Susanne Hayder sucht in der Datenbank nach einer alten Grabstelle. © Bohmann/Hofstetter © Bohmann/Hofstetter

Lebendiger Friedhof

Der Sankt Marxer Friedhofspark ist ein Zeugnis der Biedermeierzeit. Die letzte Ruhestätte Mozarts und eine beliebte Grünanlage. Susanne Hayder von der MA 7 sorgt für den Erhalt der bis zu 200 Jahre alten Grabsteine.

Die letzten Beerdigungen am Sankt Marxer Friedhof fanden kurz nach der Eröffnung des Zentralfriedhofs 1874 statt. Seither haben Wind und Wetter den Grabsteinen zugesetzt, viele Inschriftentafeln mit den Namen der Verstorbenen gingen verloren. Und doch lebt die Erinnerung an die dort zur letzten Ruhe gebetteten Wienerinnen und Wiener weiter: so auch in einer Datenbank und auf einem großen Plan.

Rund 15.000 Beerdigungen fanden zwischen 1784 und 1874 auf dem Sankt Marxer Friedhof statt. Anhand von Friedhofsbüchern, Aufzeichnungen und Berichten wurde ab 1997 die Erfassung und Inventarisierung der Gräber durchgeführt. Die Ergebnisse sind in eine Datenbank und einen Lageplan eingeflossen, die als Basis für Restaurierungsarbeiten an den erhaltenen Grabsteinen dienen.

Wo: 3., Friedhof Sankt Marx, Leberstraße 6-8
Öffnungszeiten:
1. April bis 30. September, 6.30 bis 20 Uhr, 1. Oktober bis 31. März, 6.30 bis 18.30 Uhr

Video: Lebendiger Friedhof

Gräber werden erhalten

Susanne Hayder von der MA 7 - Kulturabteilung der Stadt Wien behält mithilfe des Plans und der Datenbank den Überblick über Tausende von Namen, Grabadressen und Details zu den Grabstätten. Sie ist für die Koordinierung der Erhaltung und Pflege der rund 5.600 bis heute erhaltenen Grabdenkmäler zuständig. "Leider kann nicht jeder Grabstein gerettet werden. Krusten- und Schalenbildung sind bei manchen so fortgeschritten, dass sie förmlich zerbröseln", erklärt Hayder. Bei regelmäßigen Sicherheitsbegehungen wird ermittelt, welche Grabsteine gelegt werden müssen und welche, von Bauzäunen umgeben, darauf warten, bis sie neu verzapft oder restauriert werden können. Sicherheit geht vor, immerhin ist der ehemalige Friedhof heute eine öffentlich zugängliche und beliebte Parkanlage.

Licht und Schatten

Trotz des morbiden Grundtons ihrer Aufgabe schätzt Hayder ihre Tätigkeit: "Traurig bin ich nur, wenn ich im Rahmen einer Begehung einen Grabstein liegen sehe, der vor einem Jahr noch gestanden ist. Obwohl es geplant und notwendig war, ist es doch ein Verlust." Gleichzeitig gibt es immer wieder Grund zur Freude. Zu Allerheiligen und zur Zeit der Fliederblüte kommen besonders viele Anfragen von Menschen, die einzelne Grabstellen suchen, teils weil es sich um ihre Vorfahren handelt, teils aus historischem Interesse. "Ich freue mich immer, wenn ich mithilfe unserer Datenbank die Grabadressen ermitteln kann", sagt Hayder.

Am großen Friedhofsplan sind alle bekannten Gräber aus über 90 Jahren markiert. © Bohmann/Hofstetter

Friedhofsplan

Mit dem Ausfindigmachen der Grabstellen in der Datenbank ist die Suche nicht abgeschlossen. Es ist nicht einfach, sich auf dem einzigen erhaltenen Wiener Biedermeierfriedhof zurechtzufinden. Selbst auf dem großen Plan sind die Reihennummern und Grabstellennummern winzig und dicht gedrängt eingetragen. "Es dauert einige Zeit, bis man ein Gefühl für den Plan bekommt und die Grabstellen finden kann. Wenn man auf dem Friedhof unterwegs ist, ist es noch schwieriger. Die Restauratorinnen und Restauratoren haben es vor Ort nicht leicht, immer das richtige Objekt zu finden."

Wechselvolle Friedhofsgeschichte

Verworren und verwunschen, so präsentiert sich der Sankt Marxer Friedhof seinen Besucherinnen und Besuchern. Seine wechselvolle Geschichte beginnt mit seiner Gründung im Jahre 1784 unter dem Reformkaiser Joseph II. als Kommunalfriedhof. Der Friedhof war ursprünglich nur für einfache Schachtgräber vorgesehen, die mit Holzkreuzen versehen wurden. Da Holz besonders schnell verrottet, sind die Gräber aus dieser Zeit besonders schwer auffindbar. Das Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 6. Dezember 1791 in einem dieser Schachtgräber bestattet. An der vermuteten Stelle der Beisetzung steht heute ein schlichtes, aber liebevoll mit Blumen geschmücktes Grab, das gerne von Touristinnen und Touristen aufgesucht wird.

Der Tod ist ein Wiener

Rund um den alten Kernbereich gab es in den Jahren 1837 und 1858 zwei Friedhofserweiterungen. Die schlichten Schachtgräber haben sich in Wien nie wirklich durchgesetzt. Immerhin heißt es in einem berühmten Lied von Georg Kreisler: "Der Tod, das muss ein Wiener sein." "Ich glaube zwar nicht, dass die Wienerinnen und Wiener gar so morbid sind. Aber sie kultivieren gerne eine gewisse melancholische Stimmung. Deswegen würden sie sich auch ein schönes Grab nie nehmen lassen", erklärt Hayder. Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Anlage der Erweiterungen mit breiten Wegen, den Eingangsbauwerken und den backsteinernen Portalbauten.

In den Dornröschenschlaf gefallen

Nach der Errichtung des Zentralfriedhofs 1874 wurde der Sankt Marxer Friedhof geschlossen. Einige der prominenten Verstorbenen bekamen ein Ehrengrab auf dem neuen Zentralfriedhof. Der Sankt Marxer Friedhof verfiel hingegen in einen Dornröschenschlaf. Sträucher und Bäume wuchsen zwischen den Grabreihen, Moose und Schlingpflanzen überzogen die Grabsteine. "Das heutige verwachsene und verwunschene Aussehen des Sankt Marxer Friedhofs rührt von dieser Zeit her", so Hayder. Nach der Wiedereröffnung in den 1930er-Jahren, Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, Verkleinerungen zugunsten von Bauvorhaben und seiner Restaurierung ist der Sankt Marxer Friedhof heute ein beliebter Park. Die grundverwaltende Stelle ist die MA 42 - Wiener Stadtgärten. Die Obhut über die Grabdenkmäler liegt bei der MA 7 - Kulturabteilung und damit bei Susanne Hayder.

Lebendiger Friedhofspark

Wenn Hayder privat im Friedhofspark unterwegs ist, freut sie sich vor allem über die Menschen, die ihre Mittagspause im Freien verbringen, joggen oder Sonne tanken. Dabei fällt ihr immer wieder auf, dass die Sitzbänke mit steigenden Temperaturen anfangen, ihren Standort zu verändern. "Nein, da sind keine Geister am Werk", weiß Hayder. Sie schmunzelt: "Die Besucherinnen und Besucher verrücken die Bänke, um ein Picknick im Grünen zu genießen oder die Sonne besser einfangen zu können. Das ist zwar eigentlich verboten, gleichzeitig zeugt es aber vom Leben, das den Sankt Marxer Friedhofspark erfüllt."

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