Die Wohnanlage Am Schöpfwerk in Meidling. © wiener wohnen

Gemeinsam für eine gute Nachbarschaft

Die Serie "Wien im Wandel" beleuchtet das Schöpfwerk, das Wahrzeichen des kommunalen Wohnens der 1980er-Jahre. Für einige ist sie ein architektonisches Modell, für andere ein gut vernetzter Mikrokosmos.

Das Schöpfwerk ist kein Gemeindebau wie jeder andere, sondern bereits eine Kleinstadt. Sie verfügt über eine eigene Polizeistation, ein Postamt, einen Kindergarten und zwei Schulen sowie Gemeinschaftseinrichtungen wie Bücherei, Jugendzentrum und Stadtteilzentrum. Die Anlage hat insgesamt 62 Stiegen mit 1.707 Wohnungen. Für Zustelldienste sowie Besucherinnen und Besucher eine ordentliche Herausforderung. Übersichtspläne helfen bei der Orientierung. Damit ist auch der Platz vor der Kirche leicht zu finden, der Treffpunkt mit Heidrun Paschen von wohnpartner wien ist.

"Im Schöpfwerk wohnen heute über 5.500 Menschen. Sie stammen aus den verschiedensten Kulturen und sprechen weit über 30 Sprachen. Doch alle sehen sich als Schöpfwerker", erzählt sie. Die Projektleiterin und Sozialarbeiterin der Bassena am Schöpfwerk muss es wissen. Sie hat im beliebten sozialen Treffpunkt der Wohnanlage mit vielen von ihnen Kontakt. "Was auffällt: Es gibt im Schöpfwerk einen ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft. Der ist der Kitt, der die Leute zusammenhält."

Video: Kunstgastgeber Gemeindebau

Bemerkenswert ist auch: das Schöpfwerk ist der einzige Gemeindebau Wiens, der ein Gotteshaus beherbergt. Dieses ist aus Betonfertigteilen gefertigt und hat rote Backsteinfelder., Heidrun Paschen: "Aus seinem hohen Glockenturm ertönte noch nie ein Läuten.“ Denn die ersten "Schöpfwerker" stimmten 1982 mehrheitlich dagegen. Sie wollten keinen Glockenlärm.

Die Schöpfwerk-Siedlung verfügt über 18 verschiedene Wohnungstypen. © wiener wohnen

Kleinstadt in der Stadt

Der Architekt der Kirche war Viktor Hufnagl. Er leitete das achtköpfige Architekturteam, das die städtische Mustersiedlung "Am Schöpfwerk" (1967–1980) realisierte. Die Tageszeitung "Die Presse" schrieb nach der Fertigstellung von einem Schlüsselbauwerk, von dem vielleicht wichtigsten Wohnbau im Wien der Nachkriegszeit.
Die Großwohnanlage wurde am Wienerberg, im Süden von Meidling, auf einem rund 18 Hektar großen Areal, also der dreifachen Fläche des Stadtparks, errichtet. Vorbild war der soziale Wohnbau des Roten Wien in den 1930er-Jahren. Dieser bot vielen erstmals leistbare, menschenwürdige Wohnungen mit fließendem Wasser und Toiletten. Die Innenhöfe der Wohnanlagen waren mit zahlreichen Bäumen begrünt und verfügten über Spielplätze. Außerdem gab es Waschküchen, Kindergärten, Bibliotheken und oft auch Trafik und Lebensmittelladen. Sie boten eine vielen bis dahin nicht gekannte Lebensqualität.

