Hubert Eichmann hat im Auftrag der Stadt Wien untersucht, wo Jobs entstehen und wo sie verschwinden werden. © Bohmann/Lukas Beck

Die Zukunft der Arbeit

Wie wird sich der Wiener Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren verändern? Eine Studie analysiert die Branchentrends.

Für Hubert Eichmann ist der Bevölkerungszuwachs der relevanteste Faktor auf dem Wiener Arbeitsmarkt. "In den vergangenen Jahren gab es ein Plus von zehn Prozent und auch für die nächsten Jahre wird ein ähnlicher Zuwachs prognostiziert", sagt der Soziologe. "Interessant dabei ist, dass der Wiener Arbeitsmarkt diesen ­Zuwachs in den letzten zehn Jahren relativ gut absorbieren konnte, mit rund 130.000 neuen Jobs zwischen 2004 und 2014." Eichmann ist Autor der Studie "Die Zukunft der Beschäftigung in Wien", die im Auftrag der MA 23 - Wirtschaft, Arbeit und Statistik von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) durchgeführt wurde. Eine Erkenntnis: "Wie gesagt, Wien wird weiter wachsen. Das verlangt Jobs für den Ausbau der Infrastrukturen, für Wohnungen, für den alltäglichen Konsum, für Kindergärten und Schulen, für die Krankenbehandlung. Zudem wird die Bevölkerung älter. Das heißt, dass auch die Jobs in der Pflege in ­Zukunft wohl noch deutlich zunehmen werden."

Fünf Gewinnerbranchen

Signifikante Zuwächse wird es für den Experten daher in fünf Branchen geben: Gesundheit und Sozialwesen, Aus- und Weiterbildung, Tourismus und Gastronomie, IKT sowie generell wissensbasierte unternehmensbezogene Dienstleistungen. "Letztere deshalb, weil Wien schon heute ein internationales Zentrum für Hochschulen und Business Services ist. Man denke an die vielen Headquarters in Wien. Das wird aller Voraussicht nach auch so bleiben", erklärt Eichmann.

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Der bereits lang anhaltende Strukturwandel, weg von der Produktion und hin zu Dienstleistungen, hat in Wien dazu geführt, dass mittlerweile rund 85 Prozent aller Erwerbstätigen in Dienstleistungssektoren arbeiten, vom Handel über Gesundheit bis hin zu wissensintensiven Dienstleistungen wie Unternehmensberatung. "Überrascht hat uns allerdings, dass sich das auch in den Qualifikationen niedergeschlagen hat. Heute haben rund 50 Prozent aller Erwerbstätigen auf dem Wiener Arbeitsmarkt Matura oder eine ähnliche Ausbildung", sagt der Experte. Die klassischen ArbeiterInnen in den Produktions­betrieben werden dagegen ­immer weniger. "Nur mehr rund acht Prozent aller ­Beschäftigten arbeiten in der Sachgüterindustrie, ­davon sind nur mehr rund 40 Prozent als Arbeiter eingestuft. Die Mehrheit besteht also auch dort bereits aus Angestellten", fasst Eichmann zusammen.

Handel schwer abschätzbar

Neben den Gewinnerbranchen wird es laut Studie auch zwei Branchen mit leichten Beschäftigungs­zuwächsen geben. Das sind die Bauwirtschaft und die Kreativwirtschaft. "Zu einer Stagnation in puncto ­Beschäftigung wird es hingegen im öffentlichen Sektor und im Verkehrswesen sowie in der Logistik kommen", so der Experte. Er sagt auch einen weiteren Beschäftigungsabbau bei Finanzdienstleistungen und in der Sachgütererzeugung voraus. "Wie gravierend das tatsächlich ausfallen wird, ist aber schwer zu ­sagen. Ist die Sachgütererzeugung doch schon in den letzten Jahrzehnten stark geschrumpft, viel mehr nach unten wird es daher nicht gehen. ­Gewisse Produktionen werden immer in der Stadt bleiben."

