Wissenschaftsreferent Daniel Löcker spricht über Förderungen, zukünftige Aufgaben und deren Erfüllung. © PID/Alexandra Kromus

„Wir wollen junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter an Wien binden“

Wissenschaftsreferent Daniel Löcker im Interview.

Welche Projekte werden derzeit vom Wissenschaftsreferat der Stadt gefördert?

Wir laden verstärkt Institute ein, sich neue, originelle Formate und Inhalte zu überlegen. Ich gebe ihnen gern ein Beispiel aus dem Bereich der Wissenschaftsvermittlung: so hat das unabhängige, von uns geförderte Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) im 9. Bezirk Interessierten an einem dezentralen Ort aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert und Fragen beantwortet. Bei diesem „Speed Dating“ wurden sehr viele Menschen erreicht, die sonst mit Wissenschaft wenig oder nichts zu tun haben. Das ist Wissenschaftskommunikation vom Feinsten: Wissenschaft lädt eine breite Öffentlichkeit ein, sich mit Wissenschaft auseinanderzusetzen.

 

Sie sind seit Oktober 2016 Wissenschaftsreferent der Stadt Wien. Was sind Ihre Aufgaben und was konnten Sie bisher umsetzen?

Das Referat für Wissenschafts- und Forschungsförderung der Kulturabteilung – MA 7 wickelt ein Subventionsbudget von rund 34 Millionen Euro im Jahr ab. Davon geht einer großer Teil unter anderen an das Wien Museum, das Jüdische Museum Wien sowie zahlreiche andere große Fördernehmerinnen und -nehmer im Wissenschaftsbereich, wie etwa die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Ludwig Boltzmann-Gesellschaft oder das Wiener Wiesenthal Institut (VWI) für Holocaust-Studien, das vor wenigen Tagen neu eröffnet wurde. Insgesamt werden viele Hundert universitäre und außeruniversitäre Institute und Einrichtungen, Buchverlage, aber auch junge WissenschafterInnen direkt mit Stipendien unterstützt.

Meine Mitarbeiterinnen stehen dazu täglich mit der Community in Kontakt, Subventionsvergabe erfordert schließlich auch Fördervereinbarungen sowie deren penible Abrechnung. Neben den institutionellen Jahresförderungen stehen derzeit rund 1 Million Euro für Projektförderungen in allen wissenschaftlichen Disziplinen bereit. Dies umfasst auch  Stipendien an herausragende junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter und Druckkostenzuschüsse für Publikationen wissenschaftlicher Verlage, deren Unterstützung der Stadt Wien ein großes Anliegen ist.

Traditionell werden seit einigen Jahrzehnten auch Finanzmittel aus fünf wissenschaftlichen Fonds, denen der Herr Bürgermeister vorsteht, ausgeschüttet. Die Empfänger dieser Fördergelder sind dann sehr qualifizierte Forscherinnen und Forscher mit internationaler Anerkennung an den Universitäten, wie zum Beispiel der Uni Wien, der WU, der TU, der MedUni oder der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Dabei werden jährlich jeweils Ausschreibungen zu einem bestimmten thematischen Bereich gemacht, zu dem dann die besten Wissenschafterinnen und Wissenschafter punkten. Das geht dann ganz konkret in Bereiche, wie die Erforschung von Krebskrankheiten auf allerhöchstem Niveau.

Welche Fragestellungen stehen im Mittelpunkt?

Meine Absicht ist es, mehr Wettbewerb bei Einreichungen zu ermöglichen, der Bund und andere Forschungsförderungsfonds tun dies auch - und etwas höher dotierte Projekte. Ein Teil des frei verfügbaren Geldes für Projektförderungen wird künftig ausgeschrieben, jedes Jahr zu einem anderen Thema. Im März 2017 ein „Call“ zum Gedenk- und Bedenkjahr 2018: „100 Jahre Republik Österreich – Geschichte, Gegenwart und Zukunft in Wien“, der mit 300.000 Euro, also einem Drittel der frei verfügbaren Geldmittel gefüllt ist. Der Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Österreichische Akademie der Wissenschaften wird zum selben Thema einen Aufruf starten, das heißt, der Betrag wird verdoppelt. Wir wollen aber keine Konzepte mit „Patina-Charakter“, sondern suchen innovative, relevante Projekte, die zukunftsweisend sind. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch, dass die Stadt wechselnde Themenschwerpunkte setzt. Hinzu kommt die Transparenz: Entscheidungen für Projektförderungen wollen wir verstärkt mithilfe von Jurys und Beiräten treffen.

Apropos Wissenschaftsvermittlung: Wie geht es mit den Wiener Vorlesungen weiter?

Dieses in Europa einmalige und hochkarätige  Wissenschaftsformat für eine breite Bevölkerungsschicht bleibt nach dem Ausscheiden seines Gründers, Hubert Christian Ehalt erhalten. Wir werden die Wiener Vorlesungen mit ihren bisher rund 600.000 Besucherinnen und Besuchern und 1500 Vortragenden selbstverständlich weiterführen. Aber wir werden inhaltlich und formal neue Akzente setzen und neben dem Rathaus auch neue unkonventionelle Orte suchen. Wichtig ist, dass Wissenschaft den Menschen, uns Normalsterblichen, näher gebracht wird und das auch weiterhin zum Nulltarif. Besonders die Jungen gilt es, vor den Vorhang zu holen. Mehr wird aber erst im Herbst verraten.

Werden auch junge Forscherinnen und Forscher gefördert?