Ein engagiertes Duo: Heidrun Paschen und Vincent Wohinz von wohnpartner wien. © wohnpartner wien

Innovativer Architekturmix

Viktor Hufnagl und sein Team wollten diese Wohn- und Lebensqualität bei der Wohnanlage Am Schöpfwerk noch erhöhen. Daher setzten sie nicht auf ein architektonisch einheitliches Mega-Gebäude aus einem Block, wie es etwa bei den Gemeindebauten Rabenhof, Goethehof oder der Karl-Marx-Hof zu finden ist. Die Pläne sahen vielmehr eine intelligent angelegte Modernisierung vor. Heidrun Paschen: "Einen Mix von vier unterschiedlichen Bauteilen, die halbkreisförmig um einen zentralen Park angeordnet sind."
Die Anzahl der Geschoße nimmt von Norden nach Süden ab, damit die Lichtdurchflutung gesichert ist. Bei der U6-Station ragt das 17-geschoßige Doppelhochhaus in den Himmel. Die Oktogone (achteckige Gebäude) mit ihren idyllischen Innenhöfen haben nur vier Stockwerke. "
Auch bei den Wohnungstypen wurde Wert auf größtmögliche Vielfalt gelegt." Die Palette reicht von der Atelier- bis zur Maisonette-Wohnung und viele verfügen über Loggia, Terrasse oder sogar Dachterrasse. Diese Gestaltung der Anlage war wegweisend für den kommunalen Wohnbau der 1980er-Jahre.

Gutes Wohnklima

"Trotz der Dichte der Verbauung war das Schöpfwerk immer eine Anlage, wo sich die Leute wohlgefühlt haben". Laut Umfrage schätzen sie nicht nur das Wohnklima, sondern vor allem die Möglichkeit, in ihrer Anlage mitsprechen und mitwirken zu können. Zum Beispiel im Nachbarschaftszentrum Bassena. Es existiert bereits seit 1982, als rund 6.000 Menschen innerhalb von zwei Jahren in die Anlage einzogen.

Ein beliebter Treffpunkt in der Wohnanlage ist die Bassena. © wohnpartner/Bassena

"Vielen war die Bassena eine Hilfe, um Kontakte zu knüpfen. Sie ist das Symbol des Zusammenhalts", sagt Vincent Wohinz, Teamleiter wohnpartner-Team 5_6_7_12. An den Wänden hängen Bilder aus dem Laufe der Geschichte. Sie erinnern an Feste und andere Ereignisse. Zum Beispiel an das Schöpfwerkfest das jedes Jahr im Sommer über die Bühne geht. "Da kommen bis zu 1.500 Anwohnerinnen und Anwohner und zelebrieren die Gemeinschaft."
Das frisch sanierte Lokal steht allen offen. Es ist Kommunikationszentrum und Drehscheibe der Siedlung. Ein beliebter Treffpunkt, um zwanglos Kaffee zu trinken und zu plaudern, Kunst zu betreiben, Projekte zu entwickeln oder zu feiern.

Kultur und Kommunikation

"Im Monat kommen über tausend Leute. Die Bassena hat einen hohen integrativen Wert", weiß Wohinz aus der täglichen Erfahrung. Sie ist heute Teil eines etablierten sozialen Netzwerks, zu dem auch ein Jugendzentrum und ein Nachbarschaftszentrum gehören. "Viele nutzen die Räume selbstständig. Sie zeigen dabei große Selbstverantwortung. Das hat sich in den vergangenen 32 Jahren bestens eingespielt."
Auch Projekte wie "Mama lernt Deutsch", "Die Nachbarinnen", "Das Kaffee für alle" gehen in der Bassena über die Bühne. Und es gibt immer kulturelle Aktivitäten am Schöpfwerk.

Feuerspucker im Schöpfwerk
Kultur hatte immer eine integrative Kraft. © wohnpartner/Bassena

