Silvia Winter (l.) und Kristina Plenk wollen mit dem Igeltunnel zur Mithilfe bei der Forschung motivieren. © Bohmann/Bubu Dujmic

Laien als Unterstützung für die Forschung

Man braucht nicht zwingend einen Doktortitel, um einen Beitrag zu wissenschaftlichen Projekten leisten zu können. Deshalb bekommen Profis bei ihren Studien immer Unterstützung von Privatpersonen.

Mit Einbruch der Dämmerung sind sie zu beobachten, die nachtaktiven Igel. Wie viele gibt es aber von ihnen? Und wo lassen sie sich am allerliebsten nieder? Um diesen Fragen nachzugehen, setzt eine Forscherinnengruppe der Universität für Bodenkultur auf wissenschaftlich interessierte Laien. Für ihr Projekt "Die Igel sind los! Punks in unseren Gärten" holen sich Silvia Winter und Kristina Plenk vom Institut für Integrative Naturschutzforschung seit 2015 Hilfe aus der Bevölkerung.

Einblicke in private Gärten

"Zum Mitforschen sind alle eingeladen, die einen eigenen Garten oder Zugang zu einem Garten haben", erklärt Agrarökologin Silvia Winter. Möglich sind Berichte über Direktbeobachtungen oder das Sichten von Igelspuren mittels eines speziellen Igeltunnels, in den die Tiere von einem Köder gelockt werden. Durch die Mitarbeit der Hobbyforscherinnen und -forscher bekommen die Wissenschafterinnen Zugang zu Igelquartieren in ganz Österreich. "Auf diese Weise gewinnen wir landesweite Einblicke in private Gärten. Und die Zahl der untersuchten Grünflächen ist durch diese Hilfe ungleich höher."

Igel werden mit einem Köder in den Tunnel gelockt. © Bohmann/Bubu Dujmic

Plattform für AmateurInnen

Mit der Einbeziehung von Laien in wissenschaftliche Projekte sind die Igelforscherinnen aber längst nicht alleine. Immer mehr Untersuchungen und Studien setzen auf die Unterstützung von Bürgerinnen und Bürgern. Citizen Science heißt diese Beteiligung von Privatpersonen, die helfen, Daten für die Forschung zu sammeln - und diese Methode liegt stark im Trend. "Durch den Zugang zu wissenschaftlichen Informationen im Internet, Smartphones und GPS hat sich sehr viel getan. Es ist jetzt einfacher, Daten und Bilder zu übermitteln", erklärt Daniel Dörler.

Der Wissenschafter vom Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur Wien hat gemeinsam mit seinem Kollegen Florian Heigl die Plattform "Österreich forscht" gegründet. "Diese soll einerseits interessierten Menschen aus der Bevölkerung ermöglichen zu ersehen, wo man sich überall beteiligen kann, andererseits wissenschaftliche Akteure miteinander verbinden", sagt Heigl. Heute finden sich 39 aktuelle Projekte aus ganz Österreich auf der Plattform. Der Großteil kommt aus den Naturwissenschaften, "die Geistes- und Sozialwissenschaften ziehen aber nach. Hier gibt es etwa Projekte in den Bereichen Archäologie, Musikwissenschaft oder Geschichte", beobachtet Dörler.

Dabei sind Amateurinnen und Amateure unterschiedlich stark eingebunden. "Es gibt sehr viele verschiedene Formen", sagen die Plattformgründer. "Das geht von der reinen Bereitstellung von Rechenkapazitäten des Smartphones über die Datensammlung bis hin zur Analyse, also Auswertung, der Daten."

Landesweite DatensammlerInnen

Ein großer Vorteil der Mitarbeit von Laienforscherinnen und -forschern ist - vor allem bei ökologischen Projekten -, dass große geografische Gebiete abgedeckt werden können. Ein Bonus, auf den auch das europäische Forschungsprojekt GROW setzt, das vorigen November gestartet ist. Unter der Leitung der schottischen Universität Dundee erforschen die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Qualität und Feuchtigkeit des Bodens und hoffen, wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung zu gewinnen.

Ziel des Projekts ist, Leute anzusprechen, die lokal erhobene Daten der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung stellen. "Wir kämpfen immer damit, dass wir nur ganz punktuell Bodenfeuchtedaten zur Verfügung haben", sagt Wolfgang Wagner, Leiter der Forschungsgruppe für Remote Sensing an der Technischen Universität Wien, die in das Projekt eingebunden ist. " Von GROW erhoffen wir uns , dass ein Netzwerk mit Tausenden Sensoren entsetht, die uns Daten liefern."

Rückmeldungen sind wichtig

Diese Art der Datengewinnung ist für die Forscherinnen und Forscher allerdings sehr arbeitsintensiv. Daniel Dörler von "Österreich forscht": "Es ist wichtig für die Menschen, die mitmachen, eine Win-win-Situation herzustellen. Denn diese Leute sind nicht motiviert, wenn sie ihre Zeit investieren und keinerlei Rückmeldung bekommen." Interessierte müssen auf einer Website alle Infos finden können und das Projekt gut erklärt bekommen. Auch die mediale Präsenz ist wichtig, um Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu finden oder erste Ergebnisse zu präsentieren. "Dafür braucht man viel Zeit und Ressourcen", sagt Dörler. Die Herausforderung, genügend Leute zu finden, die mitmachen, kennt auch Silvia Winter vom Igel-Forschungsprojekt. "Umso aufwendiger die Untersuchung, desto schwieriger wird es. Tiere zu beobachten macht Spaß, Daten eingeben ist hingegen nicht so beliebt." Und natürlich ist es wichtig zu kontrollieren, ob die übermittelten Daten auch korrekt sind, aber dafür gebe es, so Dörler, verschiedene Kontrollmethoden. Zusammengefasst überwiegen auf jeden Fall die Vorteile beim Einsatz der Laienforscherinnen und -forscher. Citizen-Science-Experte Florian Heigl fasst zusammen: "Es ist nicht zu unterschätzen, wie viel Wissen außerhalb der Universitäten existiert, von dem wir profitieren können."

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