Die Kläranlage wird zum Selbstversorger

Es ist eines der größten Umweltprojekte in der Geschichte Wiens. Ab 2020 wird sich die ebswien hauptkläranlage dank des Projekts E_OS selbst mit erneuerbarer Energie versorgen. Möglich macht das der Klärschlamm.

Die Bundeshauptstadt hat wieder gewonnen. Laut Mercer-Studie ist Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Auch im "Smart City Index" des Beratungsunternehmens Roland Berger liegt Wien auf Platz eins. Solche Auszeichnungen gewinnt Wien aus vielen Gründen. Einer ist, dass sich die Stadt einer weltweiten Herausforderung stellt: Wie man nachhaltig mit Ressourcen umgeht. Das Projekt E_OS, kurz für Energie_Optimierung Schlammbehandlung, der ebswien hauptkläranlage ist diesbezüglich ein internationales Vorzeigeprojekt. 

Kläranlagen zählen zu den größten Stromverbrauchern. E_OS soll bis 2020 den Ausstoß von CO2-Äquivalenten um 40.000 Tonnen senken. Wie genau das funktioniert, erfahren Sie in unserem Animationsvideo.

Die volle Kraft des Schlamms 

"Bei Schlammfaulungsanlagen standen bisher vor allem die Stabilisierung und Reduktion des Klärschlamms, der als 'Reststoff' bei der Abwasserreinigung anfällt, im Mittelpunkt des Interesses", sagt ebswien-Generaldirektor Christian Gantner. "Die gewonnene Energie war dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt. Bei E_OS stand dagegen die größtmögliche Energiegewinnung von Anfang an im Vordergrund." Bei dem Verfahren von E_OS, das mit dem Institut für Gewässergüte der TU Wien entwickelt wurde, steht der Schlamm im Fokus.

Hierbei gilt: Je dicker, desto besser. Für die Faulung muss der nämlich erwärmt werden. Enthält er weniger Wasser, ist das leichter. Darum wird ihm Wasser entzogen, bevor er in die Behälter wandert. Intensive Tests haben der ebswien gezeigt: Die Faulbehälter können mit einem doppelt so hohen Feststoffgehalt, also Material mit wenig Wasser, befüllt werden, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen. 

Enormer Gewinn für Wiener Klimabilanz

Auf dem Gelände sind die 30 Meter hohen Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von 75.000 Kubikmetern nicht zu übersehen. Von hier aus wandert das Klärgas in die Blockheizkraftwerke, wo es von Gasmotoren verbrannt wird. Hier entsteht einerseits mechanische Energie, die von Generatoren in Strom umgewandelt wird. Andererseits entsteht auch Wärme, die für Heizung und Warmwasserzubereitung gebraucht wird.

Dass die Anlage sich ab 2020 selbst mit Energie versorgen wird, ist eine enorme Leistung. Schließlich reinigt man hier das gesamte Abwasser Wiens, 6.300 Liter pro Sekunde. In 20 Stunden durchläuft das Wasser eine mechanische und zwei biologische Reinigungsstufen. Jeden Tag entziehen 169 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Wasser 100.000 Kilogramm Schmutzstoff. Das gereinigte Wasser fließt dann über den Donaukanal in die Donau. 

"Wir setzen mit diesem Projekt neue Maßstäbe, die schon jetzt international Vorbildwirkung haben", so Gantner. "Die Hauptkläranlage wird zum Öko-Kraftwerk." Ein Meilenstein für die Wiener Umweltpolitik und die Klimabilanz der Stadt.

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