In angenehmer Erinnerung sind vielen etwa die 18 Konzerte der Wiener Festwochen "Stadt der Musik – Der Gemeindebau klingt" im Schöpfwerk oder das Konzert der Wiener Sängerknaben in der Kirche. Zum Festival "Kunstgeber Gemeindebau" gibt es einen Film.
Viel bekannter ist jedoch der Kultfilm "Muttertag – Die härtere Komödie" von Harald Sicheritz, der in der Siedlung spielt. Er zeichnet ein schräges Bild der Siedlung und präsentiert eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs. Für Aufsehen hatten davor einige Gewaltverbrechen gesorgt. Sie brachten die Siedlung in die Schlagzeilen.
"Das in einigen Medien vermittelte Bild eines gefährlichen Ghettos mit hoher Verbrechensrate ließ sich durch Kriminalstatistiken nie belegen", sagt Experte Wohinz. Doch ein einmal angekratzter Ruf lässt sich nur schwer korrigieren und führt gelegentlich auch zu skurrilen Ansichten. "Wir hatten Besuch von Kollegen aus Marseille. Die dachten, das Schöpfwerk sei ein Problemviertel mit Bandenunwesen. Die haben sich bei den zahlreichen Lokalaugenscheinen in Wien schön gewundert, dass dem nicht so war."

Kinderlärm: auch am Schöpfwerk immer wieder ein Thema. © wohnpartner/Bassena

Ärger mit dem Lärm

Das Schöpfwerk ist auch nur ein Gemeindebau – aber eben ein riesiger. Ein Problem gibt es auch hier: Lärm, der nicht eindeutig zuordenbar ist. Vincent Wohinz nennt ein Beispiel: "Eine Seniorin hat sich über einen jüngeren Bewohner, der über ihr wohnt, geärgert. Warum? Weil er sie jeden Abend, wenn sie einschlafen wollte, mit einem lauten Rumps weckte. Sie dachte, er könne sie nicht leiden und mache ihr das zu Fleiß. Beim Vermittlungsgespräch hat sich herausgestellt, dass er ein Klappbett hat, das für die tägliche Lärmbelästigung sorgte. Da sieht man, dass die Annahme nicht mit der Realität übereinstimmen muss."

Die Zeitschrift Schöpfwerk Schimmel einst und jetzt. © Bassena|/wohnpartner wien

Praktizierte Nachbarschaftshilfe

Doch wo ein Schatten ist, übersehen viel allzu gerne das Licht. Die Anlage scheint trotz ihrer enormen Größe ein guter Boden für Integration zu sein. Ein Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner hat Migrationshintergrund. Die größten zugereisten Communitys haben ihre Wurzeln in Ex-Jugoslawien, der Türkei, Ägypten und auf den Philippinen. Letztere kamen mit dem Pflegestellenmangel nach Wien.
Projekte wie "Willkommen Nachbar" helfen bei der Integration. Da erhalten Neuankömmlinge beim Einziehen Hilfe von geschulten Alteingesessenen. Diese Plattform ist eng mit den Mieterbeiräten vernetzt. "
Die Leute sind überraschend offen gegenüber jenen, die neu in die Siedlung dazukommen", ist die Heidrun Paschen überzeugt. "Das liegt auch daran, dass die Mischung der verschiedenen Gruppen sowie zwischen Jung und Alt passt."
Darüber berichtete auch der "Schöpfwerk Schimmel", die rund 40-seitige Stadtteil-Zeitung. Er wird zwei Mal im Jahr von den Institutionen gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern geschrieben und herausgegeben.

Solarstrom vom Dach

Thema der Zeitung war auch die Sanierung der Anlage, die etwa die Wärmedämmung der Fassaden sowie neue Fenster und Türen umfasste. Und die neuen Solaranlagen auf den Flachdächern. "Eine Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern initiierte diese umweltfreundliche Form der Stromerzeugung. Sie hat mit Wiener Wohnen gesprochen, die mit Wien Energie", weiß Heidrun Paschen. Die Photovoltaikanlage produziert im Jahr 330.000 Kilowattstunden Naturstrom. Das entspricht einem Jahresstromverbrauch von 3.667 Kühlschränken. Im Rahmen des Beteiligungsmodells räumte Wien Energie den Mieterinnen und Mietern ein Vorkaufsrecht ein. Mit Erfolg, denn viele nutzten die Gelegenheit, auf diese Weise den Umwelt- und Klimaschutz zu unterstützen.

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