Das über 2.000 Fachbegriffe umfassende Videowörterbuch beginnt mit dem Begriff "Abdichtung". © GESTU Fachgebärdenentwicklung

Hände können sprechen

Die Servicestelle GESTU entwickelt in Zusammenarbeit mit Studierenden Gebärden für wissenschaftliche Fachbegriffe. Sie müssen einfach und klar sein sowie den linguistischen Kriterien der Österreichischen Gebärdensprache entsprechen.

Die Österreichische Gebärdensprache, kurz ÖGS, ist eine vollwertige Sprache. Sie hat eine eigene Grammatik sowie eigene Handformen und Bewegungsarten. Ihr Status als eigenständige Sprache ist in der Verfassung festgeschrieben. Allerdings gibt es für viele Fachbegriffe aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen noch keine Gebärden. "Gehörlose und schwerhörige Menschen sind einen langen Weg gegangen, um an Bildungseinrichtungen wie Universitäten, Hochschulen oder Fachhochschulen studieren zu können", erklärt die Behindertenbeauftragte der Technischen Universität Wien, Marlene Fuhrmann-Ehn.

Video: Fachausdrücke in Gebärdensprache

Über 2.000 Fachbegriffe

Die Servicestelle "gehörlos erfolgreich studieren", kurz GESTU, an der Technischen Universität Wien hat ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem Fachgebärden gemeinsam mit den Studierenden entwickelt und gesammelt werden. Das so entstandene Fachvokabellexikon ist ein Videowörterbuch, in dem die Gebärden für über 2.000 Fachbegriffe verzeichnet sind. Die Bandbreite reicht von Worten wie Abdichtung aus dem Bereich der Architektur bis zur Zytotoxischen T-Zelle aus der Molekularbiologie.

Begriffe wie die "Zytotoxischen T-Zelle" aus dem Bereich Molekularbiologie sind, aufgrund ihrer Komplexität, schwer in Gebärden zu fassen. © GESTU Fachgebärdenentwicklung

Gebärden entwickeln

"Die Entwicklung der Gebärden ist bedarfsorientiert", so die GESTU-Beraterin Karin Moser. Rund 20 gehörlose Studierende im Raum Wien werden von GESTU betreut. Ihnen werden in den Lehrveranstaltungen an den Universitäten, Hochschulen oder Fachhochschulen Dolmetscherinnen und Dolmetscher zur Seite gestellt. Sie übersetzen alles, was in der Lehrveranstaltung gesagt wird, simultan in die Österreichische Gebärdensprache. Fachbegriffe, für die es noch keine Gebärde gibt, werden vorerst buchstabiert oder umschrieben. Diese Begriffe werden von den Studierenden notiert und gesammelt. Bei regelmäßigen Treffen der Arbeitsgruppe bringen die Studierenden ihre Listen mit. In einer sprachwissenschaftlich begleiteten Diskussion wird dann nach passenden Gebärden für jeden Fachbegriff gesucht. "Wir wollen schließlich Gebärden entwickeln, die dann auch wirklich von der Sprachgemeinschaft angenommen und verwendet werden", sagt Moser.

Einfach, klar und passend Einzelne

Gebärden bestehen aus manuellen und non-manuellen Komponenten. Die Handform, Handorientierung und Handstellung, die Ausführungsstelle und die Bewegung zählen zu den manuellen Komponenten. Die Mimik, die Mundgestik, das Mundbild sowie die Kopf- und Körperhaltung sind die non-manuellen Komponenten. Das wird bei der Entwicklung von Fachgebärden berücksichtigt. Einzelne Gebärden dürfen sich nicht zu ähnlich sein, sonst kann es zu Verwechslungen kommen. Sie dürfen auch nicht zu lang oder kompliziert sein. Und sie müssen in den wissenschaftlichen Kontext passen. "Wie im Deutschen gibt es bei der Österreichischen Gebärdensprache auch die Umgangssprache, die Fachsprache und sogar Dialekte", erklärt Moser.

Die Epaulette wegreißen: Das würde das Ende einer Militärlaufbahn bedeuten. Deshalb steht die Andeutung des Vorgangs für den Begriff "degradieren". © GESTU Fachgebärdenentwicklung

Da das Sehen das Hören ersetzt, ist die Gebärdensprache auch viel bildhafter als die Lautsprache. "Oft orientieren wir uns bei der Entwicklung von neuen Gebärden am Aussehen der zu gebärdenden Dinge", so Moser. Die Gebärde für den Begriff "degradieren" ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Die Gebärde leitet sich von der militärischen Epaulette ab, dem Schulterstück einer Uniform, an dem der militärische Rang erkennbar ist. Wird jemand im militärischen Sinn degradiert, wird ihr oder ihm die Epaulette weggenommen. Dieser Vorgang wird bei der entsprechenden Gebärde angedeutet.

"Technische Hilfsmittel wie Videos und das Internet haben das Erlernen, Entwickeln und Standardisieren der Gebärdensprache erheblich erleichtert", so Moser. Die Gebärdensprachgemeinschaft kann sich über die vorgeschlagenen Gebärden austauschen und auch Korrekturen vorschlagen. Außerdem können Gebärden aus anderen Sprachen integriert werden. Dabei müssen sie aber immer an die linguistischen Kriterien der Österreichischen Gebärdensprache angepasst werden. 

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