden Sie auch viele Online-Kurse zum Thema Fotografie.

Kursleiterin Anira Ivo unterrichtet seit vier Jahren an den Volkshochschulen. Den Zentralfriedhof schätzt sie als Motiv. „Es ist eine eigene Welt, die man hier betritt. Der Anblick von Grabstätten erweckt in den Betrachterinnen und Betrachtern Stimmungen. Die Räume stellen sich sehr unterschiedlich dar. Geht man nur ein bisschen in die Hocke, ändert sich die Perspektive schon sehr deutlich. Schaut man einen Grabstein an, kann eine Geschichte heraufdämmern. Schaut man dann hinter den Grabstein, ändert sich die Welt. Die Gießkanne, die versteckte Blumenvase, das kleine Blümchen, der Löwenzahnstrunk, der ums Überleben kämpft, sprechen eine andere Sprache als die auf Hochglanz polierten Grabsteine.“

 

Ihre Lieblingsplätze findet die Fotografin vor allem im alten, jüdischen Teil des Friedhofs. Warmes Abendlicht oder auch Schlechtwetterstimmungen sind für Ivo die beste Zeit, um ganz besondere Bilder zu machen. Im Kurs geht es weniger um allgemeine Tipps und Instruktionen. „Ich vermeide allgemeine Tipps. Ich greife die Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf und schaue konkret, welche Informationen sie für den jeweiligen Entwicklungsstand brauchen können“, sagt Ivo.

Fotos sollen Geschichten erzählen

Bildgestaltung, Bildeinteilung, verschiedene Perspektiven, viel ausprobieren: All das sind Dinge, über die man vor Ort lernen soll. Dabei zählen nicht vorgefertigte Anweisungen, sondern Erfahrungen. „Ein Fotowalk ist kein klassischer Kurs, sondern ein Spaziergang, der zum Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern führen soll. Ich begleite diesen und helfe bei allen anfallenden Problemen und Fragen“, sagt Ivo. Über die Frage, was ein gutes Bild ausmacht, kann man natürlich stundenlang diskutieren. Schönes oder interessantes Licht, interessante Menschen oder Gegenstände so ins Bild gerückt, dass wie von selbst eine Erzählung entsteht, sind die Ansätze, die helfen, ein Bild besonders zu machen.

Typische Fehler kommen Ivo naturgemäß oft unter, einer ganz besonders: „Sich hinstellen und abdrücken ohne Plan. Wichtig ist, sich zu überlegen: Was soll wirklich auf dem Bild sein und was nicht? Welche Geschichte soll das Bild erzählen? Dann können sich Ideen entwickeln, was es braucht, um eine Geschichte zu erzählen. Dann macht man ein Foto, kann es nach verschiedenen Kriterien analysieren und kann es verbessern“, sagt Ivo. „Ein häufiger Fehler ist auch die ‚wilde Schießerei‘. Hunderte von Fotos werden geschossen, unter dem Motto ,Irgendwas wird schon dabei sein‘. Und wer sucht dann aus diesen Hunderten ideenlos geschossenen Bildern aus?“

Welche Kamera man mithat, spielt keine allzu große Rolle. Es sollte nur eine sein, die man gerne mitnimmt und die Spaß macht. Sogar das Handy ist eine Option. Einer der häufigsten Fotomythen ist, dass ohne teure Kamera nichts geht. „Es gibt Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer, die haben fantastische Ausrüstungen, haben auch schon Fotobücher durchgeblättert und setzen sich selber unter Druck, da muss doch ein gutes Bild entstehen. Gerade diese Leute müssen lernen, zuerst einmal geduldig zu schauen und erst dann den Auslöser zu drücken“, sagt Ivo.

Wer weiß, vielleicht hilft der Kurs sogar uns dabei, endlich einmal ein richtig gutes Foto vom Zentralfriedhof zu machen … Der nächste Termin ist am 28. Februar, der Fotospaziergang findet auch danach regelmäßig statt. Alle Infos dazu und zu vielen weiteren Kursangeboten gibt’s auf www.vhs.at.