Durch den Donaudüker wird Abwasser unter der Donau zur Hauptkläranlage nach Simmering gepumpt. © Felicitas Matern

LDS-Pumpwerk: Das Herzstück von Wien Kanal

Das öffentliche Wiener Kanalnetz besitzt eine Gesamtlänge von rund 2.500 Kilometern. Das Stadtgebiet wird durch fünf Hauptsammelkanäle entwässert. Einer davon ist der LDS, der linke Donausammelkanal, welcher zum Pumpwerk LDS führt. Doch was passiert dort?

Der linke Donausammelkanal verläuft entlang des nördlichen Donauufers auf einer Länge von elf Kilometern und hat eine Fläche von 4.054 Hektar. Der Kanal ist für die Entwässerung der Wiener Bezirke 21 und 22 zuständig. Er wurde für die Abfuhr einer maximalen Mischwasserabflussmenge von 63 Kubikmetern pro Sekunde konzipiert. Zahlen, Daten und Fakten, doch welche Aufgaben hat das LDS-Pumpwerk, wie funktioniert eigentlich eine Kläranlage und wie wird das Abwasser gereinigt? CLUB WIEN besuchte Helmuth Laschke, Leiter der Außenstelle LDS. Gemeinsam ging man den Fragen zum Pumpwerk nach.

Das Inselpumpwerk Donauinsel befördert Abwasser aus dem 21. und 22. Bezirk zur Hauptkläranlage. Wie das funktioniert haben wir uns vor Ort angesehen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

CLUB WIEN: Welche Aufgaben hat das LDS-Pumpwerk?

Helmuth Laschke: Das Abwasser aus den Haushalten, Betrieben und von Regenfällen gelangt durch die Kanalisation in die Kläranlage Simmering. Doch zuvor wird es von Pumpwerken gehoben, damit es im Freispiegel weiterfließt, und wird dabei auch teilweise mechanisch gereinigt.

Die Grundaufgabe des LDS-Pumpwerks ist das Pumpen des Abwassers und des Regenwassers Richtung Hauptkläranlage. Dieses wird nach der mechanischen Reinigung durch einen Kanal 14 Meter unter der Donausohle zur Kläranlage in Simmering gepumpt. Doch nicht nur das Abpumpen des Abwassers aus den nördlichen Bezirken gehört zu den Aufgaben des Pumpwerks, sondern auch die Wiener Kanalnetzsteuerung. 

In der Leitwarte wird das Kanalnetz gesteuert. © Bohmann/Linda Weidinger

Die Kanalnetzsteuerung

Die Kanalnetzsteuerung wurde im Jahr 2005 in Betrieb genommen und ständig verbessert. Seitdem wird damit das Wiener Kanalnetz gesteuert. Aufgabe der Kanalnetzsteuerung ist, durch eine geeignete Kanalraumbewirtschaftung eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Stauräume des Kanalnetzes zu erreichen. Bei der Kanalnetzsteuerung werden alle großen Sammelkanäle und Speicherbecken, die in ganz Wien verbaut sind, bei Hochwasser zum Einsatz gebracht. Das Abwasser wird gezielt durch die Kanalisation gelenkt oder eingestaut. "Früher ist das Abwasser am tiefsten Punkt der jeweiligen großen Sammelkanäle über Überfallkanten in die Vorfluter (Bäche) geflossen. Da es bei Regenfällen aber rasch zum Anstieg der Sammelkanäle kommt, wurde die Idee geboren, die großen Kanäle als Staukanäle zu nutzen. Man hat Schiebebauwerke, Messsysteme und Speicherbecken eingebaut. Dadurch kann sich das Abwasser kaskadenartig aufstauen. So kann nach Regenereignissen das Wasser gezielt abgeleitet werden", erzählt Herr Laschke. Schieber und Pumpen, welche in beziehungsweise entlang von Sammelkanälen installiert wurden, dienen dazu, das Abwasser entsprechend zu lenken und das in den Kanälen vorhandene Stauvolumen zu aktivieren. 

"Die komplette Kanalnetzsteuerung für Wien wird von uns überwacht und betreut"

Regenmessstellen sind in ganz Wien verteilt. "Wir haben eine Kooperation mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, ZAMG. Von denen bekommen wir Auswertungen von den Niederschlagsmessungen und eine Niederschlagsprognose für die kommenden zwei Stunden. So sehen wir schon früher, von welcher Himmelsrichtung das Regenereignis kommt, um die entsprechenden Sammelkanäle vorzubereiten, und können dann natürlich auch dementsprechend unsere Handlungen setzen."

"Wir spielen sicher in der Liga der größten Pumpwerke der Welt mit. Bei Vollauslastung sind wir in der Lage, 47.000 Liter Wasser pro Sekunde zu pumpen. 40.000 Liter Regenwasser und 7.000 Liter Schmutzwasser", so Helmuth Laschke. Nachdem das Abwasser im Pumpwerk von Feststoffen befreit worden ist, wird es weiter in die Hauptkläranlage nach Simmering geleitet.

Die gefilterten Feststoffe werden aus dem Abwasser gefiltert. © Bohmann/Linda Weidinger

Wie funktioniert eine Kläranlage?

