Eine Revolution in Sachen Regenwasser

Ein "Wiener Modell" sorgt für Staunen. Verunreinigtes Wasser fließt in den Kanal. Sauberes Wasser bleibt stattdessen im lokalen Wasserkreislauf. Das Projekt gewann bereits den Wiener Ingenieurspreis und wird im Sommer getestet.

Regenwasser ist Thema vieler Projekte in Wien. Der Grund: Es stellt viele Magistratsabteilungen vor Aufgaben. Wien Kanal hat das Problem, dass Starkregen die Kanäle überlasten kann. Die MA 48 - Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark ist darauf angewiesen, im Winter mit Auftaumitteln für sicheren Verkehr zu sorgen. Die MA 42 - Wiener Stadtgärten will nicht, dass diese ihren Pflanzen zugeführt werden. Die MA 45 - Wiener Gewässer muss die Wasserqualität in Wien sicherstellen. Und schlussendlich ist es Mission der Stadt, die Klimabilanz weiter zu verbessern. Unter der Leitung der MA 28 - Straßenverwaltung und Straßenbau arbeiten viele Abteilungen gemeinsam am "Wiener Modell zur Versickerung von Straßenwässern". Auch die Universität für Bodenkultur arbeitet mit. Das Projekt erweist sich als Alleskönner.

Geniestreich namens Drosselklappe

"Stellen Sie sich den Weg des Regenwassers bildlich vor", sagt Bernhard Engleder, Leiter der MA 28. "Sie haben eine Straße samt Fahrbahn, Kanalschächte, Grünstreifen am Rand und eine Sickermulde." Das Wasser rinnt in die Schächte am Straßenrand und wird von dort über einen Kanal abgeleitet. Genau hier setzt die Innovation an. Bis dato gibt es beim Abfluss in den Kanal keine Regulierung, wie viel durchkommt. Das soll sich ändern. 

"Wir bringen beim Rohr, das in den Kanal führt, eine Drosselklappe an. Das ist ein Blech mit einem drei Zentimeter großen Loch, durch welches Straßenwasser abrinnt", sagt Vera Layr, Projektmanagerin bei der MA 28. Da kommt klarerweise viel weniger Wasser durch. "Im Winter gibt es ein geringeres Aufkommen an Regenwasser. Da fällt meist nur Schmelzwasser, Nieselregen oder Tauwasser an. All das kommt problemlos durch die Drosselbohrung. Die Auftaumittel, die im Winter eingesetzt werden, verschwinden vollständig im Kanal." 

Win-win-Situation

Anders im Sommer. Dann gibt es vermehrt starke Regenfälle. Das Wasser kann durch die kleine Drosselöffnung nicht zur Gänze in den Kanal fließen. Der erste Wasserschwall mit Reifenabrieb und anderen Verunreinigungen endet nach wie vor im Kanal. Das nachfließende, weitgehend saubere Regenwasser staut sich zurück und läuft wieder aus dem Schacht raus. Hier kommt die Sickermulde ins Spiel. Die liegt etwas unter dem Straßenniveau. Eine rund 30 Zentimeter dicke Humusschicht hält noch im Wasser verbliebene Verunreinigungen zurück. Das Wasser versickert in der Mulde und gelangt sauber ins Grundwasser. Ein Teil verdunstet auch. Jedenfalls bleibt das Wasser so im natürlichen Kreislauf.

Die MA 28, Leiter Bernhard Engleder ist hier mit Diplom zu sehen, wurde für das Projekt mit dem Wiener Ingenieurspreis ausgezeichnet. © PID/Christian Fürthner

Das erreicht mehrere Ziele. Der Dampf, der beim Verdunsten entsteht, kühlt die Umgebung. Das vermindert die Überhitzung im Stadtgebiet. Die Kanäle sind entlastet und das System gewährt einen effektiven Hochwasserschutz. Und weil Wiens Pflanzen nur sauberes Wasser erhalten, können in diesen Mulden sogar Bäume wachsen. 

Die Anlage wird im Sommer als Pilotprojekt in der Edith-Piaf-Straße in Aspern getestet. "Wenn das zufriedenstellend ist, ist geplant, das System zunächst in der Seestadt, aber auch in anderen Stadterweiterungsgebieten anzuwenden", sagt Engleder. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass man die Anlage kaum warten muss. "Das ist uns sehr wichtig. Zwei Mal jährlich reinigen wir ohnehin gründlich, da verursacht die Drosselklappe nur einen geringen Mehraufwand."

Einfach und effektiv

Das System braucht nicht viel. Am wichtigsten ist Platz. Wie viel genau nötig ist, wird errechnet. Die Kalkulation basiert auf der zu entwässernden Straßenfläche, den Niederschlagsdaten und der Durchlässigkeit des Bodens. In Aspern hat man einen sechs Meter breiten Streifen zur Verfügung. In der Regel werden nur 2,5 bis drei Meter zur Verfügung stehen. Ein Einsatz innerhalb des Gürtels ist platztechnisch dennoch nicht realistisch. In Neubaugebieten und am Stadtrand ist das "Wiener Modell" aber niederschwellig umsetzbar.

"An Lösungen arbeiten wir ständig. Mit diesem System gelang es uns, Antworten auf mehrere Fragen zu finden. Damit haben wir gezeigt, wie hoch die Innovationskraft in Wien ist", sagt Engleder. Das "Wiener Modell" ist schon jetzt ein preisgekröntes Projekt. Letztes Jahr triumphierte es beim Wiener Ingenieurspreis.

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