Am schwierigsten abzuschätzen sei der Bereich Handel, erklärt Eichmann: "Beim Einzelhandel wird viel davon abhängen, wie sich der Onlinehandel entwickelt, ob also dem stationären Handel Geschäft entzogen wird. Dafür gibt es neue Jobs durch das Bevölkerungswachstum. Großhandel und Kfz-Handel werden dagegen weiter Beschäftigung abbauen." Den oft kolportierten Jobverlust durch Digitalisierung hält Eichmann übrigens für reine Panikmache: "Digitalisierung verändert den Arbeitsmarkt, aber nicht so schnell und so dramatisch, wie es immer wieder dargestellt wird."

Jobs für eine wachsende Bevölkerung

Welches Fazit zieht der Experte also aus der Studie? "Ein einzelnes Fazit zu ziehen, ist gar nicht so einfach. Einerseits geht es ja um die unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Branchen und was da jeweils abgeleitet werden kann, um das Jobwachstum anzukurbeln oder einen drohenden Jobverlust zu bremsen. Bezogen auf den gesamten Arbeitsmarkt wird die größte Herausforderung darin liegen, ausreichend Jobs für die wachsende Bevölkerung in Wien und auch für jene im Wiener Umland zu schaffen. Viele pendeln ja nach Wien, um hier zu arbeiten. Das wird nicht einfach werden, weil das Wirtschaftswachstum in den letzten vier Jahren jeweils unter einem Prozent gelegen ist."

Für Ökonom Klemens Himpele, Leiter der MA 23, ist ein starker Wirtschaftsstandort die beste Voraussetzung dafür: "Arbeit war immer einem Wandel unterworfen", sagt er. "Das ist also keine neue Entwicklung. Man muss sich nur all jene Berufe in ­Erinnerung rufen, die es heute nicht mehr gibt, vom Silhouettenschneider bis zum Kaffeeriecher. Diesen Jobs trauert heute auch niemand nach, weil man sie einfach nicht mehr braucht." Die Angst vor dem Verlust des Arbeits­platzes durch neue Technologien ist auch für ihn unbegründet: "Fortschritt eröffnet zuerst immer Möglichkeiten. ­Niemand will heute etwa Hochhäuser ohne Kräne bauen. Wenn in Supermärkten verstärkt Kassenautomaten am Werk sind, wird es keine menschenleeren Geschäfte geben. Mit­arbeiter werden sich verstärkt um die Kunden und die Wartung der Elektronik kümmern. Wir werden also andere Arbeit machen, aber die Arbeit wird uns nicht ausgehen." Die Branchenverschiebungen kommen ja auch nicht einfach so über uns. "Sie sind gestaltbar, wenn man vorausschauend plant."

Schlüsselfaktoren dazu sind Informations- und Kommunikationstechnologien, Life Sciences und ­Bildung. Himpele: "Was vielen nicht bewusst ist: Wien ist einer der größten IT-Standorte Europas und auch auf dem Life-Sciences-Sektor sind wir gut aufgestellt. Potenzial gibt es allerdings noch bei der Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur sowie bei der ­Bildung." Das trifft sich auch mit der Empfehlung, die Hubert Eichmann aufgrund der Studie an die Stadt gibt: "Mit der Investition in Aus- und Weiterbildung junger Menschen, die als Problemgruppe auf dem Arbeitsmarkt gelten, rennen wir ohnehin offene Türen ein. Auch ­früher gab es viele, die mit eher wenig Wissen aus der Schule gekommen sind. Aber es gab zugleich viele Jobs in Berufen, wo manuelle Qualifikationen wichtig waren. Diese Jobs sterben nicht aus, werden aber weniger - man denke an die bereits erwähnten 50 Prozent mit Matura auf dem Wiener Arbeitsmarkt. Diese ­Menschen gut auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, und damit meinen wir keineswegs nur Migranten, wird eine große Herausforderung bleiben."

 

 

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