"In der Kläranlage wird konzentriert Sauerstoff hinzugefügt. Durch den Sauerstoff können Bakterien und andere Mikroorganismen organische Stoffe abbauen", erzählt Herr Laschke. Um das Abwasser aufzubereiten und zu reinigen, müssen die Inhaltsstoffe entfernt und vom Abwasser getrennt werden. Dazu gibt es eine mechanische und anschließend eine vollbiologische Reinigung. "In Wien wird das Wasser zu 98 Prozent biologisch gereinigt. Die Abwasserreinigung erfolgt in der ebswien hauptkläranlage in Simmering", so Helmuth Laschke.

Der Abwasserreinigungsprozess in der ebswien hauptkläranlage startet mit mehreren Reinigungsschritten, die unter dem Begriff "mechanische Reinigungsstufe“ zusammengefasst werden. Dazu gehören: Schotterfang, Schneckenpumpwerk, Rechenanlage, Sandfang, Vorklärung. Daran schließen die beiden "biologischen Reinigungsstufen" an. Hier wird in den jeweiligen Belebungsbecken Luft (und damit Sauerstoff) eingebracht, den die Mikroorganismen und Bakterien zum Leben brauchen. Diese Kleinstlebewesen "fressen" dann die organischen Verunreinigungen im Abwasser und sinken in den Absetzbecken als Schlamm zu Boden. Diese Absetzbecken heißen in der ersten biologischen Reingungsstufe "Zwischenklärbecken", in der zweiten "Nachklärbecken". Im Nachklärbecken kommt der Reinigungsprozess zum Ende. Überschüssiger Schlamm wird aus dem Prozess ausgeschleust und thermisch verwertet, also verbrannt.

In der Presse werden die Feststoffe gepresst und anschließend verbrannt. © Bohmann/Linda Weidinger

Mechanische Reinigung im LDS-Pumpwerk

Diese ist notwendig, um die Pumpen vor mechanischen Schäden beziehungsweise Verstopfungen zu schützen. "Zuerst fließt das Abwasser über einen Sandfang. Der Sandfang hat die Aufgabe, mineralische Verunreinigungen wie Sand, feine Steine, Kies oder Glassplitter aus dem Abwasser zu entfernen. Anschließend entfernt ein Rechen, der im Abwasser steht, die restlichen Feststoffe. Diese verhängen sich im Rechen und der Abwasserpegel vor dem Rechen steigt. Der Wasserpegel wird mittels einer Radarsonde gemessen. Wenn der Pegel eine bestimmte Höhe erreicht hat, fährt ein zweiter Kamm in das Abwasser und putzt den mit Feststoffen verlegten Kamm aus. Man kann sich das als Gitterstab vorstellen, der im Wasser steht und auf dem sich die gesamten Feststoffe absetzen. Der andere Kamm fährt dann ins Wasser und befördert die Feststoffe weiter nach oben, die über ein Förderband in eine Presse gelangen. Dort werden die Feststoffe entwässert und anschließend thermisch verwertet", erklärt Laschke.

"Leider kommt es in letzter Zeit immer häufiger zu Störungen in den Pumpwerken, denn immer mehr Menschen werfen Feuchttücher in die Toilette. Diese lösen sich nicht wie herkömmliches Toilettenpapier auf, sondern blockieren die Kanalisation. Um Störungen zu vermeiden, Feuchttücher unbedingt in den Müll und nicht in die Kanalisation schmeißen", rät Laschke.

Biologische Reinigung in der Hauptkläranlage

Bei der biologischen Reinigung wird das Abwasser zuerst über einen Sandfang geleitet. Weiter im Vorklärbecken werden feine organische Stoffe des Abwassers durch Sedimentation entfernt. Das heißt, die Feststoffe setzen sich durch die Schwerkraft am Beckenboden ab. So wird erreicht, dass sich Stoffe, die in den vorherigen Behandlungsschritten nicht entfernt werden konnten, absetzen. Meistens sind das Fäkalien oder Papier, die sich im Vorklärbecken absetzen oder an die Oberfläche schwimmen. Durch diesen Vorgang können ungefähr 30 Prozent der organischen Stoffe aus dem Abwasser entfernt werden. Eine biologische Reinigung erfolgt nach dem Prinzip der biologischen Selbstreinigung natürlicher Gewässer. Im sogenannten Belebungsbecken wird dem Abwasser durch Belüftung ständig neuer Sauerstoff zugeführt. Dadurch können Bakterien und andere Mikroorganismen, die im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe, das heißt die organischen Kohlenstoffverbindungen, abbauen. Dadurch entsteht Belebtschlamm, eine bei der biologischen Abwasserreinigung durch den Abbau der Abwasserinhaltstoffe im Belebungsbecken gebildete Biomasse. Im Nachklärbecken trennt sich der entstandene Schlamm vom Abwasser. Dieser Schlamm wird entfernt und weiterbehandelt. Er wird eingedickt und anschließend thermisch verwertet.

Wohin kommt das gereinigte Abwasser?

Die Hauptkläranlage befindet sich in Simmering. Das gereinigte Abwasser wird in den Donaukanal und anschließend in die Donau geleitet. Der Donaukanal beginnt im 19. Wiener Gemeindebezirk bei dem Brigittenauer Sporn und mündet nach dem Freudenauer Hafen in die Donau.

Sechs bis sieben Kubikmeter gereinigtes Abwasser pro Sekunde werden in die Donau geleitet. Es verlässt Wien in derselben guten Qualität, in der sie in die Stadt gekommen ist. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz und zur hohen Lebensqualität in Wien geleistet.

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