Das Drucker Forum beschäftigt sich mit den Fragen, die die Managementwelt bewegen. © Peter Drucker Society Europe

Drucker Forum: Innovation ist die treibende Kraft

Am 16. und 17. November 2017 findet das Peter Drucker Forum in Wien statt. Es ehrt den legendären Management-Vordenker Peter Drucker. CLUB WIEN hat mit Curt Carlson, ehemaliger CEO von SRI International, gesprochen.

CLUB WIEN: Innovation ist Ihr Spezialgebiet. Denken Sie, Wien ist eine innovative Stadt? Kann Mitteleuropa den internationalen Standards gerecht werden?
Curt Carlson: Es gibt Hotspots quer über Europa und alle verstehen, dass wir einen noch viel besseren Job in Sachen Innovation machen müssen, um zu wachsen. Das betrifft alle: Universitäten, Unternehmen und Politik. Jede beziehungsweise jeder muss Strategien für den Erfolg in einer globalen Innovationsökonomie haben. Technologien haben sich rasend schnell weiterentwickelt, es gibt nahezu unlimitierte Möglichkeiten und gleichzeitig einen intensiven und immer stärker werdenden internationalen Konkurrenzkampf. Das heutige Mantra lautet: "Sei die beziehungsweise der Beste in dem, was du tust, oder geh nach Hause." Die Innovationsstrategien der 1960er werden heute keinen Erfolg mehr haben. Wien passt sich gut an, aber gewisse Zutaten, wie etwa das Beteiligungskapital, sind noch ungenügend.

Start-ups werden in Wien sehr stark gefördert. Wie wichtig sind sie und wie stark sollte der Fokus der Politik auf Start-ups sein?
In Amerika kommt das meiste Wachstum von den neuen Unternehmen, nicht den etablierten. Außerdem haben Start-ups das Potenzial, in unserer globalen Innovationsökonomie die ganze Branche total zu verändern. Nehmen wir als Beispiel die Finanzwirtschaft mit Blockchain und anderen, stark voranschreitenden Technologien. Darum sind Start-ups wichtig. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, um deren Gründung leicht zu machen und die Erfolgschancen zu erhöhen. Singapur ist ein gutes Vorbild für solch aufgeklärte Ideen.

Ihre Meinung: Was braucht ein Unternehmen, um innovativ zu sein und langfristigen Erfolg zu sichern?

Bemerkenswerterweise nutzen die meisten Unternehmen auch heute noch keine effizienten Methoden, um Innovation zu fördern. Nahezu jede Geschäftsführerin beziehungsweise jeder Geschäftsführer wird sagen, ihre beziehungsweise seine Firma tue es, aber wenn man Managerinnen und Manager aus der Unternehmensmitte bittet, ihr System zu beschreiben, dann schaffen sie es nicht. Und wenn sie das nicht können, dann gibt es keines. Genau das finden wir immer wieder vor, es ist geradezu die Regel. Andere begünstigen Ideen, die geradezu destruktiv sind, etwa wenn sie sagen: "Um mit Innovation Erfolg zu haben, musst du schnell scheitern." Das ist ein dummer, irreführender Gedanke. Das Ziel der Innovation ist, schnell zu lernen und zu schaffen, nicht schnell zu scheitern. Folgende Ansätze sollte man für eine erfolgreiche Umsetzung berücksichtigen:

  • Innovation ist das Herzstück der strategischen Vorhaben eines Unternehmens. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Praktiken und Ressourcen sind da, wo sie sein müssen.
  • Das Unternehmen ist kundinnen- und kundenorientiert. Drucker sagte schon: "Der Zweck eines Unternehmens ist, Kunden zu schaffen." Die meisten Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sagen, ihre Unternehmen seien kundinnen- und kundenorientiert. Das sind sie aber nicht. Ein Test: "Startet jedes Meeting mit den Wünschen der Kundinnen beziehungsweise Kunden?"
  • Das Unternehmen arbeitet mit wichtigen Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden, nicht nur mit den interessanten. Wir haben festgestellt, dass 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen an Projekten und Dingen arbeiten, die irrelevant sind. Die Verschwendung ist gigantisch.
  • Das Unternehmen hat ein "Value-Creation Playbook", also einen Leitfaden, der sich mit der Kreation von Werten befasst. Eines der wichtigsten Projekte ist die Definition und Interpretation des Begriffs "Wertversprechen". Wir haben festgestellt, dass viele Vorhaben scheitern, weil ihre Definition verwirrend ist.
  • Bei der Innovation geht es darum zu lernen. Also müssen Prozesse laufen, die das Lernen beschleunigen. Jene, die es verlangsamen, müssen eliminiert werden. Wir empfehlen, Foren zur Werterschaffung zu installieren. Das sind wiederkehrende, multidisziplinarische Meetings, bei denen Teams ihre Wertversprechen vorstellen, um sie von anderen bewerten zu lassen. Dabei geht es nicht um Brainstorming, das funktioniert bei wichtigen Innovationen nicht. In einer besser werdenden Welt muss die eigene Werterschaffung immer vorne liegen, sonst fällt man exponenziell zurück. 

Haben Sie Erfahrung mit Wien als Forschungs- und Entwicklungs-Hotspot?
Wir denken, Wien ist ein exzellenter Ort für Geschäftsentwicklung. Wir haben auch gerade Personal, das hier stationiert ist, angeheuert. 


Werden Sie dieses Jahr auf dem Drucker Forum eine Rede halten? Falls ja, worüber und welche Themen aus der Welt des Managements beschäftigen Sie momentan?
Ich werde über das Potenzial der Welt für großartige neue Innovationen sprechen. Dieses Potenzial ist unlimitiert. Ich spreche auch über Herausforderungen, zum Beispiel schlechte Leistungen auf dem Sektor Innovation. So muss es nicht sein. Es gibt bewährte Fallbeispiele, die ihre Leistung um 100 Prozent verbessern können. Oder auch mehr. Meine Zeit als Geschäftsführer bei SRI ist da ein gutes Beispiel. Während dieser Periode haben wir Siri für das iPhone, HDTV und viele andere Innovationen mit einem Marktwert von Milliarden Dollar geschaffen. Beim Drucker Forum erinnern wir die Welt daran, dass viele der besten Fallbeispiele von Peter Drucker stammen. Die Leistung könnte ganz drastisch verbessert werden, wenn man einfach seine Ideen benutzt.

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