Gemeinsam mit einer Freundin hat Verena vor zwei Jahren den Verein "Die Gabln" gegründet. Mittlerweile sind sie über 20 Mitglieder. © Bohmann/AndrewRinkhy

 

Einkaufen ohne Umwege

In Ihrer Nähe gibt es keine gute Möglichkeit, regionale biologische Lebensmittel zu bekommen? Dann werden Sie Teil einer Foodcoop. Was das ist und wie das genau funktioniert? CLUB WIEN besuchte die Foodcoop "Die Gabln" im 16. Bezirk.

Heutzutage ist es für viele sehr wichtig zu wissen, wo ihr Essen herkommt, wie es hergestellt wird und dass es regional ist. In einer Großstadt wie Wien ist es jedoch oft schwierig, Milch, Käse oder Eier direkt vom Bauernhof zu kaufen. Da ist der Weg in den Supermarkt meist die einfachste Variante. Denn auch dort gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Bio-Obst und -Gemüse sowie Bio-Fleischwaren und -Milchprodukten. Doch ist wirklich überall Bio drin, wo Bio draufsteht? Die Lebensmittelproduktion wird immer globaler. So findet man im Supermarkt oft mehr internationale Waren, wie italienische Tomaten, als regionale. Parallel dazu wächst bei vielen der Wunsch, heimische, saisonale, biologische Lebensmittel zu kaufen. Doch was tun, wenn es keine gute Möglichkeit gibt, biologische Lebensmittel in der Nähe zu besorgen? Genau, sich zu einer Gruppe zusammenzuschließen und seinen Einkauf selbstbestimmt zu organisieren. Aus dieser Idee heraus entstanden sogenannte Foodcoops, Lebensmittelkooperativen. Wie das genau funktioniert? CLUB WIEN besuchte die Foodcoop "Die Gabln" im 16. Bezirk und hat sich dort mit den Mitgliedern Verena und Johannes getroffen und mit ihnen über das Einkaufen ohne Umwege gesprochen. 

 

Was ist eine Foodcoop?

Eine Foodcoop, oder auch Lebensmittelkooperative genannt, ist der Zusammenschluss von Personen und Haushalten, die selbstorganisiert biologische Produkte direkt von lokalen Bauernhöfen, Gärtnereien oder auch Imkereien beziehen. Die erste Foodcoop wurde im Jahr 2007 gegründet. Seither ist die Zahl deutlich gestiegen. So gibt es in Wien mittlerweile 68 Gemeinschaften, die sich selbst und gemeinsam organisieren, um so der Lebensmittelindustrie entgegenzuwirken. Die Foodcoops legen vor allem Wert darauf, dass die Beziehung zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Konsumentinnen und Konsumenten aufgehoben wird. Man soll sich kennen und wissen, woher man seine Lebensmittel bekommt. Gekauft werden vorwiegend Lebensmittel wie Gemüse, Milchprodukte oder Fleisch. Diese sollen saisonal, regional sowie ökologisch nachhaltig und sozial gerecht produziert werden. Jede Foodcoop hat ihr eigenes Lager, Geschäft oder ihre eigene Räumlichkeit, wo die gekauften Produkte aufbewahrt werden. Auch um die Abholung kümmern sich die Mitglieder selbstständig. Was dabei gekauft wird, wird ganz demokratisch in der Gruppe beschlossen. Dazu gehört auch die Foodcoop "Die Gabln" im 16. Bezirk. 