Da Forschungsförderung per Verfassung Sache des Bundes ist, wollen wir die in Wien lebenden Menschen fördern, jene die in Lehre, Forschung und Administration arbeiten. Wir vergeben jährlich Stipendien und mehr als 20 wissensbasierte Preise an die besten der insgesamt rund 200.000 Studierenden der Wiener Universitäten, Privatuniversitäten und Fachhochschulen.

Tragen die Forschungsergebnisse zu einer besseren Zukunft der Stadt bei?

Ja, natürlich, denn bei alldem gilt: Das beforschte Thema muss relevant und innovativ sein, qualitativ hochwertig mit soliden Forschungsfragen, muss mit Wien zu tun haben und vor allem ist mir persönlich wichtig, es sollte  einen Gegenwartsbezug aufweisen. Forschung soll im besten Falle helfen, die drängenden Fragen unserer Zeit, unserer Gesellschaft, zu beantworten, wobei gilt, dass Forschung auch immer scheitern können muss. Die Vergangenheit ist wichtig, aber in erster Linie geht es um die Gestaltung der Zukunft.

Es werden also Institute gefördert, Menschen in der Forschung, welche Rolle spielt die Verwaltung dabei?

Verwaltung kann helfen! Neben der genannten Unterstützung von Instituten und Menschen durch Subventionsmittel gibt es eine dritte Schiene der Unterstützung, die Vernetzung. Zum Beispiel in der strukturierten Dialogplattform, die Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Universitätsbeauftragter der Stadt etabliert hat. Wir (Anmerkung: Dienststellenleiter der MA 23 Klemens Himpele und Daniel Löcker) treffen einander in regelmäßigen Abständen mit den Rektorinnen und Rektoren, Verantwortlichen von Instituten, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Einbeziehung betroffener Magistratsabteilungen.

Wir arbeiten dann gemeinsam eine Tagesordnung ab. Denn zu Förderungen gehören auch Infrastrukturmaßnahmen und die Errichtung von Gebäuden, wie das internationale Gästehaus in der Seestadt Aspern, das für aus dem Ausland kommende Forscherinnen und Forscher errichtet wird. Es geht oft darum die richtigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur richtigen Zeit zusammen zu bringen, Jurys zusammenzustellen und betroffene Organisationen einzubinden und zu beraten.

Aber auch bei der außeruniversitären Förderung spielt Vernetzung eine große Rolle: Wir verknüpfen die Magistratsabteilungen und nachgelagerte Dienststellen. Das heißt, wir unterstützen nach bestimmten Kriterien Forschung, über uns laufen zahlreiche Projektvorhaben, die ihren Ursprung in Bereichen, wie der Wirtschafts- und Technologieförderung oder der Stadtplanung haben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Wissenschaftsstadt Wien?

Wien hat seit 1. Jänner 2017 in punkto Bevölkerungszahl Bukarest überholt und ist damit die sechstgrößte Stadt in der EU und die zweitgrößte im deutschsprachigen Raum. Es wird uns also gut tun, innovative Wissenschafterinnen und Wissenschafter, junge Talente aus dem In- und Ausland anzuziehen, die ihre Perspektive über den Tellerrand hinaus bei uns einbringen. 53% der Belegschaft im Silicon Valley haben Auslandshintergrund. Eine internationale wissensbasierte Forschungslandschaft brauchen wir auch für die Beantwortung zentraler demokratiepolitischer Fragen. Damit meine ich zum Beispiel, wie Städte mit einer rasch älter werdenden Gesellschaft umgehen, mit Integration, mit Wohnbau, Gesundheit, aber auch mit zunehmender Digitalisierung.

Die Life Sciences sind ein Stärkefeld der Stadt, um diese bemüht sich insbesondere auch der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF), mit dessen Chef, Michael Stampfer, wir uns eng abstimmen. Wir bei der MA 7 sind traditionell sehr stark mit Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften befasst. Neben Wissenschaft und Forschung fördern die anderen Referate der Kulturabteilung auch zum Beispiel Literatur, Musik, Bildende und Darstellende Kunst, aber auch Film und Neue Medien. In allen Bereichen wollen wir mit Forschungsförderung für gute, relevante Arbeiten mit Gegenwartsbezug dazu beitragen, das Zusammenleben noch besser zu gestalten.

Infos: www.kultur.wien.at

Berufliche Laufbahn von Daniel Löcker

Nach einem Geschichte- und Publizistikstudium war Daniel Löcker (49) in einem Wiener Verlag beschäftigt, ab 1995 im Arbeits- und Sozialministerium für grenzüberschreitende Projekte mit den neuen Beitrittsländern zuständig und arbeitete später in der Europäischen Kommission in Brüssel. 1998 trat er in die Magistratsdirektion der Stadt Wien ein und wirkte am Aufbau des EU-Förderwesens mit.

Ab 2001 kulturpolitischer Berater von Andreas Mailath-Pokorny, Wiener Stadtrat für Kultur und Wissenschaft für die Bereiche Wissenschaft, Film, Literatur und Erinnerungskultur. In der Mitte seiner Berufslaufbahn habe er allgemeine Ziele hinterfragt und im Rahmen des Masterstudiums Führung Verwaltung Politik (FPM) am FH Campus Favoriten gesehen, wie persönliche Ziele mit beruflichen Herausforderungen in Einklang gebracht werden können. Bis Juli 2016 war er Büroleiter der GGR Kultur, Wissenschaft und Sport, seit Herbst ist er Wissenschaftsreferent der Stadt Wien in der MA 7 und Stellvertreter der Abteilungsleiterin, Anita Zemlyak.

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