Experte Bernhard Kainrath geht für DigitalCity.Wien in Wiens Schulen. © Alexandra Kromus

Schätze des 21. Jahrhunderts

Bernhard Kainrath erklärt die Welt um "Open Government" und "Open Data". Der Experte für Datenspeicher- und Datenmanagement-Lösungen engagiert sich als Vortragender, Trainer, Blogger und bei DigitalCity.Wien.

Transparenz, Teilhabe und eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und der Bevölkerung: Das sind die wichtigsten Ziele der "Open Data Government"-Strategie der Stadt. Denn niemand besitzt mehr Infos über Wien als die Stadt selbst. Sie sammelt nicht nur Geodaten, sondern auch Daten zum Beispiel über Verkehrsnutzung, Abwasserverbrauch oder Schulausgaben. Gebündelt kann dieses Wissen helfen, die Stadt effizienter zu planen, Steuergelder zu sparen und der Bevölkerung zusätzliche Leistungen zu bieten. Außerdem lässt die Öffnung der Verwaltungsdaten bisher ungenutztes Potenzial für Wirtschaft und Behörde entstehen. Apps, also Anwendungssoftware für den Alltag, sind nur eine Form davon.

Warum sind Daten die Schätze des 21. Jahrhunderts?

Die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft produziert exponentiell wachsende Datenbestände. Diese kann man auch als das neue "Rohöl" bezeichnen. Die Veredelung zum "Treibstoff" erfolgt durch neue Technologien, die Daten sammeln und auswerten können. Das lässt sich unter dem Begriff "Big Data" zusammenfassen. Eine sorgfältige Auswertung und sinnvolle Verknüpfung von Daten schafft ungeahnte Möglichkeiten.

Welche? Können Sie ein praktisches Beispiel nennen?

Nehmen wir den Straßenverkehr. Mittels Sensoren, die das Verkehrsaufkommen überwachen, und Staumeldern werden Alternativrouten vorgeschlagen und direkt ins Auto übertragen. Die Automatisierung von Fahrzeugen wird Big Data weiter vorantreiben. Für unsere Kinder wird es einmal selbstverständlich sein, ein Auto nicht mehr selbst zu lenken.

Wem werden in Zukunft Daten und Metadaten gehören?

Das ist aus heutiger Sicht noch nicht eindeutig zu sagen. Aber ich denke, dass Kontrolle und Besitz von Daten noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen werden. Unternehmen, die mittels Big-Data-Technologien zum Beispiel in der Lage sind, Verhaltensmuster ihrer Kunden zu identifizieren, zu bewerten und dadurch businessrelevante Entscheidungen treffen können, haben einen erheblichen Vorteil. Auf der anderen Seite fragen Bürger berechtigterweise "Was macht ihr mit meinen Daten?". Es bleibt spannend!

Wien macht seit einigen Jahren seine Daten der Öffentlichkeit zugänglich. Aufbereitet und kostenlos. Warum?

Mit Open Data wird brachliegendes Wissen bereitgestellt, das sonst völlig ungenutzt auf EDV-Systemen in Verwaltungen liegen würde. Aus meiner Sicht ermöglicht das mehr Transparenz, Partizipation, Kollaboration und Innovation. Außerdem stärkt das auch unsere Demokratie. Transparenz schafft Vertrauen, weil politisches Handeln nachvollziehbar wird.

Bernhard Kainrath schätzt das Projekt „DigitalCity@School – Experts meet Kids“. © Alexandra Kromus

Wer profitiert noch von Open Data?

Wenn Wissenschaft und Forschung mit der Industrie eng zusammenarbeiten und das Potenzial von Big Data voll ausschöpfen, erleichtert das die Forschung und setzt außerdem Innovationspotenzial frei. Zum Beispiel für Start-ups. Kreative entwickeln aus den vorhandenen Datensätzen Anwendungen, die für viele Menschen nützlich sind. So wurden insgesamt bereits mehr als 200 Apps und Visualisierungen mit Open Data entwickelt. Zum Beispiel ein Such- und Anzeigenportal für das Parken in Wien.

Wie gefällt Ihnen der sprechende Stadtführer "App Wave"?

Er ist ein hervorragendes Beispiel einer Open-Data-Anwendung verknüpft mit der zukunftsweisenden Spracherkennungstechnologie. Ich nutze generell Spracherkennung so oft es geht. Es freut mich, wie gut diese mittlerweile funktioniert. Sei es im Auto, um meinem Navigationssystem den Zielort mitzuteilen oder um wichtige Informationen, die mir gerade einfallen, schnell und unkompliziert auf mein Smartphone zu diktieren.

Welche praktische Anwendung gefällt Ihnen besonders?

"sag's wien", das ist eine supereinfach zu bedienende App. Sie ermöglicht es mir, direkt mit der Stadt zu kommunizieren und über Straßenschäden, falsch angebrachte Verkehrszeichen oder herumliegenden Müll zu berichten. Wie machen Sie das? Problem fotografieren, ein paar Worte Beschreibung dazu, hochladen. Fertig. Das Problem wird entgegengenommen und rasch behoben. Ich hab's ausprobiert, es funktioniert wirklich. Die App ist ein super Beispiel für Bürgerbeteiligung und eine typische Smart-City-Anwendung mit dem Ziel, die Funktionen einer Stadt effizient zu steuern.

Warum kann Open Data Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen in der öffentlichen Verwaltung bringen?

Lassen Sie mich diese Frage aus europäischer Sicht beantworten. Ich denke, dass die Europäische Union mit dem Europäischen Datenportal einen wichtigen Schritt gesetzt hat. Das ermöglicht den zentralen Zugang zu Daten von insgesamt 34 Ländern. Ein Verwaltungsbeamter aus Österreich kann sich etwa über die Auswirkungen der Digitalisierung in Helsinki informieren oder über Arbeitsplatzmobilität in Warschau. Das Spektrum ist sehr weit gefächert und jedermann kann auf diese Daten zugreifen und sie beliebig weiterverwenden. Dies kann enorme Synergien mit sich bringen.

Wie kann das Bewusstsein für Open Data auf Seiten von Bürgern und Unternehmen geschärft werden?

Informieren, informieren, informieren! Die wichtigsten Argumente hervorheben. Wie zum Beispiel, dass durch Open Data neue Anwendungen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entstehen. So sind "Tandem-Events" der Stadt Wien etwa beim Open Data Day eine hervorragende Gelegenheit.

Was erwarten Sie vom Open Data Day Austria am 3. März?

Als Wiener freue ich mich, dass beim weltweit stattfindenden Open Data Day auch Wien dabei ist und mit spannenden "Tandem-Events" vertreten ist. Also gemeinsame Veranstaltungen von Abteilungen der Stadt Wien mit Schulen und Universitäten sowie weiteren Stakeholdern.

Was erwarten Sie sich persönlich?

Dass offene Daten für die Bürger begreifbarer werden und jeder für sich persönlich zumindest einen Vorteil entdeckt und mit nach Hause nimmt.

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