Zu Besuch bei den Gabln

"Die Gabln" in der Gablenzgasse gibt es an diesem Standort seit Mai 2018. Verena ist eines der Gründungsmitglieder. Gemeinsam mit einer Freundin gründete sie 2017 ihren eigenen Food Coop – aus der Not heraus. "Wir wollten eigentlich selbst Mitglieder bei einer Foodcoop werden. Die Foodcoops in unserer Nähe waren aber schon überfüllt und haben keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen. Deshalb haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen, selbst eine Gemeinschaft zu gründen", so Verena. Gesagt und schon kurze Zeit später getan. Verena und ihre Freundin gründeten den Verein "Die Gabln". Aus den zwei Gründungsmitgliedern sind innerhalb der letzten zwei Jahre 20 Bestellgruppen geworden. "Eine Bestellgruppe ist ein Haushalt. Das heißt, wir haben momentan ungefähr 24 Mitglieder", so Verena. Jedes Mitglied hat eine eigene Aufgabe im Verein und trägt so zum Bestehen des Vereins bei. "Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen. Jeder von uns macht das, was sie oder er am besten kann. Es gibt eine Gruppe, die für die Mitglieder zuständig ist, eine weitere für die PR des Vereins. Wir haben eine Gruppe für die Produktion, die beispielsweise neue Bauernhöfe anschreibt. Eine andere Gruppe organisiert die Abholung", erzählt Johannes. Johannes ist seit einem Jahr Mitglied bei den Gabln. Er schaut, dass es einerseits sauber ist, erstellt die Accounts neuer Mitglieder und begleitet sie durch ihre erste Bestellung. Doch wie genau funktioniert das und wie werde ich Mitglied?

Gemeinsam Essen besorgen

"Der erste Schritt ist ganz einfach - wer Mitglied werden möchte, schreibt uns eine E-Mail. Dann laden wir die Interessentinnen und Interessenten zu uns ein. Wir haben auch regelmäßige Kennenlernstunden. Die finden jeden 16. des Monats um 18 Uhr statt", erklärt Johannes. Wer Interesse hat, kann dann einfach vorbeikommen und sich von den Mitgliedern in die Welt der Foodcoops einführen lassen. Wer sich dann entschließt, dem Verein beizutreten, unterschreibt eine Beitrittserklärung. Um laufende Kosten zu begleichen oder größere Ausgaben abdecken zu können, gibt es bei den Gabln einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von vier Euro pro Person. Dieser wird im Voraus bis zum Jahresende bezahlt. "Jeder Verein organisiert sich selbst. So ist auch der Mitgliedsbeitrag von Verein zu Verein unterschiedlich", erklärt Verena. Anschließend bekommt das neue Mitglied eine eigene Schlüsselkarte für das Lager und seine Zugangsdaten für die Website. Mit diesen kann sie oder er die Bestellungen online durchführen. Und dann kann es schon losgehen!

Tomaten, Zucchini und Co

"Bei den Produkten legen wir viel Wert darauf, dass sie nachhaltig angebaut werden, die Arbeitsverhältnisse fair ablaufen und wir mit unserem Kauf lokale Produzentinnen und Produzenten unterstützen. Deshalb begutachten wir alle Kooperationspartnerinnen und -partner vorweg und erkundigen uns vor Ort, wie, was und wo angebaut oder produziert wird. Denn wir wollen natürlich wissen, was wir essen und woher es kommt", so Verena. Frisches Obst erhalten "Die Gabln" aus der Region Rosalia im Burgenland. Die Familie Habeler beliefert den Verein mit den verschiedensten Obstsorten, von saftigen Pfirsichen und Äpfeln bis hin zu süßen Kirschen, Erdbeeren, Marillen oder auch Himbeeren.

Neben frischem Obst und Gemüse finden sich im Lager auch Waren von weit her, wie Kaffee von einer mexikanischen Frauenkommune oder Olivenöl aus Griechenland. "Wir haben einige Produkte, die sind von sehr weit her. Das sind Produkte, von denen man gleich eine größere Menge bestellt, weil man sie sehr gut lange lagern kann, wie Kaffee oder eben Olivenöl. Das sind so Ausnahmen, die wir ab und zu machen. Sonst achten wir darauf, dass wir ausschließlich aus dem Wiener Umkreis einkaufen oder Produkte von Regionen beziehen, in der ein Mitglied von uns zu Hause ist oder Verwandte und Bekannte hat", so Verena. So kommen ihre Eier vom Bauernhof Rauscher aus der Steiermark. Die Söhne des Bauernhofs wohnen in Wien und bringen nach dem Heimaturlaub regelmäßig frische Eier mit.

"Neue Gemüsebestellung offen"

Weitere Produkte wie Milch, Fleisch, Gemüse, Mehlspeisen und auch Fisch können online über eine Plattform bestellt werden. "Je nachdem, welche Saison ist oder welcher Hof uns kontaktiert, beispielsweise hat uns gerade unser Gemüsebauer mit einer neuen Gemüselieferung angerufen, geben wir eine Bestellung auf. Jedes Mitglied bekommt dann von uns eine E-Mail, wo drinnen steht, 'Neue Gemüsebestellung offen'. Auf der Plattform findet man dann eine Liste mit allen Gemüsesorten, die zu bestellen sind", erklärt Johannes. Auf der Liste sieht man auch die Bestellungen der anderen Mitglieder, so kann man sich zu bereits georderten Produkten dazureihen und die Produkte werden dann billiger. "Wir achten immer darauf, dass wir auf einen Bestellwert von mindestens 100 Euro kommen, denn dann wird garantiert, dass auch die Lieferkosten mit dabei sind", erklärt Verena. Einige Waren sind hingegen immer im Lager zu kaufen. "Zum Beispiel getrocknete Linsen vom Biohof Wiesinger in Niederösterreich sind bei uns fast immer lagernd, weil wir Hülsenfrüchte gleich in größeren Mengen bestellen", erklärt Johannes. Wer gerne ein paar Linsen kaufen möchte, wiegt diese einfach vor Ort ab, berechnet den Preis und wickelt den Kauf über die Plattform online ab. Wenn das Guthaben für den Einkauf aufgebraucht ist, kann man dieses ganz einfach wieder über die Plattform aufladen. Abgerechnet wird am Ende des Monats.

Neben herkömmlichen Produkten wie Obst, Gemüse und Milchprodukten gibt es im Sortiment der Gabln auch ein paar Spezialitäten wie das "100 Blumen Bier" aus Wien. Die 100 Blumen Brauerei ist eine kleine Brauerei, die seit 2016 mit ihren verschiedenen Biersorten versucht etwas Farbe in die österreichische Bierlandschaft zu bringen und veraltete Konventionen zu brechen.

Direkt vom Bauernhof, Gärtner & Co

Nach der gemeinsamen Bestellung liefern die Produzentinnen und Produzenten die Lebensmittel ins Lager. "Ab und zu kommt es auch vor, dass eines unserer Mitglieder am Weg in die Arbeit oder am Nachhauseweg die Waren von unseren Partnern abholen", so Johannes. Zurück im Lager können die bestellten Produkte von den Mitgliedern mit der Schlüsselkarte jederzeit mitgenommen werden. Nervige Geschäftszeiten sind so schlechte Erinnerungen von gestern.

Zum herkömmlichen Supermarkt gehen Verena und Johannes trotzdem immer wieder. Nicht alles kann über den Verein bestellt werden, was man für das alltägliche Leben braucht. "Ich sehe die Foodcoops als eine Ergänzung zum Supermarkt. Man hat hier die Chance, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu fairen Preisen und Verhältnissen zu bekommen. Und ja klar, es steckt mehr Aufwand dahinter, aber all das lohnt sich, denn unsere Lebensmittel schmecken einfach unglaublich gut", erzählt Johannes. "Außerdem beschäftigt man sich viel mehr mit den Lebensmitteln, die man tagtäglich isst, und das verleiht ihnen einen ganz anderen Stellenwert."

Zudem geht es bei den Gabln nicht nur um die Lebensmittelbestellung, man trifft sich zum gemeinsamen Kochen, auf einen Kaffee oder um sich bei herrlichen Mehlspeisen aus der Region über anfallende Themen auszutauschen.

Wollen auch Sie Mitglied bei einer Foodcoop in Ihrer Nähe werden? Hier finden Sie alle Standorte in